Predigt am 29. April 2007

Sunday, April 29, 2007 11:20:00 AM Categories: Archiv '06 - '08

1. Mose 1,1 – 4a. 26-31; 2,1-4a (Erschaffung des Menschen)
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heili-gen Geistes sei mit Euch allen.
(1.1) Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, die ganze Welt. (2) Auf der Erde war es noch wüst und unheimlich; es war finster, und Wasserfluten bedeckten alles. Über dem Wasser schwebte der Geist Gottes.
(3) Da befahl Gott: „Licht soll aufstrahlen!“, und es wurde hell. (4) Gott hatte Freude an dem Licht; denn es war gut.
(26) Dann sagte Gott; „Nun wollen wir den Menschen machen, ein Wesen, das uns ähnlich ist! Er soll Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft und über alle Tiere auf der Erde.“ (27) Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, er schuf Mann und Frau. (28) Er segnete die Menschen und sagte zu ihnen: „Ver-mehrt euch! Breitet euch über die Erde aus und nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die Fische, die Vögel und alle anderen Tiere und vertraue sie eurer Fürsorge an.“ (29) Er fügte hinzu: „Ihr könnt die Früchte aller Pflanzen und Bäume essen; (30) den Vögeln und Landtieren aber gebe ich Gras und Blätter zur Nahrung.“
(31) Gott betrachtete alles, was er geschaffen hatte, und er hatte Freude daran: alles war sehr gut. Es wurde Abend und wieder Morgen: der sechste Tag.
(2.1) So entstanden Himmel und Erde mit allem, was lebt. (2-3) Am siebten Tag hatte Gott sein Schöpfungswerk vollendet und ruhte von seiner Arbeit aus. Deshalb segnete er den siebten Tag und erklärte: „Dieser Tag ist heilig, er gehört mir“
(4) So entstanden Himmel und Erde; Gott hat sie geschaffen.


Das Sechstagewerk

Als ich noch mit einer Jugendgruppe gearbeitet haben, kam eines Tages ein junger Mann aus der Gruppe zu mir und sagte: Das ist doch alles dummes Zeug in der Bibel. Das kann man doch nicht glauben. Ich war wohl irritiert und wollte wissen, wie der denn zu dieser Aus-sage kam. „Na, das stimmt doch nie und nimmer, dass Gott die Welt in sechs Tagen ge-schaffen hat. Die Wissenschaft weiß das doch heute viel besser.“
Es gibt ja viele Menschen, die meinen, die Bibel wörtlich nehmen zu müssen. Und da ist die Schöpfungsgeschichte schon ein Problem. Also dass die Welt nicht in 6 Tagen entstanden ist, kann wohl jeder nachvollziehen. Aber es gibt ja noch den Psalm 90: „Tausend Jahre sind vor dir wie ein Tag.“ Also 6000 Jahre? Das ist zwar eine unüberschaubar lange Zeit, aber in Zusammenhang mit der Erdgeschichte auch nur ein kurzer Zeitraum. So lässt sich das nicht erklären.
Wir hatten ein langes Gespräch. Hat die Bibel denn den Anspruch, naturwissenschaftlich korrekt die Entstehung der Welt und des Menschen zu erklären. Oder ist das Interesse die-ses Textes und seiner Autoren nicht ein ganz anderes?


