Predigt am Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2010, über 1. Petrus 1,3-9, Habenhausen

Sunday, April 11, 2010 12:44:00 PM Categories: in Habenhausen

So, wie heute, gab es zur Zeit des Petrus viele Götter. Aberglaube, Verwirrung, Irrtum, vergebliches Suchen nach der Wahrheit, und dann eben viel Spekulation und Tappen im Dunklen. Das alles müßte nicht sein, wenn man der Wahrheit der Heiligen Schriften vertrauen wollte. Wenn ich höre, daß Leute sich nicht voll Vertrauen in die Hände des Vaters Jesu Christi legen wollen, sondern anderswo die Quelle ihres Heils, ihrer Zufriedenheit und ihrer Gesundheit suchen, macht mich das traurig. Warum trinken Menschen aus trüben Brunnen und hinken an den Krücken der Esoterik und der Patchwork-Religion, anstatt auf beiden Beinen der biblischen Wahrheit zu stehen? Wir aber kommen zum Brunnen der Wahrheit und hören auf das Wort, das der Apostel Petrus heute verkündigt:

„Gelobt sei der Gott und Vater unseres HERRN Jesus Christus“.

Loben ist das erste, was wir tun. Denn wir schauen als erstes auf den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, und dann erst auf uns und unsere Wünsche, Vorstellungen, Gebrechen und wohl auch kleine Triumphe und Erfolge. Wir schauen als erstes auf den großen Sieg, den Gott am Ostermorgen errungen hat, wir schauen auf die Auferstehung des Sohnes, auf das Brechen des Grabes, auf das Leuchten des Engels und das Entsetzen der Frauen am Grabe, weil etwas Unerhörtes geschehen ist, etwas nie Dagewesenes, etwas Ungeheuerliches. Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

„Gelobt sei der Gott und Vater unseres HERRN Jesus Christus“.
Und erst danach, und erst in diesem Licht, im Licht der Auferstehung, im Licht des Ostermorgens, im Klang des Osterjubels, sehen wir dann auch auf uns und unser Ergehen. Geht es uns gut, so danken wir dem HERRN, daß er uns beschenkt mit dem, was uns angenehm ist, geht es uns schlecht, so danken wir dem HERRN auch, denn wir wissen, daß er, der Sieger über Tod und Teufel, seine Gründe haben wird, uns Lasten aufzulegen und wir verlassen uns darauf, daß er diese Lasten dann, wenn es ihm recht ist, von uns nehmen wird, und sei es, wie bei seinem Sohn, durch den Tod, aber doch nur, damit auch wir dann, befreit von aller Drangsal, aufatmen und aufjauchzen können in der Stadt, die im Himmel gebaut ist.

 Ein Christ kann leiden und weiß, daß dies irdische Leben nicht ohne Leiden zu haben ist, denn am Ende ist es doch ein permanentes Sterben-Lernen. Wer uns aber anschnacken will, diese Erde sei das Paradies oder müsse das Paradies werden, und wer uns dann Angebote unterbreitet und locken will, ihm auf dem Weg dahin zu folgen, der bietet uns nur Glasperlen für Diamanten, Esoterik und Wellness für „der Seelen Seligkeit“.

Wir aber, die wir vom Sieg Gottes über den Tod in der Auferstehung Jesu gehört haben, wir wissen damit zugleich, daß wir so, wie es mit uns geht und steht, ganz in Gottes Siegerhand sind und daß er uns auch dann zum Sieg führt, wenn wir leiden und sterben müssen. Wir suchen unser Heil nicht in dieser Welt und diesem Leben, sondern wir suchen und finden unsere Erlösung, Versöhnung und Rechtfertigung im Willen Gottes, der über diese Welt hinausgeht.

„Gelobt sei der Gott und Vater unseres HERRN Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wieder geboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe“.

Diese Hoffnung zu haben, die man nicht mit seinen Augen sehen kann, sondern die aus dem Hören des Evangeliums wächst, nennt Petrus eine Wiedergeburt. Deshalb heißt der heutige Sonntag „Quasimodogeniti“, „Wie die Neugeborenen“. Und es ist eine Neugeburt, wenn man die üblichen Wege verläßt, wenn einen die Verzweiflung im Angesicht des Todes nicht packt, wenn all diese vielen trügerischen Wege zur Selbstrettung der Menschheit  einen nicht mehr verlocken, sondern wenn man sein Leben und Sterben baut auf das Wort der Bibel. Wir erwarten von unserm irdischen Leben nicht, daß wir keine Rücken- und Gliederschmerzen, auch nicht, daß wir keine seelischen oder leiblichen Wunden tragen müssen, sondern wir erwarten, daß wir durch all dies, was uns auferlegt ist hindurch von Gott behütet und geführt werden bis wir, nach unserem Tod, das unvergängliche, unbefleckte und unverwelkliche Erbe antreten dürfen,

„das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seeligkeit, die bereit ist, daß sie offenbar werde zur letzten Zeit“.

Ja, das ist schon wahr, daß niemand seinen Glauben selber machen kann. Das ist schon wahr, daß dies alles dem Ungläubigen eine Fata Morgana und ein psychologisch nur zu gut zu erklärendes Wunschdenken ist. Denn die fünf Sinne des Menschen sind gefesselt und gebunden und gefangen im Fleisch. Zur Wahrheit und zum Himmel dringen sie nicht vor. Aber fürchtet euch nicht, weil ihr bauen sollt auf den Glauben, den ihr doch von euch aus gar nicht haben könnt: Gott wird ihn euch geben und euch darin bewahren. Vielleicht einen kleinen, einen, wie ein Senfkorn, einen, der von Zweifeln angefochten und zum Schwanken gebracht wird, ja, ja, ganz sicher! Aber auch dann, wenn euer Glaube euch viel zu dünn scheint für diese großen Dinge, ein viel zu löcheriges Gefäß für das klare Wasser des Heils, so sollt ihr daraus ja eben auch nur dies lernen, daß ihr euch nicht auf euch selbst und eure eigenen Kräfte und Fähigkeiten verlasst, sondern auf Gott, der seinen Sohn auferweckt hat aus der ewigen Dunkelheit des Todes. Fürchtet euch nicht. Ist euer Glