Predigt 09. Juni 2013

Tuesday, June 11, 2013 11:00:00 AM Categories: in Habenhausen Sonntage nach Trinitatis Sonntagsgottesdienst

Predigt  09. Juni 2013

(2. Sonntag nach Trinitatis)

 

Jes. 55, 1 - 5

Einladung zum Leben.

 

 „Einladung zum Leben“ ist dieser Absatz überschreiben. Und wirklich, er strahlt etwas aus, das zu einem guten Leben, ja zu einem Freudenfest einlädt. Man kann sich richtig darauf freuen.

 

Wollt ihr das mal erleben? Ich lade euch ein zu einem solchen Erlebnis. Ich werde einen Teil des Textes noch mal nach einer modernen Übersetzung vorlesen, langsam. Und ihr versucht einfach mal, euch das vorzustellen, vor eurem inneren Auge die Bilder zu sehen, die euch dabei vor kommen. Vielleicht muss man dazu die Augen schließen, könnte eine Hilfe sein:

 

„Her, wer Durst hat! Hier gibt es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen. Kauft euch zu essen! Es kostet nichts! Kommt. Leute, kauft Wein und Milch! Zahlen braucht ihr nicht! Warum gebt ihr euer Geld aus für Brot, das nichts taugt, und euren sauer verdienten Lohn für Nahrung, die nicht satt macht? Hört doch auf mich, dann habt ihr es gut und könnt euch an erlesenen Speisen satt essen! Hört doch, kommt zu mir! Hört auf mich, dann werdet ihr leben!

 

Ja, Danke!

 

Jetzt möchte ich ja zu gerne wissen, was ihr eben gesehen und erlebt habt. Das wird sicherlich ganz unterschiedlich sein. Ich mag euch nicht fragen, wir trauen uns ja nicht so recht, im Gottesdienst was zu sagen. Aber vielleicht ergibt sich nachher die Möglichkeit, darüber zu reden.

 

Mich erinnert es an eine Wanderung. Nachdem wir einen Tag gewandert sind, kommen wir am Abend in einem Gasthof an. Ach war das schön, die Wanderschuhe ausziehen, den Rucksack ablegen, die Füße auszustrecken und es gab gutes Essen, es gab kühles Bier und wir fühlten uns so wohl, wir hätten schnurren können. Meint Jesaja das?

 

Unser Text stammt eigentlich vom „Zweiten Jesaja“. Ja, richtig, am Jesajabuch haben mindestens zwei Propheten mitgearbeitet. Das weiß man, weil das Buch über eine so lange Zeit berichtet, die länger war als ein Menschenleben. Man spricht hier auch vom Deuterojesaja. Während der erste Jesaja im Namen Gottes dem Volk immer wieder drohen muss dass es deportiert werden wird (was dann ja auch geschehen ist), will der zweite Jesaja das Volk ermutigen. Euere Schuld ist abgetragen. Gott will, dass ihr wieder zurückkehrt, dass ihr Jerusalem und die anderen Städte wieder aufbaut. „Tröstet, tröstet mein Volk“ fängt er an.“

Und dann ruft er (oder lässt er Gott rufen) wie ein Wasserverkäufer im Orient: „Her, wer Durst hat! Hier gibt es Wasser!“  Oder wie ein Aalverkäufer auf dem Fischmarkt.

 

Kühles Wasser in einer staubigen, vor Hitze schwirrenden Welt, das ist toll. So ein Bild malt Jesaja hier.

 

Also, liebe Gemeinde,  mich kann man für ein gutes Essen und kühlen Wein ganz schön weit locken. Ich laufe sozusagen meilenweit dafür. Ich weiß nicht so recht, wie euch das geht. Vielleicht ist das für Euch Konfirmanden gar nicht so attraktiv. Meistens haben wir ja alles. Wo ist dann das Besondere?

 

Da fängt auch mein zweiter Gedanke an. Ich darf ja gar keinen Wein trinken, weil ich den nicht mehr vertrage. So ist es halt, wenn man älter wird und viele Tabletten schlucken muss. Und mit dem guten Essen ist das auch so eine Sache, wenn man immer mit seinen Pfunden, seinem (Über)Gewicht ringen muss. Also, beim zweiten Blick, ist das gar nicht mehr so attraktiv. Schade! Schade! Es wäre ja so schön gewesen. Denn attraktiv ist der Text für mich immer noch, er lockt mich immer noch, wenn auch das mit den Köstlichen Speisen so ambivalent ist. Ist dieser Text bei genauem Hinsehen für uns dann doch nichts mehr wert?

 

Na, diese Frage stellen, heißt sie zu verneinen. Oder?

 

Lasst uns mal weiter schauen: In welchem Zusammenhang steht er denn:

 

Das Volk war in Babylon. Ich sagte es vorhin. Sie waren deportiert worden. Sie lebten in Babylon nicht gut, aber so richtig schlecht ging es ihnen auch nicht. So scheuten sie sich, die „Gefangenschaft“, die babylonische Gefangenschaft, zu verlassen, und in die Freiheit, die Freiheit die Gott ihnen verheißen hat, zu gehen. Da war ja so viel Unsicherheit. Hier lebten sie so schlecht und recht, und wissen was sie haben, aber was wird sie in ihrem alten Land, in Palästina erwarten? Unsicherheit!

