1. Advent 2011, 27. November

Thursday, December 1, 2011 5:24:00 PM Categories: Advent in Habenhausen

Predigt zum 1. Advent 2011 in der Simon-Petrus-Kirche am 27. November, Offenbarung 5, 1-5

Ein wunderbares, verwirrendes, verstörendes Bild. Denn wir dürfen einen Blick tun, der uns sonst nicht gestattet ist. Wir sehen den Thron Gottes. Johannes hat eine Vision. Und die hat er nicht für sich, oder weil er Drogen genommen hat oder weil er ein Spinner ist. Er, Johannes, wird zum Auge der Menschheit. Er sieht für uns. Gott will uns zeigen, was in Wirklichkeit ist. Wir sitzen einem Trick auf, einem Betrug, mit dem die Sünde uns betrügt, weil wir nicht sehen können, was Johannes hier sieht. Wir halten dieses hier alles, worüber wir uns jeden Tag neu den Kopf zerbrechen, dieses Leben, diese Welt, diese Dinge für die Wirklichkeit. Das ist auch richtig. Aber wir halten sie für die ganze Wirklichkeit. Und das ist die Lüge, mit der die Sünde uns betrügt. Wir sitzen aber dieser Lüge auf und können nicht anders, als diese Welt für die ganze Wahrheit zu halten. Das ist die Macht der Sünde, dass wir aus ihr nicht rauskönnen. Sie fesselt und hält uns, sie verbindet uns die Augen, so, dass wir Gott nicht sehen können.

Aber Rettung kommt von Gott selbst. Er holt den Johannes in einer Vision in den Himmel und zeigt ihm die ganze Wahrheit. Und schickt ihn mit dieser Wahrheit zu uns. Das ist die Offenbarung der Wahrheit und der Wirklichkeit, die die Sünde uns aber auf Teufel komm raus verbergen möchte.

Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln.

Ist es nicht eigenartig, dass uns das Gesetz des Mose verbietet, Bilder zu machen von Gott, offensichtlich, weil unsere Phantasie uns da in die Irre führt, aber hier überflutet ER selbst uns geradezu mit Bildern?

Zunächst der Thron. Auf ihm sitzt Gott. In seiner rechten Hand ein Buch. Dieses Buch enthält die Zukunft. Advent. Was kommt nun auf uns zu? Gott weiss es. Er hält die Zukunft in seiner Hand. Das ist ein starker Trost. Gegen die Lüge der Sünde, alles sei Zufall und Glück, erfahren wir hier, dass alles auf dem Thron Gottes seinen Ursprung hat und in Gottes Willen seinen Anker. Was immer in diesem Buch steht. Wir wissen es nicht. Wir können die Zukunft nicht sehen, das Buch ist ein Buch mit sieben Siegeln. Aber was immer darin steht, es hat seinen Grund in Gott und es kommt aus seiner rechten Hand. Das wollen wir der Sünde mutig ins Angesicht sagen, wenn sie uns wieder mal einreden will, alles sei ganz sinnlos.

Und ich sah einen starken Engel. Der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen?

Lasst uns nicht so schnell über die Figur des starken Engels hinweggehen! Lasst uns dass genießen! Ein angelos ischyros. Selbst die Diener Gottes sind groß. Wenn aber selbst die Diener Gottes und seine Engel gewaltig sind, wovor fürchten wir uns dann?

Aber nun fällt ein Licht auf die Erde. Nun fällt ein Licht auf uns. Der Engel ist stark. Aber sind wir auch würdig? Sind wir reif? Sind wir stark im Glauben? Lachen wir die Sünde und ihre Lügen aus und ruhen wir in Gott? Ihr Lieben, wir sind so ziemlich das Gegenteil des starken Engels. Der Zweifel, die Angst, die Trägheit, der Teufel, die Sünde und das bisschen guter Wille und Einsicht, das sich doch auch irgendwie in jedem von uns findet, zanken sich um uns, wie Geier um das Aas.

Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen?

Wer ist würdig, belehrt zu werden über Gottes Willen? Wer ist würdig, die Zukunft aus seiner Hand zu nehmen? Wer ist würdig, Vertrauter, Schüler, Kind Gottes zu sein?

Und niemand, weder im Himmel, noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen. Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hinein zu sehen.

