Predigt 29.12.2013 (1. Sonntag nach Weihnachten)

Sunday, December 29, 2013 1:01:00 PM Categories: in Habenhausen Sonntagsgottesdienst Weihnachten

Text: Jes. 49, 13 - 16

Liebe Gemeinde,

wir sind in so einer Zwischenzeit. Weihnachten ist vorüber. Als Kind ging es mir so, dass ich mich unendlich auf Weihnachten gefreut habe, und dann, ja dann war es vorüber. Was kommt denn nun noch? Im Stillen, das durfte ich ja keinem sagen, (und ihr verratet mich ja nicht) hab ich gerechnet, wann wieder Weihnachten sein wird, wie lange ich wieder auf diese Freude warten muss.

Also, wir leben jetzt so in der Zwischenzeit. Die Tage zwischen den Jahren. Die rauen Nächte. Weihnachten ist vorbei, vor uns steht Sylvester und Neujahr. Für die Alten waren diese Tage wichtig, zur Besinnung. Sie hatten auch etwas mystisches. Ich erinnere mich, dass meine Mutter keine Wäsche gewaschen hat, in diesen Tagen, eben weil das besondere Tage waren und das sich nicht gehörte.

Da ist auch eine seltsame Spannung. Was wird das Neue Jahr wohl bringen. Wie wird es uns gehen. Gibt es Ereignisse, die zur Freude anregen, oder gibt es Schicksalsschläge.

Wir denken daran, wie geht es mit unserer Gesellschaft, mit der Wirtschaft. Es kriselt überall so ein Bisschen, aber wir fürchten, es kann sich schnell zur großen Krise auswachsen. Überall fehlen die Mittel, für die Schulen und die Bildung, für die Verkehrsinfrastruktur, die Straßen und die Brücken, ja sogar für die Eisenbahn.

Wir hören von den Flüchtlingen, die in unser Land drängen, weil sie sich ein bisschen besseres Leben erhoffen. Aber wir können die doch nicht alle aufnehmen! Und dann die Kinder in den Syrischen Flüchtlingslagern. Es kann einem schlecht werden. Ich denke, man weiß  schon heute, dass diese Menschen nie ein normales Leben führen können, bei all den Traumata, die sie erlebt haben, unter denen sie leiden. Eigentlich müsste man ihnen helfen, aber wie, so viele Therapeuten gibt es doch gar nicht.

Uns hier geht es ja ganz gut, aber wie ist es mit den Menschen, die keine Arbeit haben. Die wohl aus der Armut nicht wieder herauskommen. Gerade haben wir gehört, dass Bremen ein Brennpunkt ist. Und schlägt das irgendwann auch auf uns zurück?

Und dann die Klimaprobleme. Unwetter werden zunehmen, Starkregen zum Beispiel, oder große Stürme, wie wir sie dieses Jahr erlebt haben. Und was tun wir dagegen? CO² Ausstoß verringern jedenfalls nicht. Wir brauchen ja die starken Autos (für die Arbeitsplätze) und die Braunkohlekraftwerke noch. Und wir können ja sowieso nichts dagegen tun!

Was wird das Neue Jahr bringen? Mit geht es so, dass da im Hintergrund immer so ein leichtes Grummeln ist.

Andererseits höre ich gerade im Radio, dass die klugen Leute aus Allensbach herausbekommen haben, dass die Menschen voller Zuversicht in das Neue Jahr schauen. Es geht ihnen gut und sie hoffen, dass das so bleibt.

Was bedeutet es da, wenn unser Text uns auffordert, zu jauchzen. Ausgerechnet die Erde und die Berge sollen jauchzen so geschunden wie die sind! Was denken die sich denn da. Gibt es überhaupt einen Grund zu Jauchzen. Oder sehe ich da was falsch?

Ob das weiterhilft, wenn wir den Text mal genauer ansehen? In welcher Situation befindet sich Jesaja denn, wenn er dazu auffordert zu jauchzen?

Also erstmal: Ich mag Jesaja! Es ist einer der ganz großen Propheten. Man kann viel lernen, von ihm. Man bekommt einen Begriff von der Größe und Majestät Gottes. Uns begegnet da ein Gott, der Respekt verlangt. Nur einfach der liebe Gott ist das bestimmt nicht.

Und Jesaja redet nicht um die Sachen herum. Er hat eine klare und präzise Sprache. Er nennt die Missstände in seinem Volk beim Namen. Da bekommen unfähige und korrupte Politiker, ja Könige ihr Fett weg, klar und ohne Umschweife. Und manchmal hat seine Verkündigung kabarettistische Züge. Kabarett in der Bibel, ja das gibt es.

Das alles hat ihn nicht beliebt gemacht. Das hat er schon bei seiner Berufung erfahren: Gott sagt zu ihm: Geh und sag zu diesem Volk „Hört nur zu, ihr versteht doch nichts; seht soviel ihr wollt, ihr erkennt doch nichts!“ Ich glaube mal, dieses Lied könnte auch so mancher heutige Prediger singen.

Aber die Tatsachen haben ihm Recht gegeben. Was er sagte, das geschah. Das Volk wurde deportiert und musste ins Exil nach Babylon. Und da ist es jetzt, zu der Zeit als Jesaja die Worte unseres Predigttextes sagte.

