Ev. Kirchengemeinde Arsten-Habenhausen - Bremen

 

Ist Christus nicht auferweckt, so ist unser Glaube nichtig

Posted by Klaus Dieter Philippsen Monday, March 28, 2016 1:03:00 PM Categories: Ostern

1. Kor. 15, 12-20 Ostermontag 2016

Predigt  28. März 2016

(Ostermontag)

 

  1. Kor 15, 12-20 (Ist Christus nicht auferweckt, so ist unser Glaube nichtig)

 

An diese Geschichte habe ich mich erinnert. Vor ein paar Jahren verstarb, nach langer Krankheit, aber dann doch überraschend, ein Freund. Er hinterließ eine Frau und zwei kleine Kinder, zwei Mädchen, 7 und 10 Jahre. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie es denen ging. Der Großvater erzählte dann: Nun ist euer Vater im Himmel. Die jüngere fand das gut. Wenn Vater im Himmel ist, schaut er sicherlich herunter, sieht mich und ich kann ihm was sagen. Irgendwie gibt es doch noch eine Verbindung. Und das ist schön. 

Die ältere jedoch sagte ihrer Mutter: Da im Himmel ist doch gar nichts. Da ist doch nur lebensfeindlicher, luftleerer Raum. Da kann er doch nicht sein. Die Mutter fand darauf eine Antwort. „Himmel“ ist doch nur eine Umschreibung, die sagen soll, dass unsere Toten bei Gott sind. Wie das wirklich ist, wissen wir nicht. 

Sind wir damit nicht voll in unserem Thema? 

Wie gehe ich denn mit dem Thema um? Vor einigen Jahren starb meine Lieblingstante. Ganz überraschend. Das traf mich schwer. Ich hab sie gerne besucht. Ich erinnere mich so gerne an unsere Waldspaziergänge durch den Nürnberger Reichswald. Sie hatte ganz viel Kenntnis der Natur. Es war ein Erlebnis mit ihr durch den Wald zu gehen. Sie kannte alles. Wir kehrten dann in einer Ausflugsgaststätte ein und es gab Schweinebraten, Klöße und Bier. Auf dem Rückweg fanden wir Pilze. Wenn im Nürnberger Reichswald auch nur ein Pilz wuchs, meine Tante fand ihn. Ich suche gerne Pilze, aber sie dann Essen! Meine Tante hatte einen guten Spruch dafür: Ein Pfifferling, 2 Pfund Speck und 7 Eier gibt ein großartiges Abendessen. Na gut. Mit Cholesterin hatte ich damals noch kein Problem und die gesättigten Fettsäuren waren noch nicht erfunden. 

Ich hab das erzählt, ihr könntet sicherlich auch noch eine Reihe von solchen Erlebnissen beisteuern. Irgendwie erhält das die Verstorbenen „am Leben“, wir erinnern uns an sie. Aber ist es das, was Paulus meint? 

Ende letzten Jahres bekam ich die Nachricht, dass die Ruhepflicht der Grabstelle abgelaufen ist. Dort in dem Dorf kennt kaum noch Jemand meine Tante, darauf hab ich das Grab abräumen lassen. Ich komme ja auch nur schwer da hin. Und wie ist das, wenn ich nicht mehr lebe und nicht mehr die Geschichten von ihr erzählen kann. Ist sie dann wirklich tot – und weg? 

In der griechischen Mythologie gibt es die unsterbliche Seele. Die Seele sei das Eigentliche. Sie ist gefangen im Körper. Das klingt so, als fühle sie sich da nicht wohl. Nach dem Tod verlässt sie den Körper und entschwebt. So ist es manchmal auch üblich, nach dem Sterben ein Fenster des Sterbezimmers offen zu halten, damit die Seele raus kann. Das mit der Seele geht auf Platon zurück, einem griechischen Philosophen. Es hat große Auswirkung gehabt auf unser Leben. Wenn die Seele das Eigentliche ist, wenn man den Leib gering achtet, dann ist ja alles was mit den Leib zu tun hat nebensächlich. Die Seele ist ja das Eigentliche. 

Dann ist Freude, Genuss aber auch Trauer nebensächlich, das sind doch Ausdrücke des Leibes. Ja manchmal ist es wohl so, dass das als Vorbild gilt das alles abzutöten. Das ist dann wohl ganz cool, wenn uns das alles nicht mehr erreicht. Aber wollen wir so leben? 

So mussten es wohl Juden sein, die Leib und Seele wieder zusammenbrachten, wie z.B. Sigmund Freud. Heute wissen wir, dass Leib und Psyche untrennbar zusammen gehören. Wir wissen etwas davon, dass schwere psychische Probleme auch körperliche Krankheiten verursachen können, und dass wir mit Körperübungen die Stimmung beeinflussen können. Also beeinflusst der Körper die Seele und die Seele den Körper. Die Juden haben Leib und Seele gar nicht getrennt. Sie haben gar kein Wort für Seele. Aber das wissen wir doch auch längst. So steht dann auch im Glaubensbekenntnis: „Auferstehung des Leibes“. 

Und da sind wir wieder beim Thema. Für Paulus ist das eine zentrale Aussage, ja die Aussage überhaupt: Jesus ist von den Toten auferstanden, also auch wir. Wir sind nach dem Tod nicht einfach weg. Wir sind noch da und werden irgendwann auferstehen. Paulus besteht auf dieser Aussage. Wenn es keine Auferstehung gibt, ist unsere ganze Predigt umsonst. Sie hat keinen Sinn. Paulus lässt keinen Zweifel daran, dass die Auferstehung das zentrale Thema unseres Glaubens ist. Ohne die Auferstehung ist alles, was wir sonst zu unserem Glauben sagen schlicht Unsinn. 