Das ist auch eine Offenbarung. Wie würdelos die Menschen sind, vom hohen Standpunkt starker Engel betrachtet. Wie klein, wie kleinkariert, wie mutlos, wie traurig, wie egoistisch, wie dumm. Das hat Johannes vielleicht schon manches Mal gedacht, wenn er über seinen schlauen Büchern saß. Das hat er vielleicht auch schon gepredigt seiner Gemeinde, die darüber gewiss mit den Achseln zuckte. Aber jetzt, in dieser Himmelfahrt, die für seine Nerven und seine Gefühle eher einer Höllenfahrt gleicht , jetzt sieht er’s, jetzt begreift er’s, jetzt hört er’s aus dem Mund eines großen Engels, jetzt, wo er da oben seine Höllenpein aussteht, wo ihm unwohl ist, jetzt sieht er die Menschen und die Erde, und natürlich mittendrin sich selbst zum ersten Mal aus der Perspektive Gottes. In großer Klarheit sieht er, worüber wir erst noch mal lange diskutieren wollten: Es ist niemand würdig, Vertrauter, Schüler, Mitarbeiter Gottes zu sein und seine Pläne zu wissen. Und er weint. Und er weint sehr, weil ihm das alles hier unten auf Erden aus jener hohen Perspektive, in die er nun einmal hineinversetzt ist, so aussichtslos erscheint.

Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, auf zu tun das Buch und seine sieben Siegel.

Fürchte dich nicht vor der Macht der Sünde. Fürchte dich nicht vor der Kleinheit der Menschen. Fürchte dich nicht vor der Ausweglosigkeit, mit dem alles Menschenwesen und Tun, alles politische Tun, alles wirtschaftliche Tun, belegt ist, wie mit Mehltau. Das ist ja alles richtig. Du hast ja recht, wenn du weinst! Du hast ja recht, wenn dir die Menschenverhältnisse an die Nieren gehen. Die Sünde ist groß. Und sie ist dabei, diesen Planeten in Stücke zu reissen. Die Sünde ist groß.

Aber der Löwe aus dem Stamm Juda ist größer. Babylon ist groß. Die Reiche und Kräfte und Mächte dieser Welt werden im Buch der Offenbarung die große Hure Babylon genannt., weil sie „für Geld alles machen“, aber die Wurzel Davids ist größer.

Wenn du weinst über dich und über diese Welt, und wenn du murrst und protestierst und die Fäuste ballst über die Macht Babylons, wenn du nach Gorleben fährst und dich dort an die Schienen kettest, wie unser Bruder xxxx (Name aus Datenschutzgründen im Internet verdeckt)an diesem Wochenende, dann hat dir Gott schon gezeigt, dass diese Welt noch nicht die Welt ist, in der Gottes Reich zum Durchbruch gekommen ist. Diese Welt, die Welt des Castor-Transports und der Finanzmarktkrisen, die Welt des Lobbyismus und der Hunderte von Millionen Menschen, die hungern müssen, weil die die nicht hungern müssen, ihren Reichtum für sich behalten wollen, diese Welt der politischen Raffinesse und der ökonomischen Sachzwänge, diese Welt ist nicht das Reich Gottes. Das Reich Gottes aber soll kommen. Seht: Der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids.

Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den …Gestalten (die da waren)…ein Lamm stehen, wie geschlachtet, es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande.

Der Löwe ist ein Lamm. Und der Sieger sieht aus, als wäre er geschlachtet und er ist es auch. Es ist Jesus Christus, der am Kreuz gesiegt hat. Er hat den Willen Gottes getan, als einziger Mensch von allen. Das war sein Sieg. Die Sünde, die sonst so mächtig ist, kam an ihn nicht ran. Er blieb bei Gott. Selbst, als er sterben musste. Selbst, als er Angst bekam. Blut und Wasser hat er geschwitzt im Garten Gethsemaneh und am Kreuz sind die Zweifel gegen ihn angerannt, wie Soldaten in der Schlacht. Er aber blieb bei Gott. Die Sünde hat sich vor Wut in den Arm gebissen!

Und nun steht er da im Himmel vor dem Thron. Weil er das Lamm gewesen ist, hat Gott ihn nun zum Löwen gemacht. Hat ihm sieben Augen und sieben Hörner gegeben. Nichts kann ihm entgehen. Und nichts kann sich ihm entgegen stellen. Nun hat er die Macht! Und er wird kommen und er wird Babylon vernichten und er wird die Sünde suchen und finden und er wird sie vernichten.

Er ist damals gekommen als Lamm und hat am Kreuz den Sieg durch seine Treue errungen. Das war sein erster Advent. Nun aber soll er kommen als Löwe, und er wird ein Ende machen mit dem, was uns klein macht und mutlos hält – und was uns weinen läßt. Lasst uns warten auf diesen zweiten Advent, und auf unsern König, das Lamm Gottes, den Löwen aus Juda, die Wurzel Davids! Amen.

 

Pastor Jens Lohse

  

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