19. n. Trinitatis, 30.10.2011

Monday, October 31, 2011 12:53:00 AM Categories: in Habenhausen Sonntage nach Trinitatis

Predigt am 19. nach Trinitatis, 30.10.2011, Simon-Petrus-Kirche, Markus 1, 32-39

 

Die ganze Geschichte beginnt, als es dunkel ist:

Am Abend aber, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen.

Es ist dunkel. In der Welt, die der Evangelist hier beschreibt, herrschen Krankheit und Besessenheit. Wer wollte bestreiten, dass das unsere Welt ist?

Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür.

Mitten in der Nacht suchen die Menschen Hilfe und Rettung. Und kommen zu dem, der von Gott gesandt wurde.

Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!

So stehen sie also an der Tür des Hauses, in dem Jesus ist. Normale Menschen, wie du und ich, von Gott berufen und auserwählt.

Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse Geister aus

Kann denn, wo das Licht Gottes scheint, gleichzeitig Finsternis sein? Kann denn, wenn das Licht Gottes unter uns leuchtet, gleichzeitig Sünde, Bosheit, Egoismus und Ungehorsam sein? Kann denn Krankheit, Not, Sorge, Existenzangst sein, wo Jesus Christus zuhause ist? Christus ist das Licht und dieses Licht treibt alle Finsternis aus.

Wollen wir nicht Christus in unser Herz aufnehmen und unsern Verstand von ihm erleuchten lassen?

Gibt es denn den geringsten Zweifel, dass, wenn Christus in uns groß wäre, die Sünde und die Angst und die Gier und die Bosheit klein würden?

Nun ja: Da gibt’s außer uns noch einige, die mitspielen in diesem Spiel des Lebens. Und die wissen, wie sie uns zu packen haben. Die wissen, wo wir unsere Schwächen haben und wo sie ansetzen müssen. Da sind die Dämonen, die uns locken und zwicken, mit Zuckerbrot und Peitsche um uns herum sind mit dieser berühmten Frage, der schon Adam und Eva auf den Leim gegangen sind: „Sollte Gott wirklich gesagt haben?“

„Sollte Gott wirklich gesagt haben?“ Das ist die Wunderwaffe, mit der der Teufel und seine Dämonen uns kriegen.

Wie viele Geschichten gibt’s, wie Menschen ein Bündnis mit dem Teufel schließen. Uns scheint das immer sehr märchenhaft. Sehr weit weg. Faust, von Goethe und von Thomas Mann. Mephisto. Das scheint uns ziemlich schriftstellerisch und mythologisch.

Aber man muss eigentlich nur eins machen, um seinen Bund mit dem Teufel zu schließen. Man muss nur diese Frage: „Sollte Gott wirklich gesagt haben?“ auf sich wirken lassen. Dann kommt man ganz von alleine von Gottes Wort ab. Dann wird nämlich jedes Wort, das Gott gesprochen hat, relativ. Dann kommt hinter jedes Gebot ein Fragezeichen. Und hinter jede Verheißung auch. Dann wird fraglich, warum wir den Sonntag nicht arbeiten sollen, warum wir die Ehe nicht brechen sollen, dann wird fraglich, ob Gott überhaupt der Schöpfer dieser Welt ist, ob er überhaupt in Jesus Christus den Erlöser gesandt hat, ob es überhaupt ein Leben nach dem Tode und ein Gericht über die Lebenden und die Toten gibt, am Ende wird fraglich, ob Gott selbst nicht nur ein Mythos ist, ein Märchen, eine Einbildung. Und so zerrinnt der Glaube uns zwischen den Fingern und die Macht der Dämonen wächst, zunächst unmerklich, ins Unermessliche. Ist nicht der Zweifel die Grundlage unseres Denkens? Ist nicht der Zweifel der Kern unserer gesamten gesellschaftlichen, politischen und privaten Philosophie? Und ist es nicht die Schlange, die den Zweifel säät?

Und er half vielen Kranken und Besessenen, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren und trieb viele böse Geister aus und ließ die Geister nicht reden, denn sie kannten ihn.

Siesollen seinen Namen nicht aussprechen. Sie sollen die Ehre nicht haben, den Namen des Retters bekannt zu machen unter den Menschen. Das wäre ja nun auch absurd, wenn sie, die bösen Geister, die uns mit vielen Tricks vom Licht fernhalten, nun auch noch tun dürften, was doch unsere menschliche Aufgabe ist: Den Namen des HErrn ausrufen, und sein Licht unter den Menschen leuchten lassen. Das ist UNSERE große Aufgabe, für die wir offensichtlich für wert gehalten werden! Wo wir den Namen des HErrn groß machen, muss die Sünde mindestens kleiner werden!

Wir verstehen die Sünde meist als böse Tat, die wir getan haben. Damit nehmen wir uns selbst viel zu wichtig. Nach der Bibel ist die Sünde vor allem eine große Macht. Eine Kraft, die von innen und außen gegen uns arbeitet und die uns betrügt, und die den Teufel und die Dämonen für sich arbeiten lässt und die erst durch das Gesetz Gottes bloßgelegt und erkannt wird. Wir verstehen nicht so recht, was es mit der Sünde auf sich hat, aber was wir doch verstehen können, ist, dass sie unser Feind ist. Sie tut uns nichts Gutes. Sie macht uns kaputt.

Weil wir selber nicht wissen können, was Sünde ist, und weil sie uns betrügt und sich als etwas Schönes und Angenehmes verkauft, deshalb wird sie von den Geboten wie mit riesigen Scheinwerfern angeleuchtet und ausgeleuchtet. Dabei fühlt sich die Sünde im Dunkeln am Wohlsten.

Und dann gibt es noch die Krankheiten. Jesus heilt hier die vielen Kranken.

Die Krankheiten, die wir haben, sind Hinweise auf einen wesentlichen Defekt. Sie sind ganz unspezifische Marker, dass mit uns grundlegend etwas nicht stimmt. Nicht nur die Krankheiten, die ich selber habe, sind Hinweise darauf, dass mit mir etwas nicht stimmt, sondern auch die Krankheiten, die die andern haben. Jede Krankheit ist wie ein Signal: Hier ist etwas nicht in Ordnung. Wenn es in Ordnung wäre, gäbe es die Krankheiten nicht.

Und er half vielen Kranken und Besessenen, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren und trieb viele böse Geister aus.

Gibt es denn den geringsten Zweifel, dass, wenn Christus in uns groß wäre, die Krankheiten und Gebrechen klein würden?

Aber Jesus Christus IST nicht groß in uns. Sondern er ist klein. Und die Krankheiten und Gebrechen in uns sind statt dessen groß.

Es ist nicht alles in Ordnung mit uns. Ihr spürt es doch am eigenen Leib, wie der gepeinigt wird. Es ist nicht alles in Ordnung mit uns, sondern es ist da ein Bruch irgendwie tief in uns, ein tiefer Riss, und aus diesem Riss und Bruch quellen als Symptome allerhand Krankheiten und Leiden. Haben wir denn keine Augen? Haben wir denn keinen Verstand, dass wir’s nicht merken? Wir brauchen Hilfe und Rettung. Wir brauchen Jesus. Aber nicht das Symptom ist das Problem. Die Krankheiten sind nicht wirklich unser Problem. Sie sind ja nur Symptom. Das wirkliche Problem, das wir haben, ist die Sünde, die aller Krankheit zugrunde liegt.

Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort. Simon aber und die bei ihm waren, eilten ihm nach. Und als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich!

Jedermann sucht dich? Wer sucht Jesus Christus? Wo sind sie, die ihre Nacht hinter sich lassen und die den Morgen suchen? Wo sind die, die wie Simon und Andreas und Jakobus und Johannes unruhig werden, wenn er nicht in der Nähe ist und sich aufmachen, ihn zu suchen?

Jedermann sucht dich. Gesegnet sind die, die ihn tatsächlich suchen! Vielleicht tragen sie noch ihre körperlichen Gebrechen, vielleicht fallen sie immer noch auf die Tricks der Dämonen rein. Aber doch: Sie sind gesegnet, denn sie suchen Jesus. Es ist ja dadurch doch die Richtung ihres Lebens schon eine andere geworden. Es ist ja doch die Richtung ihres Laufens und Lebens die Richtung auf Gott hin geworden, zum Licht hin, zum Morgen hin, aus der Nacht heraus, von der Sünde weg.

„Man müsste nur die Laufrichtung ändern“. Irgendein Buchtitel. „Lauft so, dass ihr den Siegespreis empfangt!“ sagt der Apostel Paulus.

Simon aber und die bei ihm waren, eilten ihm nach.

Andere haben noch nicht einmal von ihm gehört. Werden ausgetrickst und geblendet von den Dämonen, niedergedrückt von ihren Krankheiten, billig vertröstet vom künstlichen Licht, sind ohne Hoffnung der Sünde überlassen.

Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige, denn dazu bin ich gekommen. Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Geister aus.

Alle Menschen auf dieser Welt brauchen Hilfe und Rettung. Sie brauchen einen Arzt, der nicht ihre Symptome kuriert, sondern der die Wurzel des Übels beseitigt. Und die Wurzel unseres Übels ist die Sünde. Es ist eine Katastrophe, wie sehr wir Menschen der Moderne das vergessen haben. Wie können wir gerettet werden, wenn wir wegen jeder Krankheit von Pontius zu Pilatus laufen, aber den Bruch und Riss, der in uns steckt und  uns kaputt gemacht hat, nicht zuerst heilen lassen?

Erst muss durch Jesus die Sünde uns vergeben werden, dann kann es auch gut werden mit unserm Leib und Leben.

Amen. 

 

Pastor Jens Lohse

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