Die Priesterschrift

Theologen wissen heute, dass die ersten Bücher der Bibel, die fünf Bücher Mose aus ver-schiedenen Quellenschriften bestehen, die man fast durchgängig in den Büchern nachwei-sen kann, und die manchmal ziemlich unverbunden nebeneinander stehen. Da wird also ein Stück aus der einen Quelle neben ein Stück aus einer anderen einfach hintereinanderge-setzt.
Eine dieser Quellen ist die Priesterschrift, aus der unser Text stammt. Diese Schrift wirkt sehr hölzern und steif. Sie hat nicht einfach einen Autor, wie wir das heute verstehen wür-den, sondern sie gibt das große Wissen von vielen Generationen von Priestern weiter. Da sind also keine Mythen oder Sagen, die da wiedergegeben werden, keine Geschichten, son-dern Priesterlehre. Das ist uraltes Wissen, das immer wieder überarbeitet worden ist, bis es  diesen Stand erreicht hat. Und es ist hoch konzentriert, deshalb nicht leicht zu verstehen. Vor Allem ist wichtig zu wissen, dass auch nicht ein einziges Wort überflüssig ist. Jedes ein-zelne Wort hat seine Bedeutung.
Natürlich gibt dieser Text ein Verständnis der Welt wieder, das es damals gab. Sie stellten sich die Welt vor als Scheibe, die auf dem Urmeer schwimmt, umgeben von Wasser. Oben wurde das Wasser ferngehalten von der „Feste des Himmels“. Deshalb ist der Himmel auch blau, wir sehen sozusagen von unten das Urmeer. Diese Vorstellungen sind überholt. Das würden vermutlich auch diese Priester anerkennen.
Heute, denke ich, würden die Priester die Schöpfungsgeschichte wohl anders schreiben. Aber das ist ja für die eigentliche Aussage gar nicht so wichtig. Die Schöpfungsgeschichte will uns zeigen, dass Gott die Erde und den Menschen geschaffen hat und warum. Und das ist keine Aussage, die Naturwissenschaft belegen oder wiederlegen kann, es ist eine Aussa-ge des Glaubens. Das glauben wir. Und es ist der Versuch, die Welt aus der Sicht Gottes zu deuten.


Es werde Licht

Uns wird zunächst eine Erde dargestellt, die „wüst und leer“ ist. Man kann auch übersetzen mit: Da herrschte das Chaos, oder gleich hebräisch : „Das Tohuwabohu“.

Auf der Erde war es noch wüst und unheimlich; es war finster, und Wasserfluten bedeckten alles. Über dem Wasser schwebte der Geist Gottes

Für mich geht von diesem Chaos, von dem Tohuwabohu etwas aus, das Angst einflösst, aber auch gleichzeitig fasziniert es. Und die Wasserfluten beinhalten ja auch beides, den fröhlichen Tag am Meer und die tödliche Sturmflut. Und über dem allen schwebte der Geist Gottes. ER ist also schon da! Und dann kommt die erste große Tat Gottes, er befahl: Licht soll aufstrahlen.
Nirgends finde ich das besser dargestellt als in dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn. Zu Anfang ist die Musik getragen und leise. Aber dann singt der Chor die Worte „Und es ward Licht“. Bei dem Wort Licht fangen Chor und Orchester an geradezu unbeschreiblich zu jubeln. Der ganze Raum füllt sich mit diesem Jubel.
Und Gott sah das Licht an und hatte Freude daran. Es war sehr gut!


Gott schuf den Menschen

Wir überspringen nun einiges aus an der Schöpfungsgeschichte.

(26) Dann sagte Gott; „Nun wollen wir den Menschen machen, ein Wesen, das uns ähnlich ist! Er soll Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft und über alle Tiere auf der Erde.“ (27) Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, er schuf Mann und Frau.

Hier wird viel über den Menschen, so wie Gott ihn gemeint hat, ausgesagt. Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Ist Euch die Tragweite dieser Aussage eigentlich klar? Wir sind nach Gottes Bild geschaffen. Wer uns ansieht, der sieht Gott!
Willst Du wissen, wie Gott aussieht, schau deinen Nächsten an.
Ja, tut das doch mal, schau mal Deinen Banknachbarn an. So sieht Gott aus!
Das ist eine bestimmt überraschende Aussage dessen, was die Priester hier gesagt haben. Aber das gilt keinesfalls nur für uns hier. Jeder Mensch ist ein Abbild Gottes. Ich will Euch das überlassen, welche Konsequenzen das für Euch hat!

Aber bevor wir nun in eine Hochstimmung fallen, gilt es noch ein Anderes zu erzählen: Im Jahr 1928 hat der belgische Maler René Magritte das folgende Bild gemalt. Es zeigt eine Pfeife auf einem einfachen, einfarbigen Hintergrund. Das wäre ja nichts besonderes, darüber brauchten wir hier nicht reden. Aber das Bild hat eine Unterschrift. Das hat nicht irgendeiner dorthin geschrieben, das war der Maler selbst. Ich kann kein französisch, deshalb gleich die Übersetzung: „Das ist keine Pfeife“.

