Ostermontag, 9. April 2007, Jesaja 25, 8+9, Simon-Petrus

Monday, April 9, 2007 11:17:00 AM Categories: Archiv '06 - '08 Ostern

Ach, Gott, welch bildreiche Sprache. Die Bibel redet ja oft in der uralten Sprache des Mythos. Um unserem Vorstellungsvermögen aufzuhelfen, werden starke Bilder gebraucht. Das Wort wird visualisiert. So auch hier. Also, nehmen wir es wörtlich: Da kämpfen zwei Giganten um die Macht auf der Erde. Da kämpfen zwei Gewaltige um die Herrschaft über alle Menschen. Gott, der Herr. Und der Tod.

Der eine von Beiden ist seit Urzeiten Herrscher. Er hält die Menschen in seinem eisernen Griff. Wenn er gebietet, müssen sie folgen. Er kennt keine Unterschiede. Er kennt keine Gnade. Wenn er fordert, muß Folge geleistet werden. Sein Name ist der Tod.

Und seit ewigen Zeiten erleiden die Menschen ihn ebenso, wie sie ihn fürchten. Sie suchen ihn zu beschwören, sie führen einen zähen verbissenen Kampf gegen ihn. Ihre ganze Kultur, hat Sigmund Freud gesagt, all ihre Leistungen, verdanken sich ihrer Angst vor ihm, ihrer Verdrängung seiner Macht und der Verdrängung ihrer Todesfurcht. Sie bauen Türme bis zum Himmel, sie erstürmen das Weltall, sie stürzen sich in einen Kult der Schönheit und der Vergötzung von Besitz und Macht, manchmal aber auch ergeben sie sich, resignieren sie, stürzen sie sich massenhaft in seine Arme in ihren Kriegen und Süchten. Ich brauche euch nichts vom Tod zu erzählen.

Ich weiß, wie mein Vater starb am 1. Januar 2004. Ich habe Kinder beerdigt und junge Mütter. Es ist ein Bild, um sich den Tod vorzustellen, es ist ein Mythos, also nicht die Wirklichkeit, sondern ein Bild von der Wirklichkeit, wenn man sich den Tod wie einen schrecklichen Giganten vorstellt, ein Monstrum, unter dessen Herrschaft wir gebeugt sind und stöhnen.

So faßt der Profet Jesaja heute den Tod in ein mythisches Bild. Dieses Bild entspricht unserer Erfahrung. Wir erleben die Kraft des Todes. Es gehört nur ein wenig Phantasie dazu, um ihn in solch ein Bild zu bringen.

Aber nun ist der Tod bei Jesaja nicht alleine. Er bleibt nicht ungestört. Es kommt einer, um ihm seine Herrschaft streitig zu machen. Es kommt ein anderer Gigant, der dringt ein in den Herrschaftsbereich des Todes, der tritt ihm in den Weg. Und der hat keinen anderen Wunsch, als ihn zu vernichten. Ein Streit hebt an. Es wankt die Erde. Die beiden Giganten gehen aufeinander los. Es wird kein Unentschieden geben. Der mächtigere von Beiden, der Größere, der Stärkere siegt und frißt den anderen auf.

Der Herr wird den Tod verschlingen auf ewig.

Der Stärkere ist Gott, der Herr Zebaoth. Er verschlingt den Tod. Er frißt ihn auf. Nichts bleibt von ihm übrig.

Und dieser mächtige Gott, dieser Todesverschlinger ist eben kein Tyrann, wie der Tod. Keiner, der sein Volk dann unterjocht und ängstigt, wenn er erst einmal gesiegt hat. Er ist keinesfalls vor allen Dingen mächtig. Sondern er ist mächtig und gütig. Nicht nur mit großen Dingen befaßt, nicht nur mit Kämpfen und Siegen und Ausbeuten, sondern viel mehr mit Trösten, Erbarmen und Tränen trocknen.

Der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen

Ach, jetzt gibt es viele Schlaumeier auf Erden, die sagen: In solchen Geschichten der Bibel und anderer Heiligen Schriften, da sei der Wunsch Vater des Gedankens! Es gibt eine so starke Sehnsucht, daß der Tod endlich seine Macht verliert, es gibt eine so starke offene oder untergründige Furcht, daß man nichts mehr wünscht, als das der Tod dann endlich besiegt sein möchte. Und aus diesem Wünschen und aus dieser Sehnsucht und aus diesem Hoffen entstünden dann solche Bilder, wie bei Jesaja. Soweit die religionskritischen Schlaumeier auf Erden, die sich gerne zu Ostern immer wieder melden.

Natürlich stimmt das. Natürlich gibt es eine starke Sehnsucht. Natürlich gibt es ein natürliches Streben nach Religion. Jedes Kind, dessen Oma oder Opa stirbt, tröstet sich mit dem Gedanken, er lebe jetzt da oben, auf einer Wolke oder auf einem Stern. Natürlich gibt es eine ganz menschliche starke Hoffnung, daß der Tod nicht das letzte Wort behält. Und natürlich ist diese Hoffnung kein Beweis dafür, daß das wirklich so ist, wie wir das hoffen! Die alten Griechen haben gedacht: Die schlimmste aller Katastrophen, die aus der Büchse der Pandora kommen können, sei die Hoffnung. Denn die Hoffnung betrüge uns und mache uns etwas vor.

Nun sind wir modernen Menschen anscheinend bei den alten Griechen in die Schule gegangen, denn wir hoffen zwar vieles und Blödsinniges, aber gerade bei der Auferstehung der Toten sagen viele von uns: Das sei Wunschdenken.
Natürlich ist es Wunschdenken. natürlich ist das ein Wunsch, ein berechtigter Wunsch, eine vollkommen angemessene Hoffnung, daß der Tod endlich besiegt, aufgefressen, verschlungen werde!

Aber Jesaja baut seine Botschaft von Gott, der den Tod verschlingt, nicht auf unser Wünschen und Hoffen auf. Das ist alles so, aber das macht die Sache natürlich noch nicht zur Wirklichkeit. Was den Sieg über den Tod zur Wirklichkeit macht, sagt Jesaja in dem kleinen Satz, der der wichtigste Satz dieses kurzen Predigttextes ist:

Denn der HERR hat’s  gesagt.

Nicht, weil wir uns das wünschen, wird der Tod verschlungen und wir werden frei von seiner Herrschaft, sondern weil Gott es gesagt hat. Er will es, so sehr wir es auch wollen.

Und nun hast du ein Problem. Woher weißt du überhaupt, ob es Gott gibt, ob das alles stimmt?

Denn der HERR hat’s gesagt.

Du kannst nicht wissen, ob es Gott gibt. Denn Gott ist Jenseits und du bist Diesseits. Deine Sinne, deine Augen, deine Ohren, dein verstand reichen für das Diesseits und dafür reichen sie sehr gut. Aber für das Jenseits hast du keine Antenne. Höchstens Ahnungen. Deshalb redet Gott aus dem Jenseits mit dir. Deshalb beruft er Menschen, deshalb wird er selber Mensch, damit du ihn hören kannst. Deshalb passieren in der Osternacht am Grab Jesu merkwürdige Dinge, deshalb bebt auch dort die Erde, deshalb gehen Gräber auf, deshalb steht Jesus auf aus den Toten und viele andere Gräber öffnen sich und du kriegst diese Dinge zu hören, damit du in deiner ganz menschlichen Beschränktheit auf das, was du verstehen kannst, erschüttert wirst. Ostern ist wie eine Tür vom jenseits, die aufgeht, und du hörst unerhörte Dinge und siehst ein wenig von dem, was Gott tut. Töne von Gott klingen an dein Ohr und Licht von Gott streift deine Augen.

Denn der Herr hat’s gesagt.

Wie aber soll das nun wahr werden, was er hier sagt? So, wie Jesaja das ausdrückt, ist das ja ein Bild, ein Mythos? Wie soll das aber nun Wirklichkeit werden, daß der Tod keine Rolle mehr spielt?

Nun, der Text hier redet von der Zukunft.

Der Herr wird den Tod verschlingen

Damit wir das überhaupt glauben können, hat er Ostern den Herrn Jesus Christus, der tot war, lebendig gemacht. Wir sollen ja auf diese Macht Gottes rechnen. Keiner kann sagen: Da hab ich ja noch nie von gehört, daß Gott die Kraft hat, den Tod zu besiegen. Er hat die Kraft. Lange genug hat er’s vorhergesagt, hier beim Profeten Jesaja, aber dann hat er’s auch vorgemacht am Ostermorgen, als er Jesus auferweckt hat!

Und weil er Jesus erweckt hat, und wir das hören und glauben können, deshalb sollen wir ganz sicher sein, daß diese Zukunft kommen wird: Der Tod wird ein für alle Mal verschlungen werden. Nicht, weil wir uns das so sehr wünschen, sondern, weil Gott das gesagt hat. Jesus Christus wird wiederkommen und wird über ein Königreich regieren, in dem der Tod nicht mehr da ist.

Ich schließe die Predigt mit dem letzten Satz aus dem Profeten Jesaja:

Zu der Zeit wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, daß er uns helfe. Das ist der Herr, auf den wir hofften; laßt uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.

Amen.

 

Jens Lohse

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