7. Juli 2013

Thursday, August 15, 2013 7:11:00 PM Categories: Sonntage nach Trinitatis

Predigt 07. Juli 2013
(6. Sonntag nach Trinitatis)

 

Jes. 43, 1 – 7 (Ich habe dich bei deinem Namen gerufen)


Namen ist Schall und Rauch. Was bedeutet schon ein Name. Ist die Eigenschaft eines Men-schen nicht viel mehr wert?

Ja, es gab wohl mal eine Zeit, wo man so dachte. Aber lasst mich diese kleine Geschichte erzählen.

Ich war ganz neu in der Kirchenkanzlei, ein kleiner neuer Angestellter. Es war üblich, dass ein Neuer in allen Abteilungen vorgestellt wird. Man wollte ja wissen, wem man im Hause begegnet. So kam ich dann mit meinem neuen Vorgesetzten auch zum Präsidenten. Dr. Ru-tenberg war das damals, ein kleiner drahtiger Mann. Der kam gleich hinter seinem Schreib-tisch hervorgeschossen und begrüßte mich sehr herzlich. Fast schon ein wenig zu herzlich, wie ich fand. Als wir wieder auf dem Flur waren, sagte ich zu meinem Chef, „Der wird sich doch in der nächsten Woche nicht mehr an mich erinnern.“ Mein Chef schüttelte den Kopf. Na, nach etwa einem halben Jahr war in meiner damaligen Gemeinde ein Fest. Und auch der Präsident war da. Nach dem Gottesdienst kam er auf mich zu. „Wie schön, Sie hier zu sehen, Herr Philippsen. Ich hoffe Sie haben sich in der Kirchenkanzlei inzwischen gut eingelebt.“. Ich war überrascht. Aber ihr glaubt nicht, wie gut mir das tat, dass dieser Mann mich nicht vergessen hatte, ja, dass er mich mit meinem Namen ansprechen konnte.

Wie wichtig ist der Name für einen Menschen.

Wie ist das, wenn man einem Menschen den Namen wegnimmt. Ich denke da an Diktaturen oder an Gefangenenlager, wo Menschen nur noch eine Nummer sind. Von den Nummern im KZ, die den Gefangenen eintätowiert worden sind, wissen wir. Wie schlimm ist das, wenn man Menschen nach Allem auch noch den Namen, die Identität wegnimmt. Was bleibt da über – auch nach dem eigenen Gefühl.

Wir kennen ja auch die Aussprüche, dass Jemand nur eine Nummer ist. Das will sagen, er ist nur einer, wie eine Ameise im Ameisenhaufen, jederzeit austauschbar. Ihn oder sie braucht man nicht wirklich, sie sind jederzeit durch Andere ersetzbar. Könnt ihr nachvollziehen, wie man sich da fühlt? Und dann könnt ihr auch nachvollziehen, wie es Menschen gehen muss, die um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, die dann eben auch nur eine Nummer sind, die nicht mehr gebraucht wird.

Ich hoffe, ich konnte deutlich machen, mein Name ist viel mehr als nur ein Etikett, das mich von Anderen unterscheidet. Mein Name, das bin ich!

Wie war das eigentlich mit den Namen? In der Bibel sind Namen oft Programm. So wird Je-saja aufgefordert, seinen Sohn „Eilebeute Raubebald“ zu nennen. Dem Volk soll damit vor Augen gehalten werden, wie gefährlich es lebt und dass es überrannt und deportiert werden wird, wenn es sich nicht ändert. Wir wissen heute: Es wurde deportiert!

Manchmal gibt es auch einen neuen Namen. Da ist Jakob. Ihr erinnert Euch, das ist der mit der Linsensuppe, für die er seinem Bruder das Erstgeburtsrecht abgeluchst hat. Später be-trügt er ihn auch noch um den Segen seines Vaters und muss fliehen. Jakob heißt Überlister. Später muss er in der Nacht am Bach Jabbok mit einem Mann, vielleicht einem Engel ringen. Und der gibt Jakob einen neuen Namen „Israel“ – Gotteskämpfer.

