Predigt am Reformationstag 2010, Simon-Petrus-Kirche

Sunday, October 31, 2010 6:00:00 AM

„Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“

Am Abend des 29. Mai 1934 wurde mit einem Gottesdienst in der Reformierten Kirche von Barmen-Gemarke im heutigen Wuppertal die „Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche“ feierlich eröffnet. Es nahmen 138 Abgeordnete aus 18 Landeskirchen teil, darunter eine einzige Frau, „die tapfere Stephanie von Mackensen vom pommerschen Bruderrat“. Dazu kamen 200 Gäste, die während der dreitätigen Versammlung die Emporen und Seitenschiffe der Gemarker Kirche füllten. Es ging um ein Bekenntnis, in dem sich die Evangelische Kirche gegen den Versuch einer nationalsozialistischen Gleichschaltung wehrte. Dieses Bekenntnis, das dann einstimmig von allen anwesenden Lutheranern und Reformierten verabschiedet wurde, ist die berühmte Barmer Theologische Erklärung, die wir eben gemeinsam gesprochen haben.

Natürlich ist diese Erklärung vorher von einer kleinen Arbeitsgruppe verfaßt worden, und dann auf der Synode diskutiert und beschlossen. Die Arbeitsgruppe hat etwa 2 Wochen vor der Synode im Hotel „Basler Hof“ in Frankfurt am Main getagt, ihr gehörten drei Männer an: Der bayrische Lutheraner Thomas Breit, der Altonaer Lutheraner Hans Asmussen und der Bonner reformierte Theologieprofessor Karl Barth. Verfaßt hat die Erklärung „bis auf einen einzigen Satz“ Karl Barth, und zwar in der Mittagspause des 15. Mai, „als das Luthertum schlief“. Asmussen und Breit legten sich nämlich Mittags hin, während Karl Barth, versehen mit starkem Kaffee und 1-2 Brasilzigarren, den Text redigierte. „Die lutherische Kirche hat geschlafen und die reformierte Kirche hat gewacht“, wie Barth selbst später pointiert und ironisch anmerkte.

Entstanden ist so einer der wichtigsten Bekenntnistexte des 20. Jahrhunderts. Und diese Barmer Erklärung formuliert die Grundlage, auf der die Kirche zu allen Zeiten und unter allen Umständen steht und sie spricht aus, dass die Kirche sofort strauchelt und fallen wird, wenn sie diese einfache Grundlage verlässt. Es geht um nichts anderes, als das mächtige dreifache „Solus“ der Reformation: Solus Christus, sola scriptura, sola fide- Allein Christus, allein durch die Schrift, allein durch den Glauben.“

Schauen wir in den Text der 1. These. Das erste Bibelwort ist einfach zu verstehen.

„Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“

Da steht eben nicht: Ich bin EINER der Wege, die zum Leben führen. Da steht, deutlich und vernehmlich: Niemand kommt zum Vater, außer durch mich. Wie kann es dann angehen, dass die Kirche nicht ausschließlich auf Jesus sieht, wenn sich vergewissern will über Gott? Wie kann es dann angehen, dass die Kirche meint, auch neben, hinter und über Jesus gebe es Menschen, Religionsverkünder, Meditationswege, Weltanschauungen und Ereignisse, die uns zu Gott führen können?

Das zweite Bibelwort lautet:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden.“

Stell dir einen Schafstall vor. Und stell dir vor, da klettert einer, wenn´s dunkel wird, durch’s Fenster hinein oder durch die Dachluke und geht nicht durch die offene Tür. Was würdest du über den denken? Jesus nennt ihn einen Dieb und Räuber.

Wenn du nun zu Gott kommen willst, dann sei nicht wie ein Dieb oder Räuber, der sich nebenbei hereinschleicht oder sogar hereinbricht, sondern geh durch die Tür. Geh zu Jesus, durch ihn findest du Gott. Alle andern Wege sind Wege, die nichts taugen.

Soweit die Bibeltexte. Nun hören wir die These selbst an, die diese Bibelworte ja nur ausleuchten will:

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Nun hat jeder so seine Vorstellung von Jesus Christus. Auch du hast deine Vorstellung von Jesus. Im Dritten Reich hat’s allen Ernstes Leute gegeben, die nachweisen wollten, dass Jesus ein Arier war. Vor der Reformation haben die Menschen Angst gehabt vor Jesus, weil sie ihn als Richter sahen, der beim Jüngsten Gericht sie unbarmherzig verurteilen würde nach ihren Taten. Jede Zeit hat ihr Bild von Jesus. Was ist dir an Jesus lieb und wichtig? Was gefällt dir?