Die Fragen der beiden Mädchen, die ich zu Anfang zitiert habe, haben mich auf einen falschen Weg gelockt. Diese Fragen sind sehr verständlich aber schlicht nicht zu beantworten. Ja, es gibt Fragen auf die es keine Antwort gibt. Und das ist überhaupt nicht befriedigend. Kann es sein, dass genau an der Stelle der Glaube anfängt? Nein, ich will nicht überall wo etwas nicht zu beweisen ist auf den Glauben ausweichen. Das wäre ja billig und auch gefährlich. Dann geht ja alles mit dem Hinweis: Das musst du einfach glauben. 

Na, diese Geschichte muss ich Euch erzählen: Eine sehr fromme Gemeinschaft. Die haben eine Bibelstunde. Der Leiter, ein alter würdiger Herr liest aus der Bibel vor: „Und Eva war..“. Er feuchtete die Finger an und blätterte um, merkte aber nicht, dass er mehrere Seiten erwischt hatte und in der Beschreibung der Arche Noah gelandet war, „Dreihundert Ellen lang, fünfzig Ellen breit und dreißig Ellen in der Höhe und innen und außen mit Pech verpicht.“ Er legte die Bibel auf den Tisch, nahm seine Brille ab und holte tief Luft: „Na, dass Eva dreihundert Ellen lang, fünfzig Ellen breit und dreißig hoch war, das können wir uns ja vorstellen, immerhin war sie die Urmutter aller Menschen. Aber dass sie innen und außen mit Pech verpicht war, das können wir uns nicht vorstellen, das können wir nur glauben!“ 

Ein Bisschen gemein ist dieser Witz schon, weil er einen Menschen lächerlich macht. Ich hab ihn ausgewählt, weil ich damit sagen will, wir müssen sehr vorsichtig sein, für etwas einfach so Glauben oder Gehorsam zu fordern. Das wäre billig und auch gefährlich. Es könnte ja auch eine Manipulation dahinter stehen. Und Menschen sind schon oft mit religiösen Bildern manipuliert worden. Deshalb ist es ja so wichtig, dass wir über unseren Glauben Bescheid wissen. Ist unser Glauben doch ein wichtiger Teil des Zusammenlabens bei uns überhaupt. Das ist wichtig für Euch Konfirmanden, über unseren Glauben was zu wissen um nicht so leicht manipuliert zu werden. Es ist schön, dass ihr Euch damit befasst. Aber das gilt nicht nur für Konfirmanden! 

Aber wann ist es denn geboten, hier Glauben zu fordern? Also Paulus fordert das. Unser ganzer Glauben hat hier seinen Ursprung. Ohne den Glauben an die Auferstehung ist unser ganzer Glaube gegenstandslos. Hier ist sowas wie ein Fundament, auf dem alles andere steht. 

Und Glaube, ja wenn wir das genau wissen würden, brauchen wir ja nicht glauben. Glauben und Vertrauen kann man, ja soll man, wenn die Herkunft vertrauenswürdig ist. Kann man also Paulus vertrauen? Ist die biblische Überlieferung vertrauenswürdig? Da erwartet ihr doch sicherlich nur eine Antwort: JA! 

Ja, ich glaube an die Auferstehung, wie wir das im Glaubensbekenntnis sprechen. Ich glaube daran, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Wie das konkret sein wird, das weiß ich nicht. Und ich denke, darum brauchen wir uns keine Gedanken zu machen, wir können es ja nicht wissen. Nur eines: Ein paar Kapitel vorher, im Hohelied der Liebe stellt Paulus fest, dass die Liebe dann ganz bestimmt eine wichtige Größe sein wird. „Die Liebe höret nimmer auf!“ 

Lasst uns mal kurz überlegen, was ist denn anders, weil Jesus auferstanden ist? Jesus, so sagt die Bibel, hat den Tod besiegt. Er ist geradlinig seinen Weg gegangen, ohne faule Kompromisse einzugehen, ja bis in den Tod am Kreuz, und Gott hat ja dazu gesagt, indem er Jesus auferweckt hat. Gott ist bei ihm geblieben, der Tod hat nicht das letzte Wort bekommen, danach kommt noch was. Der Tod ist besiegt. 

Das feiern wir zu Ostern. Der Tod ist besiegt. Wir brauchen uns nicht mehr davor zu fürchten. Wir können mutig dem Tod in die Augen sehen. Und wo begegnet uns im täglichen Leben der Tod nicht überall. Überall, wo Menschen uns Angst machen wollen, vor was auch immer. Im Grunde ist all die Angst nichts anderes als die Angst vor dem Tod. Diese Angst hindert uns daran, anderen die Liebe zu erweisen, die sie brauchen. Weil wir mit der Angst kämpfen, müssen wir auch Anderen Angst machen. Aber Jesus hat doch den Tod überwunden. Und damit ist auch diese Angst gegenstandslos. 

Ich sag das so mutig. Hier auf der Kanzel ist das ja auch leicht. Ist ja nicht so, dass ich im täglichen Leben nicht auch manchmal Angst habe, wenn ich auf die Probleme schaue und nicht auf Jesus. 

Zum Schluss muss ich Euch noch eine kleine Geschichte erzählen. In Jerusalem treffen sich am Tag nach Golgatha Josef von Arimathäa (das ist der, der Jesus sein eigenes Grab zur Verfügung gestellt hat. Der ist ja Mitglied des Hohen Rates) und Kaiphas, der Hohe Priester, der die Verhandlung gegen Jesus geleitet hat. Kaiphas: Bist du noch zu retten. Diesem Galiläer dein Grab zu Verfügung zu stellen. Was ist dir da bloß eingefallen? Bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Joseph darauf: Reg dich doch nicht auf, ist doch nur für ein Wochenende.

Amen.

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