Auch von Simon, dem Jünger wissen wir dass er einen neuen Namen bekommen hat: Pet-rus, der Fels. Das muss ihm gut getan haben, denn er fühlte sich wohl eher wankelmütig, jedenfalls so gar nicht als Fels.

Vielleicht habt ihr es gemerkt, die Leute haben nur immer einen Namen. Wenn das nicht ausreichte, wurde noch der Name des Vaters genannt: Simon, Sohn des Johannes, spricht Jesus ihn zum Beispiel einmal an.

Das ging so, eigentlich bis ins Mittelalter. Mit Aufkommen der Städte und des Lehnswesen begann man die vielen gleichlautenden Leute durch Beinamen zu unterscheiden. Der Adel aber auch die Bauern nannten sich nach ihren Burgen und Höfen: Am Tor, zur Linden. Oder auch nach Herkunft: Bayer, Schwab, nach Stand und Gewerbe: Bauer, Kaufmann, Müller. Nach Hausname: Rose, Einhorn. Oder nach geistigen oder körperlichen Eigenschaften: Schwarz, Dickkopf, Fröhlich, Stolz. Erst ab 1500 hat sich die Namensbezeichnung, wie wir sie heute kennen durchgesetzt, mit Vor und Familiennamen.

Um die Zeit der Reformation wurden die Kirchenbücher eingeführt. Hier wurde bei der Taufe der Name dokumentiert. Man konnte damit nachweisen, dass Jemand evangelisch getauft worden ist. Die Kirchenbücher sind so was wie die Standesamtsregister, die es aber erst z.B. in Bremen ab 1811 gab. Damit waren die Namen nicht mehr so leicht änderbar.

Namen hat aber auch noch eine andere Bedeutung. Ich erinnere an den zweiten Schöp-fungsbericht. Gott stellte da fest, der Mensch sollte nicht so allein sein, so machte er Tiere und ich sehe ihn so richtig vor mir, wie er sie dem Menschen bringt, ein Huhn, ein Kaninchen, eine Katze, sie ihm zeigt, vielleicht ein wenig stolz, und ihn auffordert, ihnen Namen zu geben. Der Mensch soll über die Tiere herrschen, eigentlich soll er sie bewahren und auf sie aufpassen, es sind ja Gottes Geschöpfe. Mit der Namensgebung bekommt der Mensch Macht über die Tiere. Name und Macht!

Ist es nicht auch so, wenn wieder mal eine furchterregende Krankheit auftaucht. Wenn sie einen Namen hat, ist sie nur halb so gefährlich! Es ist wohl so, dass man eine gewisse Macht bekommt, wenn die Dinge einen Namen haben. Die Krankheit ist immer noch gefährlich, aber jetzt hat sie einen Namen, man kann mit ihr umgehen.

Mir kommt der Gedanke, wie ist das mit Gott selbst. Er hat keinen Namen. Ist irgendwie lo-gisch, er braucht auch keinen, es gibt ja nur einen Gott. Die Menschen der Bibel hatten gro-ßen Respekt davor, das Wort Gott überhaupt auszusprechen. So gibt es Umscheibungen: Herr, Adonai. Vor dem brennenden Dornbuch, ihr erinnert euch, fragt Mose Gott, wer bist du denn überhaupt. Und Gott antwortet: „Ich bin der ich bin“ oder anders übersetzt „Ich werde sein“, oder auch „Ich werde da sein“ Auf Hebräisch heißt das „Jahwe“ oder auch „Jehova“. Wie genau, weiß man nicht, Hebräisch kennt keine Vokale, so steht da nur „JHWH“.

Ist das nicht etwas ganz besonderes, dass Jesus dann wieder einen Namen hat. Jesus ist für uns Gottes Sohn, aber er wurde so sehr Mensch, dass er auch einen Namen nötig hatte, das hat auch was mit der Solidarität mit uns Menschen zu tun.

