Der Auftrag des Johannes

Posted by Klaus Dieter Philippsen Monday, January 22, 2018 12:27:00 PM Categories: Sonntage nach Epiphanias

Offenbarung 1, 9 - 18

Predigt  21. Januar 2018

 

Der Auftrag an Johannes

 

Es ist doch schön, dass es einen Predigtplan gibt. Also einen Plan, wo dem Prediger vorgeschrieben ist, über welchen Text er predigen soll. Wisst Ihr, sonst hätte ich mir freiwillig keinen Text aus der Offenbarung herausgesucht. Offenbarung, das ist für mich sowas, wie ein Buch mit sieben Siegeln. Apropos Sieben Siegel, wo kommt der Spruch eigentlich her? Aus der Offenbarung! Da stehen noch mehr Sprüche drin, aber das hier ist ja keine Deutsch-Stunde. Müsst ihr dann schon selbst suchen!

Der Johannes ist also verbannt worden. Auf die Insel Patmos. Na, es gibt hässlichere Verbannungsorte. Heute ist Patmos ein beliebter Urlaubsort. Aber wie es für Johannes war? Er ist wohl in seiner Gemeinde in Kleinasien der römischen Besatzungsmacht auf den Geist gegangen. Vielleicht hat er dem römischen Kaiser die Ehre verweigert, und womöglich noch andere dazu aufgefordert. „Gott allein die Ehre“. Das konnten die Römer sich nicht gefallen lassen. Deshalb haben sie ihn nach Patmos verbannt.

Wer war dieser Johannes? Lange hat man gemeint, es sei der Apostel, der auch das Evangelium geschrieben hat. Das kann nicht stimmen. Sowohl im Evangelium als auch in den Briefen taucht der Name Johannes nicht auf. Erinnert ihr Euch, im Johannesevangelium ist immer von dem Jünger die Rede, den Jesus liebhatte. Hier schreibt er dreimal von sich als dem Propheten Johannes. Und auch der Stil ist ganz anders.

So und nun ist er da, auf Patmos. Er möchte so gerne seiner Gemeinde beistehen, aber es geht ja nicht. Er hat keinen Kontakt. Er kann nur schreiben.

Man hat immer gedacht, dass die Offenbarung verschlüsselt ist. Die Römer sollten ja nicht mitbekommen, was da steht. Ja, wenn ein Text verschlüsselt ist, kann man ihn ja nur lesen, wenn man den Schlüssel hat. Also so eine Art Geheimschrift, damit die Römer nicht mitbekommen, dass er über sie herzieht. Da steht was von Babylon, gemeint ist aber Rom. Ob die Römer so dumm waren, dass sie das nicht gerafft hätten? Und wenn verschlüsselt, dann können wir das ja auch nur lesen, wenn wir den Schlüssel haben. So RSA Verschlüsselung von 60 nach Christus. Also Problem.

Aber genau das glaube ich nicht. Da sagt Johannes doch ganz klar: „Ich wurde vom Geist ergriffen“, also sowas wie ein Tagtraum. Johannes würde so gerne was tun, kann aber nicht. Ihn beschäftigt das aber, er denkt an nichts anderes. Und da wird er wie er sagt „vom Geist ergriffen“ er hat eine Vision. Und solche Visionen leben von Bildern. Aber die muss man auf sich wirken lassen, damit sie ihre Kraft und auch ihren Trost entfalten. Ja, die Offenbarung will Trost spenden, aber auch Mahnung sein.

Ich will mich um Himmels willen nicht mit Johannes vergleichen. Aber ich kann mich an eine Situation erinnern, wo ich so einen Traum hatte. Ist schon länger her.

Ihr wisst vielleicht, ich hab im Haus der Kirche gearbeitet. Unter anderem war ich für die Gemeindekarteien zuständig, kirchliches Meldewesen. Da funktionierte was nicht. Ich hatte das zu klären. Am Telefon ging das nicht, so hatte ich einen Termin beim Einwohnermeldeamt. Den Leiter kannte ich, er war nicht so umgänglich. Was soll ich sagen, ich hatte einen gewaltigen Bammel vor dem Gespräch. Ich hatte alles vorbereitet hatte aber eigentlich nichts in der Hand. Und nun konnte ich nichts mehr tun. Am nächsten Tag sollte es soweit sein.

In der Nacht hatte ich einen Traum. Den muss ich einfach erzählen. Im Traum schritt ich mit einem ganz schlechten Gefühl zum Polizeihaus, wo die Dienststelle damals untergebracht war. Ich kam in das Büro und alle, die dort saßen hatten eine Wolldecke, die sie um die Füße gelegt hatten. Und ich bekam auch eine! Dann bin ich wach geworden.

Das Treffen am nächsten Tag ist schnell erzählt. Also, die hatten keine Wolldecken! Ich erlebte den Leiter der Meldestelle so umgänglich, wie schon lange nicht mehr. Wir kriegten den Fehler heraus und er wurde abgestellt. Ich hätte vom Polizeihaus zu meinem Büro im Haus der Kirche fliegen können, so erleichtert war ich.

Später hab ich den Traum Freunden erzählt. „Ja, die hatten kalte Füße!“. Na klar, wozu sollten die denn sonst eine Wolldecke um die Füße legen. Eigentlich wussten die um das Problem. Hätte ich auch mitbekommen können, wenn ich nicht so auf das schwierige Gespräch und auf mich fixiert gewesen wäre. Die waren froh, dass wir mit ihnen das Problem gelöst haben. Ob Gott mir einen Hinweis hat geben wollen, den ich bloß nicht mitgekriegt habe, weil ich zu sehr mit mir beschäftigt war?

