30. Dezember 2012

Thursday, January 10, 2013 8:47:00 AM Categories: in Habenhausen Sonntagsgottesdienst

 

Predigt  30.12. 2012

(1. Sonntag nach Weihnachten)

 

Joh. 12, 44 – 50

Weihnachten ist vorüber. Wie war es denn? Was habt ihr gehofft und ist es in Erfüllung gegangen? Weihnachten so sagt man, ist doch das Fest der Familie. Das Fest der Harmonie im Kerzenschein. Ich denke, viele von uns wünschen sich das. Aber vorher ist so vieles los. Hektik und Stress. Eigentlich ist die Adventszeit ja eine Zeit der Besinnung. Für die Alten war sie Fastenzeit, damit man sich auf die Festtage, auf die Ankunft Jesu besonders vorbereiten kann. Für uns ist es eine Zeit der Hektik, der süßen Plätzchen, Lebkuchen und Spekulatius geworden. Na, und die liegen immerhin schon seit Oktober in den Supermärkten.

Ich kann mich erinnern, dass wir in der Jugendgruppe, die ich geleitet habe, auf die Idee kamen eine Weihnachtsfeier zu machen, bei der es saure Gurken zu essen gab. Das war nach all dem süßen Kram eine kulinarische Wohltat, aber es war wohl auch Protest gegen den ganzen Trubel. Es war damals üblich geworden auf die schlimmen Zustände hinzuweisen, einmal den Überfluss bei uns und dann die Not uns das Elend in der sog. Dritten Welt, aber durchaus auch bei uns. In vielen Weihnachtspredigten kam das Problem vor.

Dann las ich einen Artikel eines Diplomaten der auch Journalist war (Günter Gaus). Der sagte: Ihr Evangelischen seid doch total bescheuert! Gut, er war Diplomat, er sagte das eben diplomatischer. Also, da kommen die Leute zu Weihnachten zu euch in die Kirche und ihr beschimpft sie und konfrontiert sie mit der Ungerechtigkeit der Welt. Das wissen die alle! Aber zu Weihnachten wollen sie doch die Botschaft von der Geburt Christi hören. Davon dass Gott in diese Welt gekommen ist, dass er uns gern hat, und für uns da ist. Und das könnte doch so was von ermunternd sein, und was macht ihr dagegen? Nun, hat er Recht?

Vor Kurzem war ich in Nürnberg und hab auch die Lorenzerkirche besichtigt. Dort gibt es Kunstwerke von Veit Stoß, Tilman Riemenschneider und Adam Kraft. Diese fränkischen Bildhauer und Holzschnitzer lebten zur Zeit der Reformation. Anders als die der älteren Künstler haben ihre Figuren eine Lebendigkeit, man könnte meinen, da stehen lebendige Menschen mit Gefühlen. Da war an einer Säule eine Marienfigur, die Jesus auf dem Arm trug und die ihn mit solcher Liebe ansah, dass es mich tief angerührt hat. Ich konnte gar nicht mehr wegsehen, und hatte dann plötzlich das Gefühl einen Voyeurs, als würde ich mich in etwas so persönliches, intimes, einmischen.

Viel später kam mir der Gedanke, das wäre doch schön, wenn Gott, wenn Jesus uns auch so lieben würde, und wenn genau das die Poente von Weihnachten wäre! Wäre das nicht wunderbar? Ob Günter Gaus das im Sinn hatte?

Was sagt eigentlich unser Predigttext?

Wer an mich glaubt, sagt Jesus, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat. Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat. Ich bin in die Welt gekommen, als ein Licht, damit, wer an mich glaubt nicht in der Finsternis bleibe.

Da glauben wir Christen, dass Gott als kleines Kind – als Säugling in unsere Welt kam, nicht als starker kluger und mächtiger Mann. Vor einem Säugling braucht man keine Angst zu haben, keine Angst, sich zu blamieren, vor solch einem starken Mann womöglich schon.

Also, Gott taucht nicht als starker Held auf, auch wenn es Lieder gibt, die ihn so besingen. Und das ist gerade das Besondere an unserem Glauben. Jesus, Gott hat ein Herz für gebrochene Menschen. Er hat ein Herz für Menschen die Sorgen haben, die Leid tragen und die mit ihrem Leben nicht so recht fertig werden. So wie Jesaja sagt: „Den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, das geknickte Rohr nicht abbrechen.“ Ein wunderschöner Text, ein wunderschönes Bild. Wir haben das ja vorhin in der Lesung zum alten Testament gehört.