Ja, was ist es denn? Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, hab ich an so ein Vexierbild gedacht. Kennt ihr sicherlich. Wenn man es dreht, sieht man was ganz anderes. Ein Tier, eine alte Frau oder einen Elefantenrüssel z.B. Aber hier sieht man eben nichts anderes, wie man es auch dreht.. Es bleibt eine Pfeife. Was soll das also?
Dann versuch doch mal sie mit Tabak zu füllen, hat mir Jemand geraten. Natürlich das geht nicht. Und das erklärte es auch. Es ist tatsächlich keine Pfeife, es ist ein Stück Papier, es ist ein Bild einer Pfeife. Es sieht zwar so aus, wie eine Pfeife, Jede und Jeder erkennt das, aber es hat nicht deren Eigenschaften.

Und nun könnt ihr auch nachvollziehen, warum ich dieses Bild gezeigt habe. Auch wir sind nicht Gott, haben keinen göttlichen Kern oder so was. Wir sind „nach seinem Bild“ geschaf-fen, haben aber natürlich nicht dessen Eigenschaften. Das macht den Unterschied.


Gottes Bild

Aber zu dem Bild muss ich noch was sagen. Die alten Kaiser und Könige konnten ja nicht überall sein. Und da haben sie einfach ein Bild von sich aufgestellt. Das war kein Dorfer-neuerungsprogramm wie „Unser Dorf soll schöner werden“, oder Kunst am Bau. Das sollte die Präsenz des Herrschenden zeigen. Das dokumentierte deren klare Machtansprüche.
Und nun haben wir erfahren, wir sind Gottes Bilder. Durch uns zeigt Gott seinen Machtan-spruch. Wir sind also gleichsam die Königstandbilder, mit denen der König seine Macht do-kumentiert. Das traut Gott uns zu!


Unsere Aufgaben

Und unsere Aufgabe: Gott will, dass wir die Erde, die er uns gegeben hat, in Besitz nehmen. Wir dürfen sie sogar für unsere Zwecke gebrauchen. Aber es ist immer noch seine Erde. In alten Übersetzungen steht: Mach sie euch untertan. Das kann man falsch interpretieren. Hier ist viel besser und, wie ich mir sagen lasse auch näher an den Intentionen des Textes über-setzt: „Ich vertraue sie eurer Fürsorge an.“


Gott ruhte am siebenten Tag

Noch ein Letztes: Man redet immer vom „Sechstagewerk“, habe ich vorhin ja auch. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der siebte Tag, der Ruhetag, gehört mit dazu. Gott ruhte von seinen Werken. Vielleicht saß er ja auf einer Gartenbank, hatte ein Pfeifchen an (Womöglich die..!) und sah sich mit Genuss all das an, was er geschaffen hat. Er hatte Gefallen daran, wird immer wieder gesagt. Er freute sich über seine Schöpfung, er fand sie gut. Die Schöp-fung, wie Gott sie uns hinterlassen hat, ist gut.

Übrigens, das habe ich bei der Vorbereitung gelernt, Allah braucht keinen Ruhetag. Moslems finden die Vorstellung, dass Gott von seinen Werken ausruht, eher lächerlich.

Ich freue mich an einem Gott, der auch die Ruhe genießen kann. Und ich bin sehr dankbar, dass Gott diesen Tag für sich ausgesucht hat, dass es sein Tag ist, dass er heilig ist, dass er ihn für sich ausgesucht hat. Wir haben da ein ganz großes Geschenk bekommen.


Und der junge Mann?

Zum Schluss muss ich ja noch was zu dem jungen Mann vom Anfang meiner Predigt sagen. Es gibt keine dumme Fragen, nur dumme Antworten, sagt man. Aber, das möchte ich dage-gensetzen, es gibt Fragen, auf die gibt es keine sinnvollen Antworten. Womöglich war das eine, und ihr versteht jetzt auch, warum.
Amen.

Klaus Dieter Philippsen

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