Predigt über Jeremia 29, 1ff, Habenhausen, 20.n.Trin.06

Friday, March 17, 2006 9:58:00 AM Categories: Archiv '06 - '08

Was hören wir im Wort Gottes anderes, als daß es den Menschen vor uns ebenso ging, wie uns? Was hören wir anderes, als daß sie ebenso dastanden, wie wir? Und warum hören wir das anders, als um daraus zu lernen, wie Gott mit seinen Leuten umgeht? Warum hören wir das Wort Gottes denn sonst, wenn nicht darum, um daraus zu lernen?

Und wir hören also heute vom Volk Israel, das zerrissen ist, weil ein Krieg das Land zerrissen hat. Der große Nebukadnezar ist nach Jerusalem gekommen mit einer unüberwindlichen Armee und hat Israel gedemütigt, hat Jerusalem eingenommen und einen großen Teil der Leute weggeschleppt nach Babylon. Er hat noch nicht ganz Jerusalem zerstört. Das soll erst einige Jahre später geschehen. ER hat nur einen Teil der Leute verschleppt. Die Handwerker, die Reichen, die etwas können. Tausende.

Und die leben jetzt in Babylon. Unfreiwillig. Und die wollen sich da nicht einrichten. Die wollen da ihren Frieden nicht machen. Die wollen Gottes Willen nicht anerkennen, der sie dahingeführt hat, wo sie nicht hinwollten, sondern die wollen zurück.

Diese Menschen, diese Verschleppten, wollen nicht akzeptieren, was ihnen Gott auferlegt hat. Sie wollen ’s nicht hinnehmen. Weil es mit ihren Plänen von ihrem Leben nicht übereinstimmt. Sie hatten es sich anders gedacht, als es gekommen war. Und dieses Bild, wie es eigentlich hätte sein sollen, das tragen sie in ihrem Kopf und ihrem Herzen. Sie nehmen ihr Schicksal nicht an. Sie kämpfen. Sie wollen raus. Sie wollen zurück. Sie haben keinen Frieden mit ihrem Leben, so wie es ist.

Sie haben tausend gute Gründe, warum sie das nicht akzeptieren wollen, ihr Leben, so wie es ist. Es ist ungerecht. Es ist falsch. Sie müssen da etwas tragen, was sie nicht tragen wollen. Sie sind da, wo sie nicht sein wollen.

Und natürlich finden sich bei ihnen falsche Propheten, die ihnen nach dem Munde reden. Die sagen: Es wird schon wieder. Und zwar: Es wird alles ganz schnell wieder besser. Ihr werdet hier rauskommen. Bald.

Solche Leute suchen wir, wenn es uns schlecht geht.

Aber Jeremia ist ein Mann Gottes. Er kann den Leuten nicht nach dem Munde reden. Er schreibt einen Brief. Da kommt die Wahrheit zur Sprache:

„Wenn für Babel 70 Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, daß ich euch wieder an diesen Ort bringe.“

70 Jahre werdet ihr warten müssen. Für euch heißt das: Ihr werdet das nicht mehr erleben. Aber eure Enkelkinder.

Was bedeutet das? Du bist unzufrieden. Du steckst in einem Dilemma. Du willst da raus. Und dir sagt einer mit großer Entschiedenheit: Du wirst da NICHT rauskommen. Jedenfalls nicht so schnell. Du wirst viel Geduld haben müssen. Du wirst dich einrichten müssen. Du wirst lernen müssen, zu leben mit einer Sache, mit der du nicht leben willst.

„Baut Häuser und wohnt darin. Pflanzt Gärten und eßt ihre Früchte. Nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter. Nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, daß sie Söhne und Töchter gebären. Mehret euch dort, daß ihr nicht weniger werdet.“

Ich kann mein Leben lang mich gegen mein Schicksal empören. Ich kann einer dieser vielen Unzufriedenen auf der Erde sein. Die mit sich unzufrieden sind und mit ihrem Schicksal und mit ihrem Leben. Ich kann negativ sein. Ich kann mich an Träume hängen und Utopien und immer der Vision nachhängen, daß alles anders und besser sein müßte. Ich kann mich von Gott abwenden, weil er meine Träume so grausam durchkreuzt.

Ich kann mich an falsche Profeten hängen. Ganze Völker sind so in den Untergang gegangen, weil sie sich an Menschen gehängt haben und ihnen geglaubt haben, sie könnten alles besser machen.

Nie den Frieden machen mit dem, was ist, immer irgendwohin wollen zu dem, was nicht ist. Nie die Welt lieben lernen, die Gott geschaffen hat, sondern immer eine bessere Welt suchen. Nie mein eigenes Leben aus Gottes Hand nehmen, so, wie es kommt, sondern immer irgendwo anders hin wollen.

Jeremia sagt knallhart: Richte dich ein. Mache deinen Frieden mit deinem Leben. Mache deinen Frieden mit dieser Welt, so, wie sie ist.

„Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s  ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl.“

Jetzt scheint dir das ganz schwer. Je mehr du dir etwas anderes wünscht, desto schwerer ist das: Zu akzeptieren, wie es ist. Das ist wahnsinnig schwer. Wie soll man das aushalten, sein Unglück? Seine Sehnsucht? Seine immer wieder vergebliche Hoffnung?

Das kann ich gar nicht aushalten, wenn ich nicht in das Haus Gottes komme und mich berühren lasse von der Wahrheit seines Wortes. Wenn ich nicht meinen Trost darin finde, daß Gott seit jeher die Gebeugten aufgerichtet hat und die Verzweifelten getragen. 

Wie soll ich das Schwere aushalten, wenn ich nicht diese Worte höre, die Gott spricht:

„Ich weiß wohl, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.“

Gerade dann, wenn du das schaffst, dein eigenes Leben mit seinen Enttäuschungen anzunehmen, wenn du das schaffst, abzugeben und Gott zu überlassen, was aus dir wird, gerade dann, wenn du das Ruder aus der Hand gibst und nicht mehr selber gegen Wind und Wellen den Kurs halten willst, sondern abgibst an Gott: Dann wirst du erleben, wie ganz wunderbar- und wie von alleine, der Kurs dahingeht, wo du selber nicht hingekommen bist. Laß Gott lenken. Der hat mehr Kraft als du.

„Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich finden lassen, spricht der Herr, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der Herr, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.“

Israel hat uns dieses Vertrauen vorgelebt. Und es ist ja wirklich so gewesen. Nach 70 Jahren wurde Babylon zerstört. Die Verbannten kamen frei. An diesen alten Geschichten, und weil sie wahr sind, können wir lernen, daß Gott auch uns führt. Amen.

Jens Lohse

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