Jesus, Gott – ich glaube da brauche ich hier jetzt nicht zu unterscheiden nach dem was unser Predigttext sagt– will, dass die Würde von Menschen geachtet wird, auch wenn wir das manchmal anders denken, wenn wir mit machen Menschen wohl Schwierigkeiten haben. Jeder Mensch ist zu achten. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir schnell Menschen finden, die wir da ausnehmen wollen. Aber Gott hat auch die geschaffen und freut sich, wenn es uns gelingt, sie so zu sehen, wie er das gemeint hat.

Aber es gilt auch für uns selbst. „Wozu bin ich denn da, mich braucht doch keiner.“ Nein! Gott ist auch für uns da. Und die Liebe, die ich bei der Figur in Nürnberg gesehen habe, gilt auch für uns.

Gott ist nicht der, der das Leid der Welt mit einem Schlag beseitigt, der mit einer Eisenfaust dazwischenfährt. Ich weiß nicht, ob uns das gefallen würde. Aber er ist bei uns. Er steht neben Dir!

Und was meint er mit dem Licht? Licht ist dazu da, dass wir uns orientieren können. Jesus bietet Orientierung, will das sagen. Und wie? Wenn wir verstehen können, dass Gott uns und alle Menschen liebt, werden wir ihnen anders begegnen. Kann das eine Orientierung bieten im Umgang mit anderen Menschen?

Und wie geht es weiter: Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.

Ich glaube, Jesus ist der Einzige, der sagen darf, dass er die Welt retten will. Aber er wird Niemanden richten. Das mit dem Richten, ist ein weites Feld. Dazu muss ich was sagen.

Wir richten immer wieder. Und wir müssen das auch. Auch damit orientieren wir uns in unserer Welt. Aber „mit dem Maß mit dem wir richten, werden wir auch gerichtet“, hat Jesus mal gesagt. Und das stimmt in erstaunlicher Weise.

Wir tragen so was wie ein Gesetzbuch mit uns rum, womit wir uns und Andere beurteilen und auch verurteilen. Urteile fällen müssen wir, damit wir zu Entscheidungen kommen. Gut ist nur wenn wir wissen, dass das dann unsere Urteile sind. Sie können für Andere auch ganz anders sein.

Aber wir sollten nicht verurteilen. Denn das ist so abschließend, es nagelt dien Andren fest. Wir kennen doch solche Menschen, die wie drohende Richter über uns schweben. Jemand sagte mir mal, er habe immer den Eindruck, sein Vater, der schon lange verstorben ist, sitze da auf einer Wolke und kommentiere sein Tun und sage ihm, was er wieder falsch gemacht habe. Wie sich das anfühlt, könnt ihr Euch denken. Das hindert uns in unserem Leben und es hindert uns dabei dem Anderen näher zu kommen. Wenn wir auf das verurteilen verzichten, können wir vielleicht verstehen, warum der Andere so ist. Und Verstehen hilft und es heilt! 

Lasst mich in drei Sätzen zusammenfassen. Das Licht Jesu, mit dem wir uns orientieren können ist:

  • Gott trägt unser Versagen,
  • Gott richtet uns nicht,
  • Gott umfängt uns mit seiner großen Liebe.

Zum Schluss muss ich noch eines sagen. Unser Predigttext steht in den Abschiedsworten Jesu. Bei Johannes sind das ganz viele. Diese Worte leiten den Karfreitag ein und dann Ostern, Jesu Tod und Auferstehung.

 

Zu Beginn habe ich erzählt, wie wir als Jugendgruppe damals des Weihnachtstrubels überdrüssig waren. Das alles wirkte auf uns so leer, reine Mache, reiner Kommerz.

Vielleicht muss man auch und gerade zu Weihnachten immer Ostern mitdenken. Dieses kleine Kind in der Krippe wird ans Kreuz geschlagen werden und es wird den Tod überwinden.

 

Amen.

 

Klaus Dieter Philippsen

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