Der Missions- und Taufbefehl

Posted by Klaus Dieter Philippsen Sunday, July 12, 2015 3:55:00 PM Categories: Invokavit

Matthäus 28, 16-20

Predigt vom 12. Juli 2015

6. Sonntag nach Trinitatis)

 Text: Matth. 28, 16-20

 Seid mir nicht böse, aber als ich über dem Text saß, fielen mir einige Erlebnisse aus dem Zeltlager ein. Ich war ein paarmal als Mitarbeiter im Zeltlager des CVJM dabei. Das waren schöne Zeiten. Besonders schön war die gute Gemeinschaft im Kreis der Mitarbeiter. Man konnte auf einander vertrauen und war sicher, dass der Andere einsprang, wenn man selbst an seine Grenzen kam. Und das konnte bei so einem Lager mit etwa 100 Kindern schon mal vorkommen.

Aber es blieb nicht aus, dass man sich untereinander necken musste. Wir saßen in einem Zelt an einem großen Tisch und waren dabei was auszuarbeiten, ich glaube es war ein Geländespiel. Irgendwie stand da eine Dose mit Keksen auf dem Tisch. Klar, dass jeder mal reinlangte, bei dem Arbeiten gehen ja Kalorien verloren, die wieder aufgefüllt werden mussten. Aber plötzlich war die Dose leer. Allgemeines Erschrecken. Wem gehörte die denn? Natürlich dem, der gerade nicht mit dabei war. Schlechtes Gewissen breitete sich aus. Schließlich nahm einer die Dose und legte einen Zettel rein, verschloss sie sorgfältig und stellte sie weg. Was soll ich sagen, der Besitzer kam kurz darauf, wollte sich selbst mit einem Keks was Gutes tun und stutzte. Leer! Und dann der Zettel, darauf stand ein Bibelvers, also nicht der Vers selbst, sondern nur die Angabe. Zum Nachschauen war schnell eine Bibel zur Hand: „Hier ist nichts zu Essen und zu Trinken und mich ekelt vor dieser dürren Speise“ Tja, wer den Schaden hat…

Einen anderen doofen Schnack hatten wir dann auch drauf: Da fragte Jemand um einen Gefallen, den der Gefragte im Augenblick nicht nachkommen wollte oder konnte. Die Antwort: Matthäus 29 Vers 5. Nachschauen in der Bibel: „Das ist ja gar nicht drin!“ „Eben“.

Und da sind wir schon ganz nahe bei unserem Bibeltext: „Matthäi am Letzten“, Unser Text sind die letzten Worte des Matthäus Evangeliums. Ihr kennt sie alle, denn sie werden bei jeder Taufe in unseren Kirchen verlesen. Der Taufbefehl, kurz und prägnant. Wie geht euch das eigentlich, wenn der Text verlesen wird? „Machet zu Jüngern alle Völker“. Kommen da nicht sonderbare Vorstellungen hoch, wie wir Christen das manchmal angestellt haben, das „machet zu Jüngern“?

Aber ich möchte den Text mit euch genauer ansehen. Ganz bestimmt klärt sich da Manches.

Das fängt an mit einem Berg in Galiläa, auf den Jesus seine Jünger bestellt hat. Wir wissen allerdings nicht, welcher Berg damit gemeint ist. Im Matthäus-Evangelium wird das an keiner Stelle erwähnt.

Bei Matthäus geschehen viele wichtige Ereignisse auf einem Berg! Denkt ihr auch an die Bergpredigt? Das Grundsatzprogramm Jesu. Es wird auch einige Male erzählt, dass Jesus auf einen Berg stieg um zu beten. Auf den Berg, heißt das nicht raus aus dem täglichen Trubel, alles hinter sich zu lassen um zu sich zu kommen, um das Wesentliche zu sehen, den Überblick zu bekommen und um mit Gott zu reden.

Schließlich gibt es den „Berg der Verklärung“. Da wird erzählt, dass Jesus und besonders ausgesuchte Jünger auf einen hohen Berg stiegen und dort Mose und Elija begegneten. Wieder so ein besonderes Ereignis auf einem Berg.

Und nun das Treffen mit dem auferstandenen Jesus auf einem Berg. Das ist ja bestimmt ein besonderes Ereignis.

