Kirchenfenster

Materialien

Die im Fenster eingebrachten Materialien haben ihre eigene Geschichte. Man sieht bei genauerem Hinsehen schöne blaue Gehäuse von Meeresschnecken. Sie wurden auf dem Kirchhof des friesischen Dorfes Zurich/Surk nahe dem Abschlussdeich am Ijsselmeer gefunden und nach Bremen gebracht. Kleine Beutestücke vom Friedhofsweg im Windschatten eines hohen Deiches.

Sehr gute Augen muss haben, wer zwei Angelfliegen entdecken will. Kleine handwerkliche Meisterstücke. Für das Kirchenfenster hat Detlef Huthoff aus Habenhausen zwei besonders dekorative Exemplare in Handarbeit gebunden.

Die schönste Geschichte wird zu den Krebsscheren erzählt: Als Frau Santarossa der mit den handwerklichen Arbeiten betrauten Firma Derix in Taunusstein nahe Wiesbaden mitteilte, dass dringend Krebsscheren für die Fenster in Habenhausen besorgt werden müssten, führte das zu einer bald verzweifelten Suche nach geeigneten Objekten. Die Firma schreibt am 25.4.02 an die Künstlerin:

„Es ist...gelungen, aus Privatkreisen eine gewisse Menge an Muscheln zu bekommen. Allerdings bleibt die Suche nach Krebsscheren (auch aufgrund der geographischen Lage Hessens) nahezu unmöglich. Vielleicht könnten Sie sich in derartigen Details ein wenig einschränken?“

Eines Tages aber traf eine Lieferung unbehandelter, frischer Krebsscheren von jenseits des Atlantik in Taunusstein ein. An der Ostküste der Vereinigten Staaten stehen nämlich mancherorts Krebse als Arme-Leute-Essen auf dem Speisezettel der Einheimischen. Über persönliche Kontakte hatte sich die Suche nach Krebsscheren im fernen Hessen für die Bremer Kirchenfenster bis in die USA herumgesprochen. Freunde von Angestellten der Glasbaufirma packten also ein Paket mit den Objekten der Begierde und schickten es nach Deutschland.

Nun stellte sich für die Firma Derix ein neues Problem. Die Scheren waren noch voller Krebsfleisch. Man befürchtete Verrottung und Geruchsbildung. In vielen Jahrzehnten Kirchbaukunst hatte man noch niemals Krebsscheren verarbeitet. Wie würde sich das ungewohnte Material auf Dauer verhalten? In einem Brief an die Kirchengemeinde vom 27.5.02 sah sich der Firmenchef daher veranlasst, folgende Bedenken mitzuteilen:

„Bei den Krebszangen gelang es uns nicht trotz stundenlangen Auskochens, die Geruchsbildung zu unterbinden. Wir können nicht abschätzen, wie diese organischen Bestandteile, die wir selbst erstmalig in einem Fenster verarbeiten, auf die Dauer sich verhalten werden.“

Anscheinend hat es dann in der Zwischenzeit noch einmal eine Auseinandersetzung mit der Künstlerin gegeben, denn am 4.6.02 erreichte die Gemeinde ein Brief mit folgendem Inhalt:

„Sehr geehrter Herr Pastor Lohse,
entgegen unseren handwerklichen Bedenken bestand Frau Santarossa darauf, drei Krebsschwänze in die Gestaltung zu integrieren. Wir haben diese nun zusätzlich in Lack getaucht, der Geruch ist hierdurch verschwunden und wir nehmen an, dass nichts weiter geschehen wird. Wir müssen aber nochmals darauf hinweisen, dass wir keine Gewährleistung übernehmen können, weder für etwaige spätere Geruchsbelästigung noch für Verrottung o.ä...“

Dem Betrachter fallen die Krebsscheren in den Fenstern sogleich ins Auge. Wer mit der Nase ganz nahe heranrückt, wird feststellen, dass sie geruchsneutral sind!

Jens Lohse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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