Invokavit. 26. Februar, Simon-Petrus-Kirche

Sunday, February 26, 2012 11:00:00 PM Categories: in Habenhausen Invokavit

Predigt Invokavit, 26.2.2012, Simon-Petrus-Kirche, 1. Johannes 3,8

 

Wer Sünde tut, der ist vom Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an.

Heute haben wir einige Teufelsgeschichten gehört. Der Teufel stößt uns immer ein wenig in Verlegenheit. Ein bisschen ist der wie der Weihnachtsmann und der Osterhase. Eine mythologische Gestalt, die wir nicht ganz ernst nehmen können.

Da muss man nun unterscheiden zwischen einer bestimmten Gestalt des Teufels, die uns vielleicht albern vorkommt. Zu Recht. Dass er rot sein soll, einen Pferdefuß hat, Hörner usw. das ist natürlich nur ein Bild. Das Symbol des Teufels. Menschen wollen sich ja gerne etwas vorstellen. Und so hat man sich dieses Bild gemacht, was vielleicht heute ziemlich abgenutzt ist. Das Bild des Teufels, das ihr habt, ist längst durch den Kakao des Karnevals gezogen, ein Fußballverein hat ihn zum Zeichen, die Werbung benutzt ihn.

Ok. Das alles ist nur ein Zeichen, nur ein Symbol, nur ein Bild. Das steht nicht in der Bibel. Das hat den Menschen früher geholfen, zu verstehen, dass der Teufel etwas Böses, etwas sehr Böses, dass er eine Kraft ist, eine Macht, eine Gegenmacht gegen Gott, die dich vernichten will.  Wenn dir dies Bild lächerlich erscheint, wirf es über Bord. Am Bild und am Zeichen hängt gar nichts.

Etwas anderes ist die Sache selbst. Du zweifelst ja wohl nicht daran, dass es eine Kraft gibt, die Unheil bringt. Du erlebst das in deinem eigenen Leben, ja sogar in dir selbst, in deinem Herzen, dass da etwas sitzt, dass da etwas ist, was dich permanent auf einen falschen Weg führen will.

Es ist so, dass allen Versuchen der Menschen, aus dieser Welt eine gute Welt zu machen, immer wieder und an allen Enden eine Kraft entgegen tritt, die kaputt macht, was Menschen aufbauen. So, wie auch in deinem eigenen Leben immer wieder Kräfte auftreten, die deine guten Ansätze, deine guten Vorsätze, deine guten Ziele durchkreuzen.

Ihr Lieben. Die Bibel sieht das nicht so, dass wir durch lebenslanges Lernen und durch gute Bildung unsere Probleme loswerden können. Sondern die Bibel sieht das so, dass alle Menschen in einem lebenslangen Kampf stehen und bedroht werden und dass da eine Macht ist, die die Begriffe von Gut und Böse verwirrt und die es mit allen Tricks, von süßester Verführung bis zu blanker Gewalt, darauf abgesehen hat, uns auf ihre Seite zu ziehen. Nenne es das Böse. Nenne es die Sünde. Gib ihm eine Gestalt und ein Bild und nenne es den Teufel. Wenn dich dieses Ding mit den Hörnern und dem Pferdefuß ärgert und du es lächerlich findest, ok: Vergiss es! Aber täusch dich nicht darüber, dass diese Macht auf Erden mächtig ist!

Das Christentum ist eine Erlösungsreligion. Weil wir den Angriffen einer Macht ausgesetzt sind, die stärker ist, als wir, brauchen wir den Sohn Gottes, der uns vor dieser Macht rettet. Rettung und Erlösung, das ist das Gleiche. Wir brauchen Jesus Christus, wenn wir nicht untergehen wollen. Das ist unsere Lage.

Wer Sünde tut, der ist vom Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an.

Sünde und Teufel sind ein Team. Das ist der Urtrick des Teufels, dass er dich zur Sünde verführen will. Ihr habt die Geschichte von Adam und Eva im Paradies noch im Ohr. Der Teufel verführt zur Sünde, indem er die Sünde harmlos erscheinen läßt und indem er die Frage stellt, ob sie überhaupt Sünde ist. Was soll denn schon dabei sein, wenn ich diesen Apfel vom Baum esse, den zu essen Gott mir verboten hat? Hat Gott das überhaupt verboten? Ist das nicht ein Mißverständnis, wenn ich ihn mir so streng vorstelle? Sollte Gott das wirklich gemeint haben, dass ich davon nun gar nicht essen soll?

Die Sünde tue ich, wenn ich tue, was Gott nicht will. Wenn ich tue, was Gott nicht will, löse ich mich aus der Kindschaft zu Gott. Ein Kind vertraut seinem Vater und weiß, dass der Vater Vertrauen verdient. Ein Kind hört auf seinen Vater. Nun ist es unter uns Menschen so, dass wir irgendwann erwachsen werden und aufhören, unseren Vätern zu gehorchen. Das ist auch gut so. Denn wir werden selbst erwachsen und selbständig. Und müssen unsere eigenen Ansichten haben. Das ist alles gut.

Aber, was Gott angeht, bleiben wir doch seine Kinder. Auch, wenn wir 80 Jahre alt sind, werden wir Gott nicht gleich, werden wir nicht so groß, wie er, können wir ihn nicht überbieten. Wir werden hoffentlich selbständig gegenüber unseren eigenen Vätern und Müttern. Wir werden auch als mündige Bürger selbständig gegenüber unseren Regierungen und Vorgesetzten und denken nicht daran, uns von ihnen unser Leben vorschreiben zu lassen. Denn das alles sind Menschen. Sie stehen auf einer Stufe mit uns. Und ihre Gebote, Satzungen und Rechte sind unserer kritischen Vernunft unterworfen. Wir nabeln uns ab und machen, was wir für richtig halten.

