Pfingstsonntag, 27. Mai 2012

Monday, May 28, 2012 12:00:00 AM Categories: in Habenhausen Pfingsten

Pfingstsonntag, 27. Mai 2012Pfingstsonntag 2012, Simon-Petrus-Kirche, 1. Kor.2,9-12

 

„Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und was nicht aufgestiegen ist im Herzen des Menschen: das, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“:

Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes. Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.

Wer wollte bestreiten, dass das Wort vom Kreuz ein Geheimnis ist? Ach, wir zerbrechen uns wohl die Köpfe, um Gottes Wege zu verstehen. Wir veranstalten in dieser Gemeinde gerade mit ziemlichem Aufwand einen Glaubenskurs, und denken nach und reden über unseren Glauben. Über den Sinn des Lebens. Über Bilder, die wir uns von Gott machen. Am Ende muss man einfach sagen, dass die Weisheit Gottes im Geheimnis verborgen ist. So sagt es jedenfalls der Apostel Paulus.

Ist das ein Wunder, dass der Geist vieler Menschen vor all den Schwierigkeiten kapituliert, die mit diesem Geheimnis Gottes verbunden sind? Wohin soll das führen, wenn wir versuchen, seine Wege zu verstehen? Und so lassen ganz viele Leute das einfach bleiben. Für die ist wichtig, dass schönes Wetter ist, Kumpels treffen, den Grill anschmeissen. Laute Musik. So, wie in der letzten Nacht. Wer hat sich auf dieses Fest vorbereitet? Wer hat sich gefreut, heute mit offenen Armen den Heiligen Geist zu empfangen? Das sind nur wenige.

Ach ja, wenn Gott so unmittelbar unter die Haut ginge, wie ein Sieg von Werder Bremen über die Bayern…Aber Gott geht nicht unmittelbar unter die Haut. Der ist eigenartig spröde. Fühlt sich manchmal weit weg an und fremd – und wir kommen nicht ran an ihn. Das nennt Paulus das Geheimnis Gottes und dass die Weisheit Gottes im Geheimnis verborgen ist.

Breit ist der Weg und groß die Menge derer, die darauf gehen, die sich nicht mehr schert um Gott und sein Geheimnis. Kann man das fassen? Muss uns da nicht vor Mitleid das Herz zerspringen? Ist es denn wirklich so, dass Gott nur so wenige erwählt hat und die anderen sind ihm alle egal? Das kann man sich doch nicht vorstellen! Oder ist es so, dass wir einfach zu wenig dran sind an den Leuten, ihnen zu wenig auf die Pelle rücken mit dem Evangelium, ihnen zu wenig predigen und erklären? Wie sollen sie glauben, wenn sie nur immer unter ihresgleichen bleiben, wenn sie immer nur denselben Schwachsinn aus den Medien hören und dieselben Dinge sich erzählen? Wie soll irgendjemand den Schlüssel zu den Geheimnissen Gottes finden, wenn ihm nicht die Geheimnisse Gottes vor Augen gestellt werden?

Ich frage euch: Interessieren euch die da draußen nicht? Ist euch das egal, dass sie’s aufgegeben haben, einen Gedanken an Gott zu verschwenden und an ihr Heil und ihre Rettung aus der Macht der Sünde? Oder sind wir selber in Wirklichkeit schlappe Liberale geworden, die denken: Soll doch jeder nach seiner Facon selig werden, und solange sie mir meinen Glauben lassen, lasse ich ihnen auch ihren Unglauben?

Was ist das denn für eine müde Geschichte? Glaubst du denn nicht, dass die da draußen das Heil und die Erlösung finden sollen? Glaubst du nicht, dass sie eine Chance haben sollen, das Geheimnis Gottes zu verstehen? Ran an die Leute! Und predigen! Der Glaube kommt aus der Predigt. Niemand findet Gott in seinem eigenen Herzen, da findet man höchstens allerhand Vorstellungen und Ideen. Da müsst ihr den Ungläubigen auf die Pelle rücken! Mein Gott, der Teufel ist kein Amateur, da müssen wir schon hartnäckig sein!

