Konfirmation am Sonntag Exaudi, 16. Mai 2010, Habenhausen, Epheser 3, 14-19

Sunday, May 16, 2010 12:51:00 PM Categories: in Habenhausen Konfirmation

„Ich beuge meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden“.

„Knie beugen“, das ist Terminus technicus für Beten. Über den Sinn und Unsinn des Betens kann man mit Leuten, die nicht glauben, nicht streiten. Bist du gläubig, ist es dir selbstverständlich, daß du dich in allem, was du dir wünscht und vornimmst, an Gott wendest. Glaubst du nicht, hältst du das Beten für Unsinn.

Was heißt hier, Gott ist der „rechte Vater“? Er ist der, der uns gemacht hat. Der Erzeuger all dessen, was lebt. Das ist nicht unser natürliches Gefühl. Von Natur aus glauben wir nicht, daß nun gerade Gott unser Vater ist. Und der Vater aller Lebenwesen, auch der Engel und Dämonen. Von Natur aus können wir das nicht wissen. Von Natur aus stochern wir rum, wenn wir uns überlegen, wie alles zustande gekommen ist.

Daß Gott der „rechte Vater“ ist, darüber informiert uns die Bibel. Und es ist gleich eine Entscheidung, die wir treffen müssen, ob wir uns das sagen lassen wollen und vor allem, ob wir das annehmen und glauben wollen. Die Bibel informiert uns beinahe ausschließlich über Dinge, die wir von Natur aus nicht wissen können. Eben deshalb teilt sie uns das ja mit. Und immer, wenn wir die Bibel hören, kommen wir sehr schnell an den Punkt, wo wir uns entscheiden müssen, wem wir glauben wollen: Unserem natürlichen Instinkt und Wissen? Oder dem Wort der Schrift?

 Die Synthese, von der die Kirche immer träumt, damit sie es den Menschen und damit auch sich selbst leichter machen kann, also die Versöhnung zwischen Bibel und gesundem Menschenverstand, zwischen Natur und Offenbarung, geht an der Wahrheit vorbei.

Von Natur aus werden wir immer zweifeln an Gott und zweifeln daran, ob es ihn überhaupt gibt. Denn Fleisch kann den Geist nicht sehen und nicht fassen. Deshalb zweifeln wir und deshalb leiden wir auch. Denn weil wir zweifeln, sind wir verdammt zur Sorge. Wenn ich wüßte, daß Gott, wie Paulus hier sagt, mein allmächtiger Vater ist, dann bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen. Dann wäre alles so, wie Jesus sagt von den Lilien auf dem Felde. Aber das Fleisch kann nicht wissen. Was Gott angeht, zweifeln wir. Und werden wir deshalb hin- und hergerissen von der Sorge. Der Wurzelgrund unserer Existenz, wenn wir nicht glauben, ist die Sorge.

Tagsüber gelingt uns das meist, uns abzulenken, wir tun tausend Dinge, um die Sorge zu vergessen, aber nachts packt sie uns dann doch immer mal wieder. Dann können wir nicht schlafen.

Nu gibt es aber Männer, von denen berichtet die Bibel, die waren wohl auch Fleisch, wie wir, die waren wohl auch in der Hand der Sorge. Aber die hat Gott verwandelt.

„Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch“ sagt Jesus einmal, „und was vom Geist geboren ist, das ist Geist“

Es ist ja bekannt, wie aus dem Christenfresser Saulus der Apostel Paulus geworden ist. Er selber hat sich gewundert und die Größe Gottes gepriesen und die Leute haben sich gewundert, wie einer so verwandelt werden kann. Umgedreht um 180°. Aus einem, der Christen haßt und verfolgt wird einer, der an Jesus Christus glaubt und ihn überall verkündigt und der sein Leben dafür hingibt.

Vielleicht kennt ihr auch einen Menschen, der auf einmal „fromm geworden“ ist, wie man so sagt. Dann hält man den meist für einen Spinner, weil er sieht, was man selber nicht sieht, weil er glaubt, was man selber nicht glaubt und weil er sagt: Ich habe nun den gefunden, der mir alle Sorge nimmt und der mir Vertrauen und Gewißheit gibt. Und vielleicht nervt er dich dann, weil er dich überzeugen will, daß du diese Sicherheit, wie Calvin sagt, auch finden sollst.

Den hält man meist für einen Spinner, aber Jesus sagt doch:

„Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Nun ist der Paulus so einer, einer, in dem Christus auf einmal lebendig geworden ist, einer, der plötzlich angefangen hat, zu glauben, einer, der deshalb seine Knie beugen kann

„vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden“.

Einer, dessen Zweifel in Glauben verwandelt worden ist, der nicht mehr dem Fleisch, sondern dem Geist glaubt und der nun etwas ganz Tolles macht. Er betet nämlich zu dem Gott, der doch ihn verwandelt hat für uns:

„daß er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid.“

Er betet also dafür, daß Gott doch mit uns macht, was er mit ihm gemacht hat, daß er uns die Sorge nimmt und den Glauben gibt, daß die Kraft seines Heiligen Geistes über uns kommt und daß wir neu geboren werden aus Wasser und Geist.

So würden wir stark werden. Ich hab euch erzählt von der jungen Frau, die einen schlimmen Ausbildungsplatz und einen schrecklichen Chef hatte und für die es jeden Tag eine Qual war, zur Arbeit zu gehen und die jeden morgen, wenn sie durch das Tor zur Firma fuhr, ihren Konfirmationsspruch aufgesagt hat:

„Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus“.

Stark werden durch Christus, innendrin, durch seinen Geist. Du sollst wurzeln in der Liebe Gottes und wissen, daß niemand dich da raus reißen kann. Kein schlimmer Chef, keine ungute Arbeitsstelle, keine Sorge. „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus.“

Paulus betet für uns, daß Gott uns verwandelt. Wir können das ja selbst nicht tun. Man kann sich selbst nicht neu auf die Welt bringen. Aber der Vater im Himmel kann das und soll das tun.

„So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft.“

Vielleicht grübelst du oft nach über Gott und das Böse, über Tod und Ewigkeit, über Sinn und Unsinn aller Dinge. Und du kommst zu keinem Ergebnis und wirst niemals fertig. Wenn dir aber Gott  seinen Geist gibt und Christus durch den Glauben in deinem Herzen wohnt, dann werden alle Fragen beantwortet sein und du wirst Gott von innen her verstehen.

Wenn Gott in euerm Herzen wohnt, ich hab’s deutlich gehört in einigen von euren Bekenntnissen, dann spürt ihr seine Liebe und strahlt ihr das auch aus und dann gebt ihr seine Liebe auch weiter. Da müßt ihr euch denn gar nicht anstrengen. Das geht denn ganz von alleine. Denn ihr begreift ja

„mit allen Heiligen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, und erkennt mit allen Heiligen die Liebe Christi, die alle Erkenntnis übertrifft.“

Amen.

Jens Lohse

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