Aber mit Gott stehen wir nicht auf einer Stufe. Er ist unser Schöpfer. Er ist unser Hirte. Er ist unser Herr und er ist unser König. Mit einem Wort: Er ist Gott. Und wir sind Menschen.

Man sollte denken, damit wäre alles gesagt. Wenn nur der Teufel nicht wäre. Denn das ist seine Hauptanfrage von Anfang an. Das ist seine Hauptverlockung, dass er uns ein bisschen kitzeln und tätscheln möchte, uns auf einen hohen Berg stellen ganz oben hin, wo es so aussieht, als läge die Welt uns zu Füßen, und dann stellt er uns die Frage: Willst du denn ewig ein Kind bleiben?

Das ist der Trick des Teufels bis heute, dass er uns dass Kindervertrauen zu Gott wegnimmt, und dass er uns statt dessen das Vertrauen zu unserer eigenen Vernunft einpflanzt.

Das Problem ist nur, dass wir der auch nicht mehr so recht trauen können, nach all dem, was die Menschen unter Zuhilfenahme ihres Verstandes allein in den letzten hundert Jahren an Wahnsinn, Massenmord und Vernichtungspotential geschaffen haben. Und weil wir uns selbst nicht mehr so recht glauben können, stehen wir Menschen heute in einer völligen Glaubenslosigkeit da. Ich würde es Verzeiflung nennen. Es gibt NICHTS mehr, woran wir uns halten können.

Das ist Nihilismus. Wir leben heute im Zeitalter des Nihilismus. Und die verzweifelte, irgendwie aber verständliche, ja logische Reaktion auf den Nihilismus ist der Fundamentalismus, wie er uns derzeit zum Beispiel im islamistischen Terrorismus begegnet. Da will der Teufel uns haben!

Wer diese Zusammenhänge durchschaut, der kann sich wohl lustig machen über das Bild und die Figur des Teufels, über sein pferdefüssiges Symbol. Über den Teufel selbst sich lustig zu machen, besteht kein Anlass. Denn der Teufel sündigt von Anfang an. Aus diesem Verhängnis aber sollen wir erlöst werden!

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Der Teufel ist clever. Aber doch nicht cleverer, als Gott. Es ist ein Krieg, der hier geführt wird, ich sag’s mal altmodisch: Um die Seelen der Menschen. Gott schickt seinen Sohn in die Schlacht mit dem Teufel. Aber diese Schlacht wird mit ganz anderen Waffen geschlagen, als die Schlachten, zu denen die Sünde uns verführt. Es ist die Liebe, durch die der Sohn Gottes siegt. Es ist die Liebe, die die Kinder Gottes immun macht gegen die Sünde und die Verlockungen des Teufels.

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Der Sohn Gottes kommt auf die Erde. Und die, die zu ihm gehören, erkennen ihn. Die, die aus Gott geboren sind, die, die Gott erwählt hat, die Kinder Gottes werden berührt durch Jesus Christus. Sein Wort berührt sie. Sein Tod am Kreuz berührt sie. Sie erkennen ihn und sie erkennen, dass er ihr Herr ist.

Warum bist du gläubig und dein Nachbar nicht? Bist du klüger, als er? Hast du mehr geleistet, als er? Unsinn. Aber Jesus Christus hat dein Herz berührt und deine Liebe zu Gott erweckt. Und in dieser Liebe bist du wieder ein Kind Gottes geworden, hast du wieder Vertrauen gefunden zum Vater. Und in dieser Liebe hast du deinen Platz gefunden. Ein geliebtes Kind Gottes und ein Mensch, der Schwestern und Brüder hat, die auch geliebte Kinder Gottes sind. Deshalb liebst du nicht nur dich selbst, sondern du liebst auch deine Schwestern und Brüder in der Gemeinde.

Vielleicht ist das alles noch ein zarter Anfang. Aber ich hab’s doch selbst schon erlebt, wie Gott uns Achtsamkeit füreinander gibt. Wie sich kleine Wunder ereignen, wie dieses, das wir für jemanden, der uns tierisch auf den Keks geht, Verständnis bekommen und sogar Zuneigung. Das soll kein Wunder sein? Das ist ein Wunder!

Ihr sollt einander lieben, wie Christus euch zuerst geliebt hat.

Vielleicht ist das ein zarter Anfang. Vielleicht könnte das viel mehr werden. Und das Wort Liebe ist ein großes Wort und in so vielen Kitschgeschichten verhunzt, dass wir’s ja fast gar nicht mehr nennen mögen. Dennoch, behaupte ich, erlebe ich das in dieser Gemeinde, wie Gott Brüdern und Schwestern Liebe ins Herz gibt zu Menschen, die sie nicht kannten oder nicht mochten.  Die Bibel sagt sogar, dass da, wo in unsern Herzen die Liebe wächst zu den Brüdern und Schwestern, dass da der Teufel schon besiegt ist. Also ist die Liebe zu denen, die da rechts und links von dir sitzen, der Prüfstein dafür, ob der Sohn Gottes unter uns schon gesiegt hat, ob er uns schon erlöst hat, oder ob der Teufel noch immer das Sagen hat.

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Amen.

 

  

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