Wenn wir den Leuten das Wort von der Rettung durch das Kreuz Jesu nicht sehr deutlich und massiv und unmissverständlich, ohne wenn und aber, ganz klar, sagen, wenn wir ihnen den Trost aus der Auferstehung Jesu Christi nicht ganz einfach und ganz klar sagen: Dann geht das unter in der Flut von Worten und Tröstungen, mit denen sich die Leute ablenken von ihrer Not!

„Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und was nicht aufgestiegen ist im Herzen des Menschen: das, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“!

Na, gut. Ich spüre hier Stirnrunzeln und Achselzucken. Klar. Es geht ja auch um ein Geheimnis. Vielleicht kannst du gar nicht verstehen, was ich überhaupt meine, wenn ich von der Erlösung durch Jesu Blut am Kreuz rede. Vielleicht erscheint dir das gerade als absurder Blödsinn. Außerdem hast du’s schon 100 x gehört – und trotzdem nie verstanden. Na klar! Die Weisheit Gottes ist im Geheimnis verborgen. Das kann man nicht verstehen, es sei denn – es sei denn, dass der Heilige Geist in unsere Herzen ausgegossen ist.

Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes.

Wodurch verstehen wir uns selbst oder empfinden wir jedenfalls uns selbst? Durch unseren Geist! Wodurch aber verstehen wir Gott, wodurch empfinden wir ihn? Natürlich durch seinen Geist, nicht durch unseren Geist! Nur der Geist Gottes weiß, was in Gott ist.

Die Folgerung ist simpel: Wir brauchen den Geist Gottes. Wir brauchen den Heiligen Geist! Anders können wir Gott nicht verstehen, nicht seine Botschaft begreifen, nichts mit dem Kreuz Jesu anfangen. Unser Geist begreift unsere Welt. Innen und außen. Gott aber kann nur durch Gott verstanden werden!

Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.

Ich hab mir angewöhnt, dass ich das ernst nehme, was die Bibel sagt, selbst, wenn es mir komisch vorkommt. Selbst wenn ich am liebsten sofort widersprechen möchte. Hier wird etwas ganz Wunderbares gesagt: Wir HABEN den Geist Gottes empfangen! Vielleicht hab ich den in irgendwelche Kellerlöcher meiner Seele eingesperrt…Vielleicht schäm ich mich dessen, dass es irgendwie in mir durch den Heiligen Geist immer den Drang gibt, zu glauben, wie ein Kind. Das kann ich gar nicht zulassen in dieser kritischen Welt und vor meinem eigenen intellektuellen Anspruch. Da hab ich den Heiligen Geist gefesselt und geknebelt und in einen Wandschrank eingesperrt oder ich lasse ihn nur nachts raus, wenn’s keiner sieht!

Wie auch immer: Wir HABEN den Heiligen Geist. Ich sage das jetzt nicht, weil ICH finde, dass das ein in sich selbst verständlicher Gedanke ist. Ich sage das, weil der Apostel Paulus uns das auf den Kopf zu sagt. Meinem Geist passt das eigentlich gar nicht. Mein Geist neigt auch hier zum Zweifel: Was? WIR? Wir HABEN den Heiligen Geist? Wo denn?

Ja, wo denn? Wohin hast du ihn denn gesperrt und wem hast du ihm denn zum Aufpasser gesetzt? Hast du’s am Ende so gemacht, wie ich und deinen eigenen Geist zum Herrn und Meister auch deines Glaubens gemacht? Heute ist der Tag, wo wir glauben sollen, was der Apostel uns sagt:

Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.

Heute ist der Tag, wo wir die Fesseln lösen, in die die wir den Heiligen Geist geschlagen haben. Wo wir ihn frei lassen, ihm Raum geben. Wir dürfen den Heiligen Geist nicht unterdrücken in uns. Denn nur durch ihn können wir glauben. Gott kann nur durch Gott verstanden werden.

Wir wollen glauben! Wir wollen die Geheimnisse Gottes verstehen! Wir bitten Gott, dass er den Heiligen Geist, den er uns doch schon gegeben hat, in uns groß macht. Amen.  

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