Das ist wichtig! Jesaja verkündet: Das ist eure Schuld, dass ihr vertrieben wurdet, dass der Tempel zerstört wurde. Das ist nicht der Untergang Gottes, nein, das ist euere Schuld, ihr habt das verursacht, ihr ganz alleine. Aber Gott ist immer noch da! Der ganze Schlamassel ist nicht ein Versagen Gottes, im Gegenteil, Gott hat es zugelassen, weil ihr euch von ihm abgewandt habt.

Aber jetzt ist es vorüber. Ihr habt die Chance eines Neuanfangs. Ihr dürft euer Exil verlassen und wieder in die Heimat zurückkehren. Ja Gott selbst sorgt für Euch und dafür, dass ihr den Neuanfang wagen könnt. Und deshalb dürft ihr jubeln.

Aber es ist wohl nicht so einfach, nach über 100 Jahren Gefangenschaft in Babylon, sich neu auf den Weg zu machen. Da ist es einfacher traurig zu sein über den Verlust der Heimat. „Ach war das schön, früher“. Kennt ihr den Satz? Es geht ihnen in Babylon nicht gut, aber auch nicht so richtig schlecht. „Und wie geht es uns, wenn wir in die unbekannte Welt aufbrechen? Was für Gefahren und Mühsal warten da auf uns? Hier wissen wir doch was wir haben. Und dort in der Fremde? Da ist doch nichts mehr“

„Nee, Gott hat uns verlassen.“ Sagen sie. „ Wir haben ihn so verärgert, dass er kein Interesse mehr an uns haben kann. – Wenn es überhaupt einen Gott gibt.“

Also ich kenne solche Zweifel durchaus. Es gibt Zeiten, da geht es mir genauso. Und das lähmt, ich bin dann zu keiner Handlung in der Lage. Zu den einfachsten Arbeiten, die unbedingt nötig sind, muss ich mich richtig quälen.

Oft ist es in solchen Zeiten hilfreich, wenn da Jemand ist, der einfach Mut macht. Ein Wort, ein Lächeln kann helfen, dass mir da Jemand zum Engel wird, der mich aus der Situation herausführt. Der (oder die) merkt das sicherlich überhaupt nicht. Und trotzdem!

Ist unser Text so ein Wort?

Ja, ganz sicher. Der Prophet zeigt hier die mütterliche Seite Gottes. So wie eine Mutter sich um ihr Kind sorgt, nie zulässt, dass es Schaden nimmt, alles tut, dass es im Leben zurecht kommt, so auch Gott: „Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes!“ steht da.

Aber selbst wenn es Mütter gibt, die ihr Kind in Stich lassen, warum auch immer, Gott wird das niemals tun.

Also, sagt der Text, wenn schon eine Mutter so fürsorglich sein kann, wie viel mehr dann Gott! Gott hat sich mit den Menschen so sehr verbunden, dass er sein Zeichen in ihre Hände gegeben hat.

Liebe Gemeinde, erstmal ist das ein Text, der in der Bibel steht, nicht mehr. Wir können ihn an uns vorüber ziehen lassen und wir haben nichts davon.

Aber wir können ihn auch auf uns beziehen. Es ist doch so: Gott redet uns an. Er möchte, dass wir den Glauben aufbringen, dass diese Zusage auch uns meint. Das ist Glaube. Und dann können wir frohen Mutes in das Neue Jahr gehen, im Wissen, dass Gott es gut mit uns meint.

Ich möchte diese Predigt beschließen mit einer Geschichte, die ich gerade gelesen haben. Sie stammt aus dem Kalender „Der andere Advent.“ Das ist ein besonderer Adventskalender mit Bildern und Geschichten zu jedem Tag in der Adventszeit. Hier die Geschichte:

„Mit Jammern ist kein Blumentopf zu gewinnen.“ So richtet sich der 65-jährige Gärtner Kurt Peipe auf, als ihm unheilbarer Krebs diagnostiziert wird. Statt sich ängstlich zu verkriechen, geht er los. Zu Fuß von der dänischen Grenze bis nach Rom. Solange er wandert, weiß er sich am Leben. Auf seinem Weg läuft er nicht nur gegen alle Bedenken, gegen unwirtliches Wetter und seine knappe Kasse an, sondern auch gegen die Schmerzen. Aber mit ihm, der kaum Kontakt zur Kirche hatte, geht sein wachsendes Gottvertrauen. Wie eine schützende Hand. Unter dem weiten Himmelszelt fühlt er sich zuhause und an seinem Kern angelangt. Unterwegs entdeckt er »einen zweiten Peipe, einen leichten und durchsichtigen Gesellen, der immer öfter an meiner linken Seite erschien und in dessen Position ich mehr und mehr schlüpfte.« Er schafft die Strecke und kehrt verändert zurück. Erfüllt. »Wichtig war«, schreibt er, »dass ich losging. Dass ich den ersten Schritt machte. Und den zweiten. Und den nächsten.« An dem Tag, an dem sein Buch über diese große Reise erscheint, stirbt er. Ohne Angst: »Es ist unendlich tröstlich zu wissen, dass wir getragen sind. Geführt. Wenn wir es zulassen... loslassen.«

(INKEN CHRISTIANSEN)

Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, so dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen, spricht Gott!

Amen

© Philippsen

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