Konfirmation Rogate 2010, 1. Tim. 2,1-6, Habenhusen

Sunday, May 9, 2010 12:54:00 PM Categories: in Habenhausen Konfirmation

Ach, was philosophieren wir rum über Sinn und Unsinn von Gebet und Fürbitte. Hat Beten schon jemals geholfen? Ist das nicht mehr eine Sache der Selbstberuhigung? Beten werde ich schon irgendwie, vielleicht wirklich erst in Angst und Not, aber bringt Beten tatsächlich etwas? Und, auf der anderen Seite: Wenn Gott wirklich allmächtig ist, und alles weiß und alles vorherbestimmt hat und alles führt nach seinem Wohlgefallen: Was soll dann das Beten? Er macht’s ja sowieso so, wie es ihm recht erscheint.

Ja, mein Lieber, bist du etwa stolz auf deine Gedanken und Einwände? Glaubst du denn, daß du klüger bist, als Gott? Ist nicht seine Weisheit so hoch über unserer Wissenschaft, wie der Himmel über der Erde ist? Glaube nur: Wenn du die Hände faltest zum Gebet, dann wird Gott dich hören. Ob du für dich betest, oder für die anderen. Gott will, daß du betest, dann wird es doch wohl gut sein.

Mensch, laß dir das doch von Gott schenken, daß du beten darfst.!

Die ganze Welt ist voller Menschen, die mit sich unzufrieden sind und die deshalb an sich arbeiten. Sie hungern sich eine Wunschfigur an, sie quälen sich bei Fitness oder Joggen, besuchen Kurse, Fortbildungen, Schulen, allen Ernstes auch, um zu lernen, wie man glücklich wird. Sie glauben nämlich nicht, daß sie etwas geschenkt bekommen. Ich habe den Eindruck, das ist das große Problem unseres Zusammenlebens, daß wir nicht mehr glauben, daß wir etwas geschenkt bekommen. Daß wir glauben, wir müßten uns alles hart erarbeiten. Als ob unser Leben das Ergebnis unserer Arbeit wäre!
Paulus ermahnt uns, zu beten. Bete, daß Gott deinen Weg begleitet. Bete, daß er einen Baum aus dir macht, an dem gute Früchte wachsen. Viel von der Mühe und dem Kampf und der Quälerei, die das Leben für dich bereit hält, kannst du auf Gott werfen im Gebet. Und wenn du siehst, welche Mühe die anderen haben, wie sie sich abschleppen mit den Lasten, die Gott ihnen auferlegt hat, dann gib ihnen keine klugen Ratschläge, sondern bete für sie!

Siehst du, wir glauben das nicht, daß Gott helfen kann. Deshalb machen wir uns einen Riesenstreß und lasten all die Aufgaben, die doch eigentlich Gott übernimmt, uns selbst auf! Ob dein Weg ein gesegneter sein wird, oder ob du scheiterst, das ist Gottes Sache. Glaube ihm! Einer von euch hat gefragt: Wer weiß, was aus mir werden wird. Werde ich ein Held werden oder ein ganz normaler Mensch? Das ist Gottes Sache. Glaube ihm! Und das sollst du wissen: Wenn du ihm glaubst, wirst du dein Leben, so, wie es ist, aus Gottes Hand nehmen und damit zufrieden sein.

Fang an, das Wesentliche zu tun. Fang an, zu beten. Geh deinen Weg, den du gehen willst. Aber geh ihn als Betender. Dann wirst du wissen, daß alles, was dir glückt, aus Gottes Hand kommt und du wirst Ihn für seinen Segen preisen. Und dann wirst du genau so wissen, daß in den Dingen, die dir nicht gelingen, sich Gott selbst dir in den Weg stellt und dafür wirst du ihn ebenso preisen. Denn ob dir die Dinge glücken oder nicht, es ist doch Gott, der sie dir gibt, so, wie sie sind.

Und wenn du an eine Grenze kommst, an ein unüberwindliches Hindernis, wenn Gott dir also einen Weg versperrt, dann ist es erst recht so, daß du die Hände falten kannst und ihn fragen, wie es weitergehen soll und bitten.
Ja, meinst du nicht, du könntest Gott auch etwas abringen im Gebet? Es gibt herrliche Geschichten in der Bibel, die davon berichten, wie Menschen geradezu in einen Kampf mit Gott gehen und nicht lockerlassen. Ja, mag sein, daß Gott sich als der Stärkere zeigt und sich im Gebet nicht besiegen läßt und den Segen, den du dir erbitten möchtest, nicht rausrückt. Er ist Gott und kann machen, was er will. Aber ebenso mag es sein, daß du ihm im Gebet etwas abringst, daß du ihn beeindruckst, daß er sich von dir überreden, ja, sogar, daß er sich von dir etwas abschwatzen läßt. So schildert es die Bibel. Und die weiß es besser, als wir. Er ist ja ein lebendiger Gott und kein fertig programmierter Supercomputer.

