Predigt am 3. Advent 2010, 12. Dezember, Jesaja 40, 1-8

Sunday, December 12, 2010 6:00:00 AM Categories: Advent in Habenhausen

Ein großes Wort des Profeten. Das Volk hat gesündigt. Es ist in die Irre gegangen, so, wie wir in die Irre gehen, immer wieder, besonders aber, wenn wir uns selbst überhöhen, wenn wir vom erhöhten moralischen Standpunkt aus hinabschauen auf die anderen, auf die Elenden, auf die Ungerechten, auf die Getriebenen, auf die Bezieher von Transferleistungen, auf die Migrantenkinder und ihre Eltern, auf die, die gestrauchelt sind, einen Fehler gemacht haben, für den sie bezahlen müssen. Wir schauen im Grunde immer herab auf die anderen, die nicht so sind, wie wir uns denken, dass sie sein sollten. Und so sündigen und straucheln wir ebenso, wie sie und noch mehr, als sie, weil wir uns der Sünde des Hochmuts schuldig machen, der Selbstüberhebung, der „Hoffart“, wie man früher sagte.

Das Volk hat gesündigt in vielerlei Weise, und der Profet weiss, dass das Volk zu Recht dafür bezahlt hat. Es mag ja sein, wie das alte Sprichwort sagt, dass Gottes Mühlen langsam mahlen, aber es gibt keinen Weg daran vorbei, dass wir für unsere Sünden bezahlen müssen. Und es mag wohl so sein, dass, je größer unsere Sünden sind, desto mehr wir bezahlen müssen. Wir kommen nicht davon. Deshalb sprechen wir zu den Abendmahlsgottesdiensten die 10 Gebote, damit wir uns besinnen darauf, wo es schief läuft in unserm Leben, wo wir auf der falschen Spur sind und wo wir den Zorn Gottes auf uns herab ziehen.

„Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott.“

Das Volk hat gesündigt und es hat bezahlt für seine Sünde. Laßt uns auf unser Leben kucken! Du weißt um deine Sünde. Du weißt, wo du ungerecht bist, wo du den Willen Gottes nicht getan und ein oder mehrere oder auch alle Gebote gebrochen hast. Das weißt du selbst besser, als irgendjemand Anderes. Aber heute morgen sollst du dich da nun gerade nicht hinein vertiefen. Du sollst dich gerade nicht mit deinen, gewiss zahlreichen, Sünden befassen, du sollst nun gerade nicht bekennen müssen, was für ein schlechter Mensch du bist.

Du sollst heute Morgen die große Freiheit erfahren und von dir selbst und deinen Leistungen oder Verfehlungen absehen. Heute Morgen sollst du das Wort vernehmen, dass dein Heil und dein Glück nicht von dir selbst und deiner Einsicht oder Besserung abhängen, sondern – ganz fern von dir- im Wort Gottes liegen. Nicht auf dich sollst du schauen heute morgen, sondern auf Gott und nicht auf dich, und auch nicht auf dein Gewissen, dass dich verklagen will, sollst du heute morgen hören, sondern auf das Wort des Profeten, der ruft:

„Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und prediget ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist.“

Das sollst du heute hören und glauben. Was immer du getan hast, wie immer du dafür auch hast bezahlen müssen, du bist erlöst und frei davon. Und ich soll es dir sagen.

„denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden“.

Das gilt für Jerusalem, die Tochter Zion, als Jerusalem in Trümmern liegt und das Volk verschleppt ist an die Ströme Babylons, und die Mutlosigkeit das Volk überkommen möchte angesichts der frommen Erkenntnis: Das haben wir ja auch nicht anders verdient! Und das gilt uns hier, jedem einzelnen: Du bist genug gestraft von der Hand des Herrn für alle deine Sünden, aber nun höre doch:

„Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet den Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und das hügelig ist, soll eben werden, denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbar werden.“

Natürlich denken wir bei diesen Worten an Johannes den Täufer, diesen wilden Mann, der Jerusalem herausgerufen hat in die Wüste zum Jordan zur Taufe zur Vergebung aller ihrer Sünden. Natürlich denken wir daran, wie dieser Johannes den Weg bereitet hat für Jesus:

„Ich taufe euch mit Wasser zur Buße, der aber nach mir kommt, ist stärker, als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen. Der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“

Ja, wir denken an Johannes den Täufer. Vor allem aber hören wir aus diesen Worten des Profeten, dass es nichts gibt, was verhindern könnte, dass Gott heute zu uns kommt! Es ist nichts zu wüst und zu groß, es ist nichts zu hoch oder zu tief, es ist nichts zu chaotisch oder zu ungeordnet, schon gar nicht unser Leben, und auch nicht unsere Sünde, als dass nicht Jesus Christus, der Sohn Gottes zu uns kommen könnte um zu taufen mit dem Heiligen Geist und mit Feuer. Nichts wird ihn aufhalten können auf seinem Wege zu dir, nicht einmal dein eigener Unwille und Widerstand, denn er hat’s doch gesagt: Es ist genug mit deiner Strafe und Verbannung, es ist genug mit deinem Alleinsein und Unglauben, jetzt wird verbrannt mit Feuer, was dich von ihm trennen will, jetzt wird Gericht geübt über deine Sünde, aber so, dass sie von die abgenommen wird und verbrannt im Feuer, du aber frei sein wirst und erneuert und getauft mit dem Heiligen Geist. Nichts wird zu hoch oder zu tief sein, das zu verhindern, dass Jesus Christus heute zu dir kommt.

„Und alles Fleisch miteinander wird es sehen. Denn des HERRN Mund hat’s geredet.“

Natürlich denken wir daran, wie dieses Wort wahr geworden ist, als nach bald 50-jähriger Verbannung die Tore Babylons sich öffneten und die verschleppten Juden sich aufmachen konnten, durch Wüste und Steppe, über Berg und Tal, und in einem Zug der Kinder Gottes nach Jerusalem gingen. Alle Welt hat’s gesehen und auch die einst so mächtigen Babylonier mussten’s mit ansehen, die nun selbst im Staub lagen, geschlagen von den nun noch mächtigeren Persern. Und natürlich denken wir daran, wie Jesus von der Taufe durch Johannes am Jordan seinen Ausgang nahm und loszog, sein Werk zu verrichten und seinen Weg zu gehen, auf dem ihn niemand halten konnte. Den Weg, der ihn an’s Kreuz führte, und tief in die Hölle, wo er die Türen der dort Eingeschlossenen weit auftat, und auf, hoch hinauf in den Himmel zur Rechten Gottes. Nichts und niemand konnte seinen Weg aufhalten, nicht der Teufel, der ihn versuchte, nicht seine Jünger, die ihn verliessen, nicht der Tod, der ihn packte. Er war stärker, als sie alle

„Alles Fleisch miteinander wird es sehen. Denn des HERRN Mund hat’s geredet.“

Aber vor allem hören wir heute morgen, dass Gott, der Herr nun heute zu dir kommen will um dich freizumachen von all deinen Sünden und dir voranzugehen auf den Wegen, die er dir zeigen wird. Dein Gott und dein König will er sein. Und er kommt zu dir in seinem Wort.

„Es spricht eine Stimme: Predige! Und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras und alle seine Güte ist wie eine Blume auf den Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk!“

Hier spricht die Stimme der Resignation. Hier spricht die Stimme, die sich ansieht, wie die Dinge in der Welt stehen. All das Elend, die Kriege, die Seuchen, die Naturkatastrophen, der Betrug, das Lügen und Morden, und Geld regiert die Welt und jeder denkt nur an sich. Da kann man deppressiv werden und sagen: Alles sinnlos…Und alles ohne Segen. Im Gegenteil, Gott scheint ja gegen uns zu sein:

„Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk!“

So kann man reden, wenn man auf sich selbst kuckt und auf die Dinge, wie sie stehen. Aber eben das sollst du heute nicht tun. Du sollst nicht auf dich selbst sehen. Du sollst heute nicht auf die Welt und ihr Elend sehen. Jedenfalls sollst du heute dabei nicht stehen bleiben. Es ist ja alles wahr, was du da siehst und sagst. Aber nun erhebt eure müden Häupter und hört doch, was euch gesagt wird:

„Das Gras verdorrt. Die Blume verwelkt, aber das Wort eures Gottes bleibt ewiglich“.

Neige dein Ohr zum Himmel. Da vernimmst du das, was gilt. Und was bleibt. In diesem Wort kommt Gott zu dir. Vergibt dir alle deine Schuld. Und macht dich zu seinem Kind. Dieses Wort bleibt und gilt, egal, wie schwankend sich dein Leben nun gestaltet und wie sehr du auch wankst und am Ende vergehst.

„Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott.“

Amen.


Jens Lohse

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