Und nun sollst du aber nicht dein Bild von Jesus verehren, sondern

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird.
Da wirst du also nicht viel weiterkommen mit Diskutieren und Phantasieren und Schwärmen und mit dem Vergleich, wie Jesus in anderen Religionen gesehen wird, sondern du wirst hier bei der Hand genommen und zur Schrift geführt. Schlag die Bibel auf. Und vertiefe dich in das, was da von Jesus geschrieben steht. Und korrigiere dein eigenes Bild, und korrigiere deine Lieblingsvorstellung, und korrigiere den Jesus, der öffentlich anerkannt und populär ist, nach dem Bild von Jesus, wie du es dort bezeugt findest. Man schnitzt sich nämlich gerne seine Götzen, die einem gefallen und auch Jesus ist das nicht erspart geblieben, dass er zum Götzen gemacht wurde.

Der Jesus, so wie die Bibel ihn schildert, in all seiner Vertrautheit und Fremdheit

ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Wir können über Gott schlichtweg keine Aussagen machen, die an Jesus vorbei gehen. Alles andere ist Spekulation und führt, bei der menschlichen Sünde, notwendig in die Irre.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

Es muss in der Kirche auch gesagt werden, was falsch ist. Was falsche Lehre ist. Was Lüge ist über Gott. Es gibt hier kein sowohl, als auch. Es gibt hier nicht das Einsteigen sowohl durch Fenster und Dachluken, sowohl durch herausgenommene Dachziegel, als auch durch die Tür. Es gibt den richtigen Weg. Jesus Christus. Und den falschen. Alle anderen. Dazwischen gibt es Nichts. Diese Wahrheit ist der Kirche zuzumuten und sie fällt ihr bitter bitter schwer. Aber die Reformatoren hat diese Gewissheit stark gemacht.

Die Kirche ist immer in Versuchung, hinter, neben, über und unter Jesus Christus noch andere Zugänge zu Gott zu suchen. „Jeder Mensch macht doch seine eigenen Erfahrungen mit Gott, das muss nicht immer über Jesus laufen“, hat mir letzte Woche  ´ne junge Frau aus Berlin gesagt. Das mag ja sein, dass man seine eigenen Erfahrungen mit Gott auch ohne Jesus Christus machen kann, etwa durch Meditation oder sonst wie. Aber die Kirche macht ihre Erfahrungen mit Gott nicht ohne Jesus Christus und auch nicht an ihm vorbei. Für sie gilt: „Ich bin der Weg“.

Es mag ja auch sein, dass in unserer globalisierten Welt und in unserer, zumindest in den Städten, multireligiösen Welt andere Menschen ohne Jesus Christus mit Gott in Berührung kommen. Für die Kirche, also für uns, gibt es diese Möglichkeit nicht. Wir würden aufhören, Kirche zu sein, wenn wir zum Beispiel meinten, zuliebe des Dialogs mit anderen Religionen, und, um zum Beispiel das Gespräch mit Juden oder Muslimen nicht zu erschweren,  in dieses Gespräch eintreten, indem wir uns auf einen möglichen gemeinsamen Punkt  über oder hinter Jesus bezögen und nun, um des lieben Friedens willen, nicht durch Jesus etwa zu Gott, unserm Vater kommen wollten, sondern auf direktem Wege, an Jesus vorbei. Die Kirche kann nicht anders, als in jeden, zweifelsohne sehr erwünschten Dialog, nun gerade von Jesus aus, mit Jesus und durch Jesus zu ziehen. Sie hörte sonst auf, Kirche zu sein.

Ein Letztes. Wieviele Menschen sind heute auf der Suche. Nach Erfüllung. Nach Glück. Nach Gott. Sie unternehmen sonst etwas, meditieren, fasten, beten, lesen, studieren.
Dabei ist alles so einfach. Es ist uns eine Tür gezeigt. Durch die müssen wir nur hindurchgehen. Dann werden wir selig werden. Das muss die Kirche, und das müssen also wir, den Leuten, die suchen, den Leuten bei Joga und Chigong, den Leuten bei Zen und Ayurveda, den Leuten, die zu den Sekten schauen und denen, die schlichtweg verzweifelt sind, weil sie den Weg nicht kennen, einfach, aber deutlich sagen. Es gibt einen Weg. Der ist uns und euch gewiesen. Und wenn ihr den geht, dann werdet ihr finden!

Und auch wir brauchen nicht weiter zu suchen, sondern wir haben gefunden und brauchen nur fest zu halten, was wir gefunden haben: Jesus Christus, so, wie ihn die Heilige Schrift bezeugt. Denn so sagt es Jesus Christus selbst:

„Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden“ Amen.


Jens Lohse

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