Erntedankfest 2006, 1.Tim.4,4-6, Habenhausen, 1.10.2006

Sunday, October 1, 2006 10:55:00 AM Categories: Archiv '06 - '08 Erntedankfest

„Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut“

Niemand bestreitet, daß das, was wir hier sehen, gut ist. Die Äpfel, die Kartoffeln, der Blumenkohl, die Eßkastanien, die Kürbissen, alles, was wächst und was jetzt geerntet werden konnte, ist gut. Wir leben davon, selbst, wenn wir’s  nicht mehr selber anbauen, sondern kaufen, was andere für uns angebaut haben.  Es ist gut. Es sieht schön aus. Es schmeckt lecker.

Eher schon bestreiten Leute, daß es Gott war, der das geschaffen hat. Ich meine jetzt nicht: Vor Millionen von Jahren am Anfang, sondern ich meine: Dieses Jahr, jetzt, wo es hier liegt vor uns, jetzt, wo wir gegossen und gepflanzt haben, dieses hier, was mit menschlicher Arbeit angebaut wurde, dieses hat Gott alles geschaffen.

Es ist bei uns ja zu einer Denkgewohnheit geworden, Gott und die Naturwissenschaften gegeneinander auszuspielen. Als ob entweder die Bibel recht hätte, mit ihrer Behauptung, Gott hat alles geschaffen und nichts, was ist, wäre, wenn Gott nicht wäre – oder die Naturwissenschaft mit ihrer Erkenntnis, wie das alles sich entwickelt hat aus Urknall und Evolution. Viele Menschen haben sich angewöhnt, zu denken, das sei ein Widerspruch. Entweder müsse ich eben glauben, was die Bibel lehrt, oder ich verlege mich auf’ s Wissen. Dann halte ich mich an die Naturwissenschaft.

Ich behaupte: Solches Denken kommt aus Denkfaulheit. Denn BEIDES ist richtig: GOTT hat alles gemacht, vor fast 14 Milliarden Jahren hat er den Urknall entzündet und in diesem vergangenen Jahr hat er alles in seiner Ordnung gehalten, das Tohuwabohu wieder einmal sortiert wie schon am Anfang der Schöpfung und wachsen lassen, wovon wir eine Ahnung gewinnen, wenn wir diese geschmückte Kirche sehen. Gott ist der Schöpfer aller Dinge. Das ist richtig und daß feiern wir heute, dafür singen wir IHM, dafür freuen wir uns über ihn, dafür schmücken wir alle Kirchen überall. Gott ist der Schöpfer und wir leben deshalb, weil er der Schöpfer ist!

Aber natürlich hat auch die Naturwissenschaft recht, die für die Fachleute genau erklären und darstellen kann, WIE Gott das gemacht hat, sie kann beschreiben, wie der Urknall gewesen ist, wie sich das Leben entfaltet hat. Die Naturwissenschaft kuckt Gott sozusagen über die Schulter bei der Schöpfung. Es ist Quatsch und Unsinn, da einen Widerspruch zu konstruieren. Daß in der Bibel über diese Naturwissenschaftlichen Zusammenhänge wenig steht, das besagt doch gar nichts. Das besagt nur, daß die Menschen damals es wichtiger fanden, zu besingen und zu betonen, DAß GOTT die Welt geschaffen hat, als WIE er das gemacht hat. Kurz: Es gibt keinen Widerspruch zwischen der Bibel und dem Glauben und der Lehre vom Urknall oder von der Evolution. Laßt euch das nicht einreden!

„Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut“

Bei diesem Satz waren wir. Gut. Nicht schlecht. Es ist gut, was wir hier zur Kirche gebracht haben, es ist aber auch gut all das andere, was hier nicht ist. Ein Kindergartenkind sagte: Ich hasse Spinnen. Wir hassen manches. Wespen, Mücken, Schlangen, viele Dinge. Wir urteilen gerne nach Nützlichkeit oder aus sehr persönlichem Standpunkt. Wir finden dann gut, was für UNS gut ist. Wir werden durch die Bibel korrigiert. Wir lernen, wenn wir auf das Wort hören, eine etwas andere Sicht. Einen anderen Standpunkt. Den Standpunkt Gottes. Des Schöpfers. Der hat nicht gutes und schlechtes geschaffen, sondern GUTES. Alles, heißt es hier, alles, was Gott geschaffen hat, ist gut. Daran werden wir erinnert, wenn wir wieder einmal mäkeln wollen und sagen: Er hätte es vielleicht noch perfekter machen können, wenn er MICH vorher gefragt hätte...

Aber weiter im Predigttext. Denn jetzt geht es noch mehr in die Tiefe. Nun heißt es:

„und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“

Wieso essen wir eigentlich Schweinefleisch, obwohl es den Juden und den Moslems verboten ist? Wieso essen wir Muscheln, Tintenfische, Schnecken, Krebse, Hummer, Granat, Aale und Shrimps, obwohl sie den Juden verboten sind? Wieso trinken wir Wein, Schnaps und Bier, obwohl kein Moslem das darf?

Nun, weil ALLES, was Gott gemacht hat, gut ist. Das ist sozusagen die Theorie, die hinter unserer Freiheit in diesen Sachen steht. Es ist gut, daß die Muslime uns herausfordern, unsere Freiheit zu begründen. Freiheit an sich gibt es nicht. Die wird davon geweht, wenn einer sie uns bestreitet. Aber unsere Freiheit im Essen und Trinken – und ich behaupte, die Freiheit im denken hat damit etwas zu tun- unsere Freiheit hat einen Grund. Darauf besinnen wir uns heute. Der Grund ist: ALLES, was von Gott gemacht ist, ist gut und wir dürfen es nutzen.

