Heilig Abend 2011, 23 Uhr

Sunday, December 25, 2011 12:39:00 PM Categories: Heilig Abend in Habenhausen

Predigt in der Heiligen Nacht 2011, 23 Uhr, Simon-Petrus, Jesaja 7, 10-16

Ahas ist König aus dem Hause Davids. Er ist ein Typ, der mich etwas erinnert an unseren Altbundeskanzler Helmut Schmidt, als der noch im Amt war. Ein Macher. Einer, der sich nicht mit Träumen beschäftigt und mit Visionen. Realpolitiker. Und unglücklicherweise wird der nun vom Profeten Jesaja angesprochen:

„Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott. Es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe!“

Ein Zeichen von Gott: für Ahas grenzt das an Humbug… Diese Welt hat ihre eigenen Gesetze. Die müssen wir erkennen. Und daran müssen wir uns halten.

„Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott. Es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe!“

Ahas gegenüber steht Jesaja, der Profet. Die Gesetze dieser Welt, die sogenannten Sachzwänge, interessieren ihn nicht. Was sollen Sachzwänge anderes sein, als Täler, die Gott erhöht und Berge, die Er erniedrigt? Weiss denn dieser König nicht, dass Gott der Schöpfer ist von Himmel und Erde? Weiss er denn nicht, dass die Zwänge der Ökonomie und der Politik Wachs in den Händen Gottes sind?

Weiss er denn nicht, dass es die besondere Verantwortung des Königs ist, über alle Sachzwänge hinaus zu sehen auf den HERRN? Wer, wenn nicht der König, der auf dem Thron sitzt, den Gott seinen Vätern verliehen hat, soll über das Rauschen des Blätterwaldes, das nervöse Flimmern der Nachrichten, das egozentrische Geschrei der Lobbyisten und den Kleinkrieg alltäglichen Politgerangels sich erheben und herausragen dadurch, dass er seine Augen fest geheftet hat auf den, auf den all die anderen nicht sehen? Gott hat dem König viel gegeben. Aber er verlangt auch viel von ihm.

„Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott. Es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe!“

Suche dir etwas aus, König. Du schwankst in deinem Glauben. Nun gut. Suche dir ein Zeichen, damit du wieder fest wirst. Steig hinab bis in die Hölle. Oder hinauf bis zu den Sternen. Was willst du? Willst du einen aus der Totenwelt heraufrufen, wie Saul das tat, als er bei der Hexe von Endor war und den Geist Samuels beschwor? Oder willst du, dass die Sonne einen Tag still stehe, wie in den Tagen Josuas, als auf seine Bitte hin die Sonne über Gibeon stille stand?

Der Herr ist gnädig, Ahas, und will doch dich nicht demütigen. Wenn du ihn aus den Augen verloren hast, König, vor lauter Fixierung auf Sachzwänge und politische Lösungen, wenn du deinen Glauben daran verloren hast, dass doch Gott selbst seine Gerechtigkeit heraufführen  will, so will dich Gott stärken durch ein Zeichen. Such dir aus, was deinen toten Glauben neu belebt! Gott ist gnädig: Steig hinab bis in die Hölle. Oder hinauf zu den Sternen.

„Aber Ahas sprach: Ich will’s nicht fordern, damit ich den HErrn nicht versuche“.

Ach ja: So kann man Theologie auch missbrauchen. Wie man alles missbrauchen kann. Nun kleidet der König seinen Unglauben in das Gewand der Frömmigkeit: „Ich will den HErrn nicht versuchen“. Ebenso könnte er sagen: Bleib mir weg mit deinen albernen Zeichen. Die Welt hat ein paar Probleme. Und ich muss sie lösen. Dafür kann ich deinen Gott nicht brauchen.

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, wie Helmut Schmidt einmal sagte.

„Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist’s euch zuwenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen?“

MeinenGott. Da fackelt der Profet nicht lange. Das hat er schnell begriffen, dass sein Gott nicht mehr der Gott des Königs ist. Immerhin: Die Fronten sind geklärt. Ein König, der nicht an Gott glaubt. Ein König, der meint, er könnte Politik ohne den Herrn der Welt machen. Ein König, der eben ist, wie alle Könige.

So wenig Vision. So wenig Kreativität zum Frieden hin und zum Reich Gottes. So wenig Anderes. Der König Israels ist ganz genau so, wie alle Könige. Das macht die Menschen müde. Und Gott macht es auch müde. Sollte dieser König, dieser eine, der König Israels, nicht ein Zeichen sein für die Völker? Sollte er nicht die Stadt auf dem Berge, das Licht der Welt sein, an dem alle Geschlagenen und Trostlosen sehen können, dass es anders kommen soll, als es ist? Sollte dieser eine König nicht die Hoffnung hochhalten auf die Herrschaft Gottes, auf sein Reich, auf Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Erbarmen unter den Völkern? Statt dessen auch nur Pragmatismus, Sachzwänge und Realpolitik. Kriege und am Ende Weltkriege. Der pure Wahnsinn.

„Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel“.

Dieses Zeichen ist wie eine Fahne, die Gott aufzieht über dieser Welt:  Hier herrscht der lebendige Gott, der Schöpfer aller Dinge. Hier regiert der Herrn über den Tod, der Erbarmer, der uns Sündern gnädig ist. Die Jungfrau, die einen Sohn gebiert, ist wie ein Banner, wie ein Siegel: Unser Gott existiert und ER ist tatsächlich der Herr ist und nicht die, die wohl denken, sie seien die Herren und hätten’s im Griff.

Eigentlich sollte Ahas sich ein Gotteszeichen aussuchen. Er will aber nicht, denn er glaubt nicht. Nun gut, dann gibt Gott selbst ein Zeichen! Er zieht seine Siegesfahne auf!

Dieses Zeichen, dieses Siegessignal ist die Geburt des göttlichen Kindes im Stall von Bethlehem. Natürlich kann man sich damit aufhalten, darüber zu diskutieren, ob Maria wirklich eine Jungfrau gewesen ist oder ob’s nicht lieber „eine Magd“ oder „eine junge Frau“ heißen soll. Ist mir egal. Soll nicht Gott, der am Tag zu Gibeon die Sonne still stehen ließ, einer Jungfrau ein Kind schenken können? Für den Glauben ist das doch lachhaft, darüber zu streiten. Aber für den, der wie Ahas nur glaubt, was er sieht, für den ist das ein Riesenthema.

„Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel“.

Wir steigen nicht hinab in die Hölle und wir klettern nicht ins Sternenzelt hinauf, um Gott zu finden. Gott hat uns ein Zeichen gegeben. Es redet zu uns, so, wie Zeichen eben reden können. Es spricht zu uns und ruft: Hinter all den Irrungen und Wirrungen, in denen die Menschen auf Erden sich verstricken, ist zutiefst alles in Ordnung. Denn Gott ist dieser Welt gegenwärtig. Was soll denn da wirklich schiefgehen? Er hält doch alles in seiner Hand. Glaube nicht der Welt, die du mit deinen eigenen Augen siehst. Glaube nicht der Botschaft, die die Nachrichten und die Zeitungen dir vermitteln. Glaube nicht dem, was du in der Schule gelernt hast. Glaube dem Kind. „Immanuel“ ist sein Name: Gott mit uns.

Amen.  

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