Ich hab euch diese Geschichte erzählt, weil ich denke, so ähnlich müssen auch die Träume gewesen sein, die Johannes erlebt hat. Aber nun wird es auch endlich Zeit, dass ich Euch den Text vorlese. Ich mache einen Vorschlag: Versetzt Euch doch einmal in den Johannes. Denkt Euch, ihr erlebt das was ich da vorlese. Ihr seid Johannes.

< Text vorlesen: Offenb. 1, 9 - 18 >

Wie ist es Euch ergangen? Seid ihr erschrocken vor der gewaltigen Gestalt. Na, wie Tod hingefallen seid ihr ja nicht. Vielleicht gibt es beim Kirchenkaffee nachher die Möglichkeit das zu erzählen. Ich fände das spannend! Und es interessiert mich.

Ja, es ist eine beeindruckende Gestalt, die uns Johannes da schildert, die er gesehen hat. Sie ist gewaltig, ängstigend aber auch faszinierend. Die Offenbarung des Johannes soll für die genannten Gemeinden tröstlich und auch warnend sein. Auf den ersten Blick – Trost sieht doch anders aus! Das hat was von Science Fiktion an sich, oder von einem dieser Computerspiele.

Also, da kann einem schon Angst werden. Johannes noch vielmehr, für ihn ging es ja um Leben und Tod!

Johannes sieht eine gewaltige Gestalt. Allein die Stimme, wie eine Posaune, wie großes Wasserrauschen. Weiß gekleidet, eben wie ein Weiser, und das wird noch unterstrichen durch die schlohweißen Haare. Aber auch mächtig, das unterstreicht der goldene Gürtel, standfest, wie die Füße, die da geschildert werden. Und dann Augen, wie Feuerflammen. Wir reden ja manchmal von blitzenden Augen. Und schließlich das zweischneidige Schwert, das da wie die Zunge in seinem Mund ist. Das hat Gewalt, was er zu sagen hat. Der redet nicht drum herum, sein Wort trifft es. Sein Wort ist mächtig. Und dann waren da die sieben goldenen Leuchter, später die sieben goldenen Sterne. Die repräsentieren die sieben Gemeinden, die im Text geschildert werden. Aber sieben? Die Zahl sieben repräsentiert die Vollkommenheit. Das gilt also für alle Gemeinden. Was für eine gewaltige Scene!

Ganz anders die Situation, in der er sich befindet und in der seine Gemeinden sich befinden. Sie sind überall angefeindet, sie haben die Juden als Feinde, weil sie die Konkurrenz fürchten, sie haben die Römer als Feinde, weil die ja ihren Staatsapparat in Ordnung halten müssen. Und da muss der Kaiser angebetet werden. Deshalb stehen überall Statuen von ihm, die gleichsam seine Präsenz garantieren sollen. Und die müssen angebetet werden. Die Juden hatten da bei den Römern einen Freiraum, die brauchten das nicht, aber die Christen schon. Für die Christen war das klar, dass sie das nicht dürfen. Nur Gott ist anzubeten, niemals ein Mensch. So waren die Konflikte programmiert. Die Christen waren von überall bedrängt, oft genug waren sie in Lebensgefahr!

Was haben wir heute das gut. Niemand will uns was tun. Wir dürfen ohne Angst hier am Gottesdienst teilnehmen. Wir dürfen problemlos über unseren Glauben reden. Niemand hindert uns daran.

Und wann haben wir das mal außerhalb der Kirchenmauern getan?  Trauen wir uns, darüber zu reden, dass wir mit der Kirche zu tun haben? Sagen wir, dass wir an Gott glauben und dass Jesus Christus für uns wichtig ist? Oder gibt es vielleicht doch etwas, was uns daran hindert?

Also, mir macht das Sorgen, dass unser Glauben für die Öffentlichkeit immer weniger Relevanz hat. „Der Glauben verdunstet“ sagen einige. Das Christsein ist in der Öffentlichkeit immer weniger relevant. Da kann es nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kirchen in vielen Gremien vertreten sind und an Diskussionen beitragen. Religion ist völlig überflüssig, hört man immer wieder.

Dann bekümmert mich, dass so alte bürgerliche Werte für christlich gehalten werden. Die Frau gehört an den Herd, z. B. Da gibt es „Freikirchen“, die generieren sich wie Sekten. So viele Menschen laufen da hin. Da gibt es dann eine ganze Tafel von Ge- und Verboten. Können Menschen denn so wenig mit der Freiheit leben, dass es nötig scheint, dass andere sagen müssen, was man zu glauben hat, wie man zu leben hat. Wo ist die Freiheit des Evangeliums? Wo ist die große Freiheit, das weite Feld, zu dem uns das Evangelium befreit hat, zu dem uns Christus befreit hat?

Also, mir macht das Sorgen, auch weil das alles, was ich hier gesagt habe, auch für mich gilt. Manchmal bin ich eben feige.

Und dagegen steht das Bild des auferstandenen Christus, das Johannes da sieht. Wir merken in unserer Gegenwart davon nichts. Aber trotzdem ist er da. Das Wissen darum, dass er da ist, dass er wirkt und dass er das letzte Wort hat, ist das nicht ein gewaltiger Trost? Auf dieses Wissen zu vertrauen, das nenne ich Glauben. Das eröffnet uns den weiten Raum, das gibt uns die Freiheit.

Ich wünsche uns solchen Glauben.

Amen.

 

 

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