Zurück zu unserem Predigttext. Es macht mich irgendwie stolz, dass Gott so sehr auf meiner Seite steht. Er kennt meinen Namen. Er kennt mich, und er weiß alles über mich. Zwar wer-den Sorgen und Nöte, Gefahren und Bedrängnisse kommen, aber, so sagt unser Predigtext, sie werden mir nichts anhaben:

Wenn du durch Wasser gehst will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersaufen sollen, und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen und die Flamme soll dich nicht versengen

Das ist wohl auch der Grund dafür, dass gerade dieser Text so oft als Taufspruch benutzt wird. Dem Täufling wird auf den Weg gegeben: Gott kennt dich, Gott ist bei dir und beschützt dich. Womöglich kommst du in schwierige Lagen, aber Gott wird dich nicht allein lassen.

Mir kommt der Gedanke, was ist da eigentlich der Unterschied zu „Prism“ und „Tempora“, den Spionageprogrammen der USA und England. Auch da versuchen Leute uns zu be-schützen. Und doch kriegen wir Gänsehaut, wenn wir darüber nachdenken. Was wissen Si-cherheitsbehörden wohl alles über uns. So, wie wir ein komisches Gefühl kriegen, wenn uns ein Schutzmann ansieht. Ja, wo ist der Unterschied, ob Gott alles über uns weiß, wie wir imit dem Psalm gebetet haben, oder der Englische Geheimdienst. Also, wenn in meinem Schlaf-zimmer ein völlig fremder Mensch herumstöbert, das fände ich nicht gut! Das geht gar nicht!

Ich will hier für mich sprechen. Gott kennt mich. Er kennt meine Fehler und meine Stärken, und er weiß, wie ich es gewollt, auch wenn es daneben geht und ich es vielleicht nicht ge-schafft habe. Und er betrachtet mich wohlwollend. Er will mir keinen Schaden zufügen, er will nicht dass ich leide. Ich weiß, dass ich mich ihm getrost anvertrauen kann.

Die Sicherheitsdienste mit ihren gigantischen Computern kennen mich ja gar nicht, auch die Computer natürlich nicht. Für sie bin ich eine Nummer, und wenn die Algorithmen die sie sich ausgedacht haben, die ich nicht kenne und womöglich auch nicht verstehen würde, zufällig auf mich, auf meine Korrespondenz, auf meine Google Anfragen, Facebook - Einträge u.ä. zutreffen, dann suchen sie mich heraus. Und dann habe ich ein Problem. Und die Si-cherheitsdienste sind mir nicht wohlgesinnt, weil sie ja hinter jedem Menschen einen Terro-risten vermuten, vielleicht sogar müssen.

Also, der Unterschied ist berechtigt, so finde ich.

Bis jetzt hab ich nur einen kleinen Teil unseres Predigtextes beachtet. Einen wichtigen Punkt hab ich Euch unterschlagen.

Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat,
Israel. ..

Wen spricht der Prophet denn da an. Natürlich sein Volk Israel. Das tut er in dichterischer Sprache, indem er wichtige Stellen mit anderen Worten wiederholt. Und das mit dem Namen Jakob und Israel, Überlister und Gotteskämpfer hab ich vorhin ja erläutert. Also, das sind Bezeichnungen für das Volk Israel. Und mit welchem Recht münzen wir das nun auf uns. Können wir so einfach die alten Zusagen, die dem Volk Israel gegeben worden sind, auf uns anwenden?

Nein, so einfach nicht.

Gleichwohl gibt es ja Jesus. Und Jesus hat dafür gesorgt, dass wir, seine Nachfolger und sein Volk sind. Dadurch, dass wir uns zu Jesus bekennen, sind auch wir zum Volk Gottes geworden und es gelten auch für uns die Zusagen, die dem Volk Israel gemacht worden sind. Also Ja!

Doch nun zum Schluss noch mal das Wichtigste:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersaufen sollen, und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen und die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland

Ist das nicht eine gewaltige Zusage. Also mir treibt sie vor Stolz und Rührung Wasser in die Augen. Gott kümmert sich um mich. Gott hat Dich und Dich und Dich bei seinem Namen ge-rufen, Du gehörst ihm und er sorgt für Dich!

Amen.

 

© Philippsen.
 

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