Als sie ihn sahen, die Jünger, fielen sie vor ihm nieder. Nun scheint Jesus doch was anderes zu sein, denn als sie noch mit ihm wanderten geschah das nie. Die Beziehung zu Jesus ist anders geworden. Aber am meisten erstaunt mich, dass da steht: Einige aber zweifelten. Können die Jünger, die das alles erlebt haben noch zweifeln? Können Menschen, die den auferstandenen Jesus vor sich stehen sehen, zweifeln. Mich erstaunt das. Was ist da passiert? Aber, ehrlich gesagt, irgendwie tröstet mich das.

Muss ich erklären: Wenn mich Jemand fragen würde, ob ich glaube, ich würde mit Überzeugung „Ja“ sagen. Aber da war so ein Erlebnis. Jemand, den ich sehr schätze, sagte mal: Ich glaube nicht. Ich kann nicht glauben. Weil ich diesen Menschen sehr schätze, traf mich das auch sehr. Einige Zeit bin ich damit herumgelaufen. Und dann habe ich mich gefragt: Glaube ich denn eigentlich? Was ist denn eigentlich Glaube? In einer Predigt habe ich mal versucht das zu erklären. Glaube hat was mit Vertrauen zu tun. Vertrauen zu Gott. Vertrauen, dass Gott mich trägt, dass mir nichts geschieht, was er nicht will. Dass er bei Allem, was ich tue dabei ist.

Glaube heißt ja nicht, dass ich Gott alles überlassen kann. Er wird es schon richten, ich kann mich solange beruhigt zurücklehnen. Nein, so nicht. Aber ich kann mich darauf verlassen, dass das was ich tue richtig ist, und wenn nicht, dass ich Möglichkeiten habe das dann auch noch ganz anders zu machen, mich zu korrigieren. Gott ist ja dabei!

Aber kann ich das, habe ich solches Vertrauen zu ihm, oder muss ich doch die Sache fest in meiner Hand haben. Wenn ich nicht alles richtig mache wird es falsch. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass etwas schief geht. Und dann kenne ich die Panik, bloß keinen Fehler machen. Lieber etwas gar nicht erst anfangen als in die Gefahr zu kommen, es falsch zu machen. Und diese Angst, diese Enge kann einem die Luft zum Atmen nehmen.

Und dann steht da: Einige aber zweifelten. Ja, ich füge mir selbst Schaden zu, mit meinem Zweifel. Gott steht da und sagt: „Hab doch Vertrauen, du kannst dich doch auf mich verlassen“. Jesus hat das immer wieder deutlich gemacht, wenn er Menschen gesagt hat: „Dein Glaube hat dir geholfen.“ Aber Gott verurteilt mich deshalb nicht. Er rechnet damit, dass sowas vorkommen kann. Und er bleibt trotzdem da! Er wendet sich nicht enttäuscht ab!

In unserem Text kommt dann noch eine starke Bestätigung. Jesus sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt, im Himmel und auf Erden.“ Da haben wir einen starken Verbündeten auf unserer Seite. Wenn das nicht ein gewaltiger Trost ist. Übrigens, unser Text sagt: Jesus tritt herzu.

Also die Jünger erleben das alles indem Jesus ihnen direkt gegenüber steht. Anders als später bei Paulus. Der hat eine Erscheinung, als Jesus ihm vor Damaskus gegenübertritt.

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Denken wir da nicht gleich an so viele Ereignisse in unserer Geschichte, wo Christen das mit Waffengewalt besorgt haben. Also, mir fallen da nicht nur die Kreuzzüge ein. Aber kann das gemeint sein? Will Jesus uns sagen, dass wir mit Gewalt seine Lehre weitergeben sollen? Das kann übrigens auch psychische Gewalt sein. Auch solche christliche Gemeinschaften gibt es, wo Menschen unter psychischen Druck gesetzt werden, wenn sie sich nicht zu Jesus bekehren. Ich will hier nicht ausführen, wie das geschieht. Aber kann das gemeint sein?

Ganz sicher nicht. Oder könnt ihr euch vorstellen, dass derselbe Mann, der die Bergpredigt gelehrt hat, das meinen könnte? Da steht übrigens: Selig sind die geistlich Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich. Können damit solche Menschen gemeint sein, die sich mit dem Glauben schwer tun und darunter leiden?