Aber das ist noch nicht alles. Wenn ich die Diskussion über den Freiheitsbegriff im Streit mit dem Islam in letzter Zeit verfolge, merke ich, daß wir Menschen im Westen oft zwei Dinge durcheinanderwerfen: Die Freiheit des Glaubens, die im Wort Gottes ihre Wurzeln hat- und, eigentlich völlig unpassend: Die Freiheit des Unglaubens, die gerade im Kampf gegen die Bibel sich in Europa und im Westen durchgesetzt hat. Ich lese oft in Zeitungskommentaren und höre in Politikerreden: Wir müssen die westliche Freiheit gegen den Islamischen Anspruch der Reglementierung verteidigen und deshalb die Werte des Christentums und der Aufklärung verteidigen. Ich bezweifle sehr, daß das die gleichen Werte sind. Ich bezweifle, daß sich die Freiheit, sich über Jesus lustig zu machen aus der Bibel ableiten läßt.

Die Freiheit, um die es in diesem Bibeltext geht, die Freiheit ALLES zu essen oder zu trinken, die Freiheit NICHT Vegetarier zu sein, NICHT Antialkoholiker, Nicht irgendwelche Dinge für tabu zu erklären, kommt aus dem Glauben an Gott, den Schöpfer. Alles hat er gemacht. Alles ist daher gut genug für uns.

Aber, wie heißt es hier:

„Nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird“

Die Danksagung gehört dazu. Also: Das Dankgebet. Ich glaube, dieser text hier ist die Begründung für das Tischgebet. Warum wir vor jedem Essen beten sollen: Weil dieses Gebet ist die Danksagung. Und erst die Danksagung macht aus dem, was Gott uns gibt etwas, was uns mit ihm verbindet.

So heißt es im nächsten Vers:

„Es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet“

Das ist interessant. Und sehr tiefsinnig. Geheiligt heißt: Es wird zu Gottes Sache. Durch Wort Gottes, also z.B. dadurch. daß der Name Jesu genannt wird. Der Tisch ist gedeckt. Vor dir stehen viele schöne Gaben. Jetzt betest du und nennst im Gebet den Namen Jesu, z.B. indem du sagst: Ewiger Gott, wie danken dir durch Jesus Christus deinen Sohn für dieses gute Essen. Amen. Und deine Worte haben eine unglaubliche Kraft. Sie verwandeln deinen Tisch in ein Heiligtum. Deine Küche, deine Terrasse, wo immer du bist verwandelt sich in einen Tempel, in einen Ort, der Gott gehört. Das ist gemeint mit: „Es wird geheiligt“. Es wird zu Gottes Eigentum.

Nun kannst du sagen: Was soll das. Wir beten nie beim Essen. Sicher. Aber hier hörst du, daß du vor dem Essen beten sollst. Also lern es doch einfach und fang damit an. Denn durch dein Gebet wird alles Essen geheiligt und zu Gottes Eigentum und Gabe.

Aber war es das nicht vorher auch? Hieß es nicht: Gott hätte alles gemacht? Wieso wird  es dann erst zu Gottes Gabe durchs Gebet und Wort?

Gott hat zwar alles gemacht. Aber was bedeutet das für dich und die Welt. Gott macht alles, was ist, aber kann man das sehen in der Welt? Ist es nicht vielmehr so, daß man oft den Eindruck hat, von Gott wäre gar nichts zu sehen? Muß man nicht zugeben, daß unser Leben oft ganz gottlos ist? So, als ob es ihn nicht gäbe?

Sieht es an unseren Tischen nicht so aus, als hätten wir uns das alles selber zu verdanken? Sieht es nicht überhaupt so aus in der Welt, als ob die Menschen die Herren der Erde wären mit all ihren Erfindungen und Künsten? Haben wir Gott nicht schon fast abgeschafft aus unserem Alltagsleben und sind wir nicht sogar schon dabei, ihn auch am Sonntag abzuschaffen, indem wir die Geschäfte öffnen und solchen gottlosen Unsinn treiben, wie Monstertruck- Shows am heiligen Sonntag? Sieht nicht die Welt so aus, ich meine die Alltagswelt, die Welt da draußen, nicht weit weg, sondern gleich hier vor den Kirchentüren, als wäre Gott bereits abgeschafft?

Triumphiert nicht, obwohl Gott alles immer wieder neu gut erhält und schafft, triumphiert nicht bereits die Feindschaft gegen GOtt, die Gleichgültigkeit, die Gottlosigkeit? Oder in der alten mythologischen Sprache der Bibel: Herrschen nicht längst der Satan und seine Dämonen auf der Erde und spotten des Schöpfers?

Seht ihr: Und das ist das Phantastische: Euch ist die Macht gegeben, das reich Gottes auszubreiten über die Erde, es größer werden zu lassen, ihm Raum zu schaffen, den Satan zurückzudrängen bis an die Ränder der Kirche, weg, macht Platz für Gott, den wunderbaren Schöpfer. Euch ist Macht gegeben, Priester zu sein einfach dadurch, daß ihr eure Speisen mit Danksagung empfangt, die Hände faltet, ein einfaches Gebet sprecht, Gott zu euch an den Tisch holt und eure Wohnung, euer Haus damit in ein Heiligtum verwandelt. Fangt einfach damit an, wenn ihr’s noch nicht tut. Wo der Name Jesu genannt wird, muß der Satan Platz machen.

„Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut,
und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird. Denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.“ Amen.


Jens Lohse

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