 

Jerusalem war zerstört, es musste wieder aufgebaut werden. Was für ein Aufwand. So große Arbeit soll auf sie zukommen. Es wird schwer werden. Soll man das wirklich auf sich nehmen? Soll man die relative Bequemlichkeit in der babylonischen Gefangenschaft zugunsten einer unberechenbaren Freiheit aufgeben?

 

Ja, das sollt ihr, sagt der Prophet. Gott hat euch den Weg schon freigemacht, er wird bei euch sein, wird euch behüten und steht dafür, dass ihr dort wieder heimisch werdet. Vielleicht ist es viel Arbeit und einige Mühe, die auf euch wartet, aber es lohnt sich. Es wartet dort  die Freiheit. Und Gott hat mit euch noch einiges vor!

 

Mir fällt auf, dass die Hebräer, als sie nach dem Passah aus Ägypten ausgezogen sind, eine ähnliche Verheißung bekamen: Sie sollten ein Land finden, in dem Milch und Honig fliest.

 

Und es gibt noch mehr solche Verheißungen. Denken wir an Abraham, der seine Heimat verlassen hat, weil Gott das wollte. Und dann ist da Jakob, der seinen Bruder betrogen hat und fliehen musste. Trotzdem hat Gott ihm seine Hilfe zugesagt. Auch so ein Anfang. In der Bibel kommen eben viele Anfänge vor. Und ich bin versucht Hermann Hesse zu zitieren: „

 

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

 

So ist es auch hier. Wir wissen heute, die Leute sind gegangen. Es war wirklich schwer, ihre alte Heimat wieder auf zu bauen. Und den Glanz des David-Reiches hat es nie wieder bekommen.

 

Aber auch das, wir würden heute nicht mehr darüber reden, wenn sie einfach in Babylon geblieben wären. Sie wären, wie so oft Völker, von der Bildfläche verschwunden. Auch Babylon ging es nicht mehr lange gut, - aber das ist eine andere Geschichte.

 

Die Geschichte der Juden ging jedenfalls weiter. Immerhin stammt Jesus aus diesem Volk. Es hätte ihn nicht gegeben, wäre das Volk damals in Babylon geblieben. Ob das mit den Helden in unserem Text so gemeint ist. Ihr könnt also sehen, dass Gott einen Plan gehabt hat, auch wenn das nicht immer zu erkennen ist.

 

Nun habe ich uns einiges aus der Geschichte der Juden erklärt. Aber das hier ist kein Geschichtsunterricht.

 

Was könnte diese Einladung zum Leben denn für uns bedeuten? Das ist doch das einzig Wichtige!

 

Mir geht die Einladung nicht aus dem Sinn. Ich möchte gerne, dass sie für uns auch gilt, bei aller Ambivalenz zu Wein und den guten Speisen.

 

Gott bietet auch uns was an, normalerweise nicht so marktschreierisch. Aber auch da ist was von guten Speisen, die wirklich satt machen und von Getränken, die wirklich den Durst stillen.

 

Ist es nicht ein großes Geschenk, dass wir diese unsere Gemeinde haben und hier und in ihr leben dürfen. Wir können immer wieder wissen, und es uns auch gegenseitig deutlich machen, also mehr als nur sagen, dass Gott uns lieb hat. Wir dürfen wissen, dass es keine Verfehlung geben kann, die Gott uns nicht vergeben wird. Christen stehen füreinander ein, ohne andere auszuschließen, Und wer sind wir dann, dass wir womöglich dem Nächsten seine Verfehlungen anrechnen.

 

Und wir haben unser Christ sein. Wir sollten uns immer wieder daran erinnern, wie wertvoll das ist. Wir gehören dazu, zu der Gemeinschaft, die aus dem Pfingstereignis in Jerusalem, der Ausgießung des Heiligen Geistes hervor gegangen ist. Wir sind nicht irgendwer, im Gegenteil, wir haben dadurch die Aufgaben bekommen, Gott zu lieben und den Nächsten, und wir können das, weil Gott uns liebt.

 

Und wir haben die vielen Geschichten aus der Bibel, die in unser Leben hineinwirken wollen, die uns Orientierung geben wollen. Merkt ihr, was für einen Schatz wir haben, und wie da so manches dabei ist, das unseren Durst nach Liebe, nach Anerkennung stillen kann.

 

In der Welt haben wir so oft Angst. Ja, da ist auch so vieles was das durchaus rechtfertigt. Wir brauchen nur die Zeitung aufschlagen. Aber ist nicht Gott der Herr über das alles? Das heißt nicht, dass wir einfach abwarten: „Gott wird’s schon machen“. Nein, wir können sehen, wo er bereits am Werk ist. Ich glaube, nichts ist so furchtbar, dass wir nicht doch auch Gottes Handeln irgendwo darin sehen können. Und nun geht es darum, genau da mitzumachen.

 

Dort, wo Gott schon handelt, sind wir gerufen, mitzumachen.

 

Hat das nicht etwas von der Tafel mit köstlichen Speisen?

 

Amen.

 

 

© Philippsen

© Kirchengemeinde Arsten - Habenhausen

Site Map | Printable View | © 2008 - 2018 Kirchengemeinde Arsten-Habenhausen | Impressum