Trotzdem bleibt da der Befehl: „Machet zu Jüngern alle Völker.“ Ich glaube, wir bekommen hier den Auftrag über unseren Glauben Rechenschaft abzugeben. Überall da wo wir sind. Wir sollten unseren Glauben nicht verstecken. Vielleicht reicht das schon, wenn unsere Umgebung weiß dass wir Christen sind, aus Überzeugung.

Dann steht da der Befehl: Taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wie soll man das denn verstehen? Ich hab mich früher immer gefragt, warum soll ich mich an den Sohn wenden, wenn ich auch mit Gott direkt reden kann. Eine Muslima hab ich mal erlebt, die machte sich lustig: „Ihr Christen habt ja drei Götter. Und was ist das mit dem Heiligen Geist, das ist doch nur Wind! Betet ihr Wind an?“ So ganz leicht zu erklären ist das nicht. Aber so eine Frage fordert: Man muss eine Antwort finden. Klar gibt es Gott. Und dann kam da Jesus. Menschen haben ihn erlebt, dass er sicherlich Mensch war, aber doch ein ganz besonderer. Menschen fühlten sich wohl in seiner Nähe. Das was er sagte war so einfach man musste einfach danach leben. Und bald wurde klar, dass er Gottes Sohn war, also selbst Gott. Menschen erlebten Gott, wenn sie Jesus trafen. Und dann erlebte man, dass Menschen plötzlich glauben konnten, dass Dinge passierten, die eigentlich unmöglich waren, und man konnte das nur erklären, dass da der Heilige Geist geweht haben muss.

Ein Konzil fand später die Formel, dass die Drei ungetrennt und unvermischt sind. Ich kann mir das so vorstellen, dass Wasser ja auch in drei Formen auftritt: Wasser, Eis und Dampf. Und es ist immer dasselbe Wasser. Aber ich gebe zu, das ist eine Gedankenkonstruktion. Aber vielleicht hilft sie ja das zu verstehen.

Im letzten Satz gibt es dann noch einen Auftrag: Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Lehren wir eigentlich alles, was er uns aufgegeben hat? Ich sehe das nicht. Ist das womöglich das Dilemma unserer Kirche. Wir reden viel zu wenig über die Lehren, die Jesus und aufgetragen hat. Denken wir öfter mal darüber nach?

Früher war das ganz klar, dass Eltern ihren Kindern das mitgegeben haben. Aber dann gab es einen Bruch. Christen haben mitbekommen, wie die Botschaft als Herrschaftsinstrument missbraucht worden ist. Da stand dann plötzlich der Vater, der Lehrer, der Meister an Gottes statt und man hatte ihnen zu gehorchen. Es war Sünde, das nicht zu tun. Und als man das erkannt hat, traute man sich einfach nicht mehr Gottes Botschaft weiterzusagen, man wollte doch nicht zu diesen Unterdrückern gehören.

Ich glaube, bestimmte Christliche Kreise hatten damit nie ein Problem. Die können weiterhin mit Überzeugung sagen, was der Mensch tun muss und was er nicht tun darf. Das ist ja irgendwie auch schön, es erspart es, sich eigene Gedanken zu machen, es erspart es Menschen, falsche Wege zu gehen. Es ist ja alles festgelegt. Haben solche Christen deshalb solchen Zulauf.

Ich glaube nicht, dass Jesus Regeln festgelegt hat, die unumstößlich sind. Im Gegenteil, er hat immer wieder Regeln übertreten, um der Menschen willen. Und er konnte so herrlich Menschen vergeben, wie der Ehebrecherin, die die Pharisäer steinigen wollten. Menschen, die sich als Außenseiter fühlten, konnte er in seine Gemeinschaft holen, wie den Zöllner Zachäus. Also, Regeln sind wichtig, anders ist das Zusammenleben gar nicht möglich. Aber die Regeln sind zum Wohle des Menschen da, nicht um ihn als Sünder abzustempeln und ihn auszusortieren.

Wir haben gesehen, was dieser kleine Text, der heute als Predigttext diente, alles beinhaltete. Eigentlich steht da alles drin, was der Mensch braucht um als Christ leben zu können: Glaube und Zweifel, Verkündigt meine Botschaft, Regeln des Zusammenlebens und ihre Übertretung. Ist es da ein Wunder, dass die Kirche diesen Text als Taufbefehl vor jeder Taufe verlesen lässt? Vielleicht begleitet er uns in die kommende Woche, das wünsche ich uns!

Amen.

© Philippsen

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