Natürlich stimmt das nicht mit unseren Vorstellungen überein, auch nicht mit unseren Vorstellungen von Gott. Aber unsere Vorstellungen von Gott sind ohnehin Unsinn. Deshalb ermahnt Paulus uns eben hier zum Beten.

„für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit“

Ja, da macht Paulus ein Faß auf. Die Herren dieser Welt. Politiker. Wirtschaftsbosse. Da haben wir’s natürlich leicht. Wir haben nichts zu sagen. Und also schimpfen wir über die. Mag sein, daß sie’s verdienen, wie wir’s auch verdienen würden, wenn wir an ihrer Stelle wären.

Aber auch sie sind nicht Gott und können nicht Dinge, die nur Gott kann. Der Finanzskandal der letzten Jahre, die Griechenland-Krise, natürlich ist das alles von Menschen verschuldet. Es ist durch Fehler, durch Dummheit, durch Gier, also durch Sünde von Menschen so gekommen.
Wer sind wir, daß wir uns da erheben dürfen als die Reinen, als die Guten, als die Unschuldigen? Sind wir nicht Menschen, wie sie? Die Toten in Afghanistan, die Anschläge im Irak, die Attentatsversuche in New York und anderswo, die Ölpest im Golf von Mexiko: Natürlich sehen wir da menschliche Bosheit und auch menschliche Hilflosigkeit.

Wenn wir die Augen öffnen und uns nicht selbst belügen, dann sehen wir in der ganzen Welt jeden Tag den Menschen genau so, wie er in der Bibel geschildert wird seit Adam und Evas Fall.
Die Mächtigen genau so, wie die Ohnmächtigen. Die Reichen, wie die Armen. Die Regierenden und die Regierten. Darum zeigt uns Paulus, daß wir beten müssen. Wir brauchen Beistand von Oben. Ganz einfach. Wir kriegen die Sache nicht hin, bis zum Jüngsten Tag. Diese Welt bleibt, wie sie ist, weil wir Menschen bleiben, die wir sind. Aber nun wird uns ein Ausweg gezeigt, eine Hilfe angeboten und es wäre töricht, wenn wir sie nicht annehmen wollten.

Der Ausweg sind NICHT die Versprechungen von Radikalen, die ohne Rücksicht auf die Wirklichkeit versprechen, Gerechtigkeit
auf Erden herstellen zu wollen. Gerechtigkeit auf Erden kann immer nur relativ sein. Alle Politik ist bedürftig des Gebets und der Fürbitte. Gott muß die Löcher stopfen, die wir reißen und jeden Tag durch seinen milden Segen das Flickwerk zusammenhalten, das wir und unsere Regierungen in meist guter Absicht knüpfen.

Die Hilfe, die Gott uns anbietet durch Jesus Christus ist das Gebet. Danksagung und Fürbitte. Laßt uns beten

„für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

Tja, gar nicht viel habe ich geredet darüber, daß Paulus hier von „allen Menschen“  spricht. Er tut das zweimal. Wir sollen beten für „alle Menschen“ und Gott will, daß „alle Menschen“ gerettet werden.

Ist das nicht herrlich, daß wir jeden Menschen ansehen dürfen als einen, an dem Gott Interesse hat und dem er helfen will? Auch den Fremdesten? Dann werden wir ja wohl auch Interesse an allen anderen Menschen haben und nicht nur an uns selbst! Dann werden wir ja wohl auch allen anderen Menschen helfen wollen und nicht nur zusehen, daß es uns gut gehe. Dann werden wir ja auch wohl für die anderen uns sorgen und für sie beten. Diesen momentanen Unsinn, daß jeder nur für sich selbst sorgt und sich hauptsächlich für sich selber interessiert, den werden wir gar nicht mitmachen. Gott zeigt uns etwas anderes.

Vielleicht eine kleine Verletzung meiner Eitelkeit, aber doch sehr heilsam: die anderen sind genau so wichtig, wie ich. Herrlich.

Amen.


Jens Lohse

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