Ev. Kirchengemeinde Arsten-Habenhausen - Bremen

 

Osternacht, 7. April 2012

Sunday, April 8, 2012 12:52:00 PM Categories: in Habenhausen Ostern

Predigt Osternacht, 7.April 2012, Simon-Petrus-Kirche, 1. Thess. 4,13f

Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm führen.

Ich hatte neulich einen Streit mit einer Frau, die aus unserer Kirche ausgetreten war, und deren Mann auch nicht unserer Kirche angehörte, die aber ihr kleines Kind bei uns taufen lassen wollte. Ich habe ihr gesagt, das wäre Heuchelei, wenn man sich von der Gemeinschaft der Brüder und Schwestern gelöst hat – und wenn man sich von der Gemeinschaft des Leibes Jesu Christi gelöst hat, wenn man dann sein unmündiges Kind taufen lässt. Denn das Kind kann ja nicht selbst glauben, sondern die Eltern glauben für das Kind bis zu einem gewissen Alter.

Es ist in diesem zwar strittigen, aber guten Gespräch das Problem der Gemeinschaft aufgetaucht. Denn Christsein ist nur in Gemeinschaft möglich. Man könnte natürlich fragen, ob es überhaupt irgendeine Form menschlicher Existenz gibt, die nicht in der Gemeinschaft wurzelt. Dieser ganze Hyperindividualismus, also diese Idee, für alles in jeder Lage individuelle Lösungen anzubieten oder zu erwarten, könnte ja etwas sein, was uns eigentlich gar nicht entspricht und uns deshalb auch gar nicht glücklich macht..

Für dich allein kannst du nicht Christ sein. Weil Christsein nicht eine intellektuelle Haltung ist, eine Meinung, die du für dich persönlich hast, z.B. daß du die Auferstehung Jesu Christi für wahr hältst. Sondern Christsein ist „die Gemeinschaft des Leibes Christi“. Der Leib Christi, das sind die Brüder und Schwestern. Und das ist Jesus Christus selbst. Der Auferstandene. Mit ihm Gemeinschaft haben. Bei ihm nahe dran sein. Zu ihm beten. In einem Geist mit ihm verbunden sein. Darum geht’s. Dann bist du ein Christ. Wenn du dabei bist bei der Gemeinschaft des Leibes Christi. Wenn du diese Gemeinschaft nicht willst, ist das dein gutes und aller Ehren wertes Recht. Aber dann bist du kein Christ. Prüfe dich.

Was kann die Gemeinschaft mit Jesus Christus auseinander bringen? Manches. Zum Beispiel, dass man sich selbst und seine Zweifel, und dass man sich selbst mit seinen Erkenntnissen, Meinungen und Anschauungen sehr wichtig nimmt: „Ich weiß, ich habe gelernt, ich habe verstanden“. Ach. Wir sind so. Wir beschäftigen uns mit Vielem und manche von uns tun das sehr gründlich. Das ist auch gut so. Aristoteles hat uns ja erklärt, der Mensch sei ein „animal rationale“, ein vernunftbegabtes Tier. Da sollen wir die Vernunft auch gebrauchen. Aber doch mit einem Lächeln und mit einer getrosten Ironie: Es wird immer viel mehr geben, was ich nicht verstehe, als, was ich verstehe. Und dennoch darf ich wahr sein lassen, was ich nicht verstehe. Zum Beispiel, dass Jesus Christus leiblich und wahrhaftig und tatsächlich von den Toten auferstanden ist!

Was kann die Gemeinschaft mit Jesus Christus auseinander bringen? Dass man in der Fülle der Möglichkeiten, die jeder Tag bietet, nicht das Richtige wählt, sondern das Falsche. Wann bist du zuletzt beim Abendmahl gewesen? Wann hast du dich durch Brot und Wein stärken lassen und die Gemeinschaft des Leibes Christi erlebt? Ich meine nicht: Wann hast du zuletzt darüber nachgedacht, sondern ich frage: Wann hast du das erlebt?

Es gibt so viele Dinge, die können uns von Jesus Christus und von der Gemeinde trennen. Und dann ist diese Liebe und dieses Leben, was in dem Leib Christi ist, und dann ist der Heilige Geist, der dort regiert und uns auch mal heilsam irritiert, z.B. durch ein kritisches Wort, dann ist das alles ganz weit weg von uns. Und dann besteht die Gefahr, dass unser Glaube verdorrt. Und stirbt. Das ist der geistliche Tod. Der ist gefährlich. Über den machen wir uns aber meist wenig Gedanken.

Statt dessen ängstigt uns der leibliche Tod. Dass wir mal sterben müssen. Dass Menschen, die uns ganz viel bedeutet haben, gestorben sind. Der Apostel Paulus geht darauf ein. Ganz liebevoll:

Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffung haben.

Was soll uns trösten, wenn wir an die Toten denken?

An das Weiterleben der Seele haben die Griechen auch geglaubt. Das sind die anderen, die keine Hoffnung haben, von denen Paulus hier spricht. Das ist nicht die Hoffnung, mit der er uns trösten will: Das Weiterleben der Seele oder die Unsterblichkeit. Das tröstet ja auch faktisch niemanden, der daran glaubt. Die Unsterblichkeit. Das ist kein christlicher Trost. Der kommt aber nun:

Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm führen.

Zurück zum Gespräch mit der Mutter, die ihr Kind taufen lassen wollte, die aber aus der Kirche ausgetreten war. Wir haben uns angewöhnt, alle Dinge sehr individuell und persönlich und nicht gemeinschaftlich zu betrachten. Auch den Tod können wir uns eigentlich nur so vorstellen. Sogar die Auferstehung. Als ob das unser Ding und unsere persönliche Sache wäre.

Gott sieht uns aber als eine fröhliche Truppe! Er sieht uns gemeinsam mit unserm Herrn am Wirbeln und am Beten und am Leben. Und genau so sieht er uns in der Auferstehung! Nicht jeden für sich, sondern Jesus Christus mittendrin und wir dabei bei diesem fröhlichen Tanz aus dem Tod heraus zu Gott.

So wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm führen.

Durch Jesus und mit ihm und in der Gemeinschaft seines Leibes, der gleichzeitig diesseits der Todesgrenze lebendig ist mitten unter uns. Amen.

 

 

  

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