2. Sonntag nach Epiphanias

Sunday, January 15, 2012 7:53:00 PM Categories: in Habenhausen Sonntage nach Epiphanias

Predigt am 2. Sonntag nach Epiphanias, 15. Januar 2012, Simon-Petrus-Kirche, über 1. Kor.2, 1-10

Wodurch überzeugt die christliche Predigt und worin liegt ihre Kraft? Vielleicht habt ihr auch am vergangenen Sonntag den Bericht in der Zeitung gelesen von einem Gottesdienst in der Arberger Kirche. Da ist der Journalist Jürgen Hinrichs hingegangen. Spannend. Ein Journalist auf fremdem Terrain. Wie erlebt so einer den Gottesdienst und die Kirche? Nun, über die Predigt meines armen Kollegen Friedhelm Blüthner hat er geschrieben: „Was Blüthner sagt, ist dann so verquast und unbestimmt, wie man das bei Predigten in der Kirche oft erlebt.“

Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen.

Das ist doch nicht neu, dass man sich über die Predigt unterhält, ob sie verständlich ist, ob sie Kraft hat. Der Apostel Paulus wird von Gott losgeschickt, kommt nach Korinth, in eine Großstadt, wo sie bestimmt nicht auf ihn gewartet haben, und predigt dort.

Nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit.

Es ist jedenfalls nicht die Intellektualität, die überzeugt. Was könnte man als kluger und kritischer Mensch über die Welt und über Gott sagen? Wie könnte man anknüpfen an das, was die Leute gerade bewegt und umtreibt?

Was haben geistreiche Philosophen in tausenden von Jahren schon für Stroh gedroschen. Die Bibliotheken sind voll von dicken Büchern höchster Weisheit. Wenn du Hegels Phänomenologie des Geistes liest oder Heideggers Sein und Zeit oder Kants Kritik der Reinen Vernunft, dann findest du nichts Höheres. Das ist das Äußerste, was Menschen an geistiger Leistung zu vollbringen imstande sind. Und es hat uns doch nicht einen Millimeter näher gebracht zu Gott. Was sind die höchsten Höhen menschlicher Weisheit verglichen mit der Höhe des Himmelreichs? Was Menschen denken, bleibt doch in den engen Grenzen ihres eigenen Schädels.

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist, als die Erde, so sind auch meine Wege höher, als eure Wege und meine Gedanken, als eure Gedanken. (Jes.55,8f

Wenn ein Prediger anfängt, von seiner Kanzel Eigenes zu verkünden: Eigene Ansichten, eigene Erkenntnisse, eigene Meinungen, das, was er selbst sich aus seiner Lektüre der Philosophen, in Diskussion mit dem jeweiligen Zeitgeist zurechtgebastelt hat, dann wird Langeweile die  Folge sein. Denn auch wir Prediger sind kleine Geister. Viel kleiner meist, als Kant, Hegel und Heidegger. Und erst recht viel kleiner, als Gott in seiner Höhe.

Was ich euch zu verkünden habe, sind nicht meine eigenen Einsichten,

Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen, als Jesus Christus, den Gekreuzigten.

So sagt Paulus. Und warum sollen wir dann etwas anderes wissen? Dass Jesus Christus der Schlüssel zu Gott ist, darauf kommt kein Mensch. Dass sieht auch von Natur aus kein Mensch ein. Wie eine nette Dame beim Frauentreff letzten Mittwoch sagte, sie habe mit einer so freundlichen und gläubigen Muslima gesprochen. Alles ganz wunderbar. Nur: die Muslima glaube eben nicht an Jesus Christus und da wisse sie, die nette Dame nämlich, auch nicht, was sie sagen solle.

Bei Paulus ist es umgekehrt. Das EINZIGE, was er weiß, ist Jesus Christus! Er ist am Kreuz und durch das Kreuz

für uns von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung gemacht. (1. Kor.1,30)

Warum? Wieso? Erklären Sie das mal? Was soll ich denen sagen, die das nicht glauben und nicht verstehen?

Denen sollst du sagen, dass es ein Geheimnis ist, nein, nicht EIN Geheimnis, sondern DAS Geheimnis Gottes! Im Kreuz liegt die Rettung und sie liegt nirgendwo sonst. Und da gibt es nichts zu erklären und zu beweisen, denn die Weisheit Gottes läßt sich nicht erklären und beweisen mit menschlichen Kräften, deshalb hör auf, dir den Kopf zu zergrübeln! Hör auf, hohe Worte und hohe Weisheit zu verlangen. Für wen hältst du dich? Ist Gott dir Rechenschaft schuldig?

Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen, als Jesus Christus, den Gekreuzigten.

Und nun spring du über deinen Schatten. So hoch ist der doch gar nicht. Und glaube, was Gott dir ausrichten lässt.

Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern.

Ja, meinst du denn, Paulus hätte nicht auch viel lieber große Worte gefunden und hohe Weisheiten verkündet, Dinge, die den Leuten einleuchten aufgrund ihrer Logik und Plausibilität? Der hat sich schwach gefühlt und hat Angst gehabt, dass er nicht ankommt, wenn er sich vor die Leute hinstellt, und hat nichts, an das er anknüpfen kann, sondern nur Christus, den Gekreuzigten? Wie sollen seine Hörer das verstehen?

In Furcht und mit großem Zittern.

Welcher Redner möchte nicht, dass man ihn bewundert wegen seiner Klugheit, wegen seiner Hermeneutik, wegen seiner Kunst, die schweren Dinge einfach zu sagen?

Paulus aber verkündet das Allereinfachste. Und das ist für unseren Geist schwierig: Glaubt an den Gekreuzigten. Er ist alles, was ihr braucht. Keine Erklärung. Kein bei der Hand nehmen und behutsam einführen in die Geheimnisse Gottes, wie auf einem Lehrpfad, wo man Schritt um Schritt besser versteht. Sondern bei Paulus ist es so, als ob er seine Hörer an eine Klippe führt, an einen Abgrund, und dann müssen wir springen. Den Sprung in den Glauben. Ohne Sicherheit. Nur auf das Wort hin. Das fordert er ohne ein Schielen darauf, ob das „ankommt“, was er sagt.

Und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft.

Niemand glaubt, weil er überredet wird. Und niemand vertraut Gott, weil sein Verstand durch Nachdenken den Weg zu Gott gefunden hat. Aber Paulus hat wohl die Erfahrung gemacht, dass, wenn er die Botschaft ausrichtet, die Gott ihm aufgetragen hat, wenn er also das Geheimnis Gottes ausrichtet, wenn er also sagt: Kommt und glaubt an den gekreuzigten Christus, dass dann in seinen Worten eine Kraft steckt, die von Gott selber kommt.

Wie kann der Geist Gottes in menschlicher Weisheit und Klugheit stecken? Wie kann in Gedanken, die ich mir mache, als Jens Lohse oder Friedhelm Blüthner, über diese Welt und über Gott, und die ich mir zum Teil noch zusammengelesen habe aus Gedanken anderer, die klüger waren, als ich, wie kann in solchen Gedanken der Geist Gottes wohnen? Da wird doch wohl der Geist von Jens Lohse oder Friedhelm Blüthner drin wohnen, und der befindet sich ziemlich genau auf einer Ebene mit eurem  Geist und das, was ihr da zu hören bekommt, werdet ihr mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit recht belanglos und langweilig finden. Kraft aber hat nicht mein Wort, nicht einmal das des Apostels Paulus, sondern Gottes Wort,

damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

Nun könnte man sagen: Aha. Haben wir schon immer vermutet. Das Christentum ist eben eine unlogische Religion. Hat mit Vernunft nichts zu tun.

Wovon wir aber reden, ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen, nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen.

Die, die glauben, werden hier die Vollkommenen genannt. Obwohl die Welt sie doch für Trottel hält. Aber die Welt irrt sich. Sie ist beschränkt und vergänglich und ihre Weisheit ist es auch. Die wahre Weisheit können nur wenige erkennen. Das sind die Vollkommenen. Ihr werdet heute zu den Vollkommenen berufen.

Wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat, denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.

Was nutzt alle Macht dieser Welt, was nutzt alle Klugheit, wenn ich bei dem bleibe, was ich kann und weiß und verstehe. Ich glaube, das ist bis auf den heutigen Tag der Erzfehler der Kirche, dass sie in ihrer Predigt eben doch die Klugheit dieser Welt sucht. Sie will sich nicht blamieren, wenn sie "in Furcht und großem Zittern" hinaustritt auf's Forum der Meinungen. Und dann bleibt sie eben doch bei dem, was der Mensch ohnehin weiß, auch ohne sie, die Kirche. Das macht ihre Predigt so langweilig. Die Vollkommenen lassen sich belehren von Gott. So werden sie gestärkt von seiner Kraft und ewig sein, wie Gott selbst ewig ist. Die Welt und ihre Weisheit aber vergehen. Staub liegt auf den Büchern der Philosophen. Dicker Staub.

Es ist gekommen, wie geschrieben steht: „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.“ Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist, denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.“

Wo der Geist Gottes ist, da ist keine Langeweile. Nicht einmal bei Journalisten. Amen.

  

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