3. Advent 2011, 11. Dezember, Simon-Petrus-Kirche

Sunday, December 11, 2011 1:00:00 PM Categories: Advent in Habenhausen

Predigt zum 3. Advent, 11.12.2011, über Römer 15, 5-13, Simon-Petrus-Kirche

Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß.

Wir sind hier in der Kirche recht einträchtig beieinander, nach meinem Gefühl. Aber wie sehen die da draußen uns? Wie bezeugen wir denen, die nicht mit uns hier sind, die Wahrheit unseres Glaubens? Wie rücken wir denen, die nun keinen Trost von Gott kennen, auf den Pelz, wie nehmen wir sie hinein in das Lob Gottes, wie nehmen wir sie bei der Hand?

Damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.

Ganz offensichtlich will Gott, dass die da draußen teilhaben an dem, was uns tröstet und aufbaut. Und er will, dass wir mit dem Lob Gottes zu hören sind bei denen, da da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes. Und das sind nicht nur die Sterbenden und die, die in irgendwelchen Krisen und Katastrophen ihres Lebens stecken, sondern dass sind gerade die, die vor Kraft nur so strotzen, deren Tage gefüllt sind mit Geschäftigkeit, deren Leben und deren Philosophie gar keinen Platz hat für einen Gott und für einen Himmel, sondern die sich eingerichtet haben in der Welt ohne Glauben.

Das sind unsere Nachbarn, und, ich muss es sagen, es sind Leute mitten aus unserer Gemeinde. Zur Kirchengemeinde Arsten/Habenhausen gehören 7.500 Mitglieder, aber viele von denen sind nur erst ganz am Rande berührt vom Evangelium. Wie viele Konfirmanden haben gar keinen Glauben, ich will nicht sagen: heucheln. Aber: Nehmen den HErrn Jesus Christus auch nicht sehr wichtig und verlassen die Gemeinde für lange Zeit, so wie sie den Unterricht hinter sich haben und ihr Geld eingesackt haben. Wie sollten sie auch anders, wo so wenige Eltern ihre Kinder in dieser Zeit begleiten, hierher zum Gottesdienst? So wenig, wie in den Häusern gebetet und Bibel gelesen wird?

Versteht mich nicht falsch: Das ist kein Urteil über Leute. Das steht mir gar nicht zu! Sondern hinter diesem ganzen Unglauben und Halbglauben mitten in der Gemeinde, hinter diesem ganzen bratzigen gottlosen Gewese in unserer Stadt und unserm Land steckt doch vor allem eine große Unwissenheit und Unbeholfenheit  und Not. Und der Heilige Geist will, dass wir dieser Not begegnen und dass wir, vielleicht doch weniger den Leuten, als ihrer Not und ihrem Alleinsein und ihrer Gottlosigkeit auf die Pelle rücken, indem wir einmütig das Lob Gottes singen.

Was es nun für so einen kleinen Ort, wie Habenhausen bedeutet, dass da das Lob Gottes nun auch noch auf so sehr verschiedene Weise, und so nebeneinander her und so aneinander vorbei gesungen wird, wie in der Paulusgemeinde und bei uns, das kann ich nur vermuten. Es ist ja so, dass die Gespräche mit der Paulusgemeinde im September einige Ratlosigkeit hinterlassen haben. Ein Fremdeln. Einige Irritation. Und es hat sich seitdem auch nichts weiter entwickelt. Aber ob nicht doch ihr junger Pastor Zobec recht hat, wenn er meint, dass es dem Herrn Jesus keine Ehre tut, wenn zwei christliche Gemeinden in einem Ort sich eher gegenseitig auf den Füßen stehen, anstatt das Evangelium mit aller Kraft und jeder an bringen?

Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

Es geht doch nicht darum, dass die Paulusgemeinde oder wir uns profilieren. Es geht um das Lob Gottes, das über unserm Ortsteil und das in dieser Stadt lauter und deutlicher zu hören sein soll, als das Getriebe und Geschiebe des weihnachtlichen Konsumbetriebs.

Denn ich sage euch: Christus ist ein Diener der Juden geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben worden sind.

Ja, es gibt die, die schon immer dazugehörten. Die Kinder Gottes. Und die sollen es ja auch bleiben. Christus will euch nichts wegnehmen. Er will ganz und gar euer Gott sein, so, wie er es versprochen hat. Aber er will auch der Gott derer sein, die draußen sind und nicht dazugehören, bisher.

Die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen.

Uns genügt das vielleicht. Dass wir uns haben. Dass wir unsere Kirche hier haben, die heute ihren 16. Geburtstag feiert. Natürlich. Da hat Gott uns ein Geschenk gemacht. Unser Herz freut sich, und manchmal ärgert es sich, an unserm kleinen Gemeindeleben. Aber Gottes Herz strömt über! Wie könnte er die vergessen, die draußen sind? Wie könnten ihm die egal sein?

Sein Herz strömt über zu denen, die noch gar nichts von ihm wissen und die zunächst auch gar nichts von ihm wissen wollen und er will nichts weniger, als dass auch sie einstimmen in sein Lob. Überall in der Welt soll das Lob Gottes gesungen werden!

Was ist, das wir dazu tun können? Der Apostel Paulus ist rausgezogen und hat in fremden Ländern vom Herrn Jesus Christus erzählt. Und Gott hat sein Reden gesegnet und überall sind Menschen zum Glauben gekommen. Glaubt ihr denn, er würde unser Reden nicht segnen, wenn wir nun zunächst mal in unserer Nachbarschaft und in unserer Stadt verkünden, dass alle Schuld vergeben und Ewiges Leben für jeden Menschen gewonnen ist am Kreuz?

Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen. Und wiederum heißt es: Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk! Und wiederum: Lobet den Herrn, ihr Heiden, und preist ihn, alle Völker! Und wiederum spricht Jesaja: Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird aufstehen, um zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen.

Ja, glaubt ihr denn, das ginge uns nichts an, was Gott gesagt hat? Das sind Verheißungen. Das hat Gott versprochen, zu tun. Die Heiden werden zum Glauben kommen und die, die ohne Hoffnung sind, werden Trost finden.

Ja, was denkt ihr denn, wie es denen in ihrem Innern geht, die da jetzt so geschäftig und so gottlos durch’s Leben eilen? Die ihren Ersatzgöttern nachlaufen? Glaubt ihr denn, die wären getrost und froh? Der Psalm sagt doch, wie’s in ihrem Inneren aussieht:

Wie der Hirsch nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

So sieht’s aus in der Seele deines Nachbarn und Mitbürgers. Und deshalb nimm ihn mit, lade ihn ein, bring ihn her, wo das Lob Gottes gesungen wird. Wir genügen uns wohl, ja. Aber die Barmherzigkeit Gottes will überfließen zu denen, die ihn noch nicht kennen. Deshalb ladet die Leute ein. Ist das nicht auch etwas, was wir lernen können von der Paulusgemeinde? Wenn jemand dürstet, dann führt man ihn zum frischen Wasser, in den Tempel, in das Haus des HErrn:

Herr, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel (Ps. 48,10) und Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweiget nicht. (Ps. 50, 2f)

Gott will, dass wir den Schatz, den er uns geschenkt hat, nicht vergraben.

Ich glaub', es ist nun deutlich, dass wir unsern Glauben teilen sollen. Und unser Lob soll viel größer werden, weil die Heiden und die, die Gott noch nicht kennen, satt werden sollen an ihrer Seele und Gott finden und mit uns gemeinsam seinen Namen loben.

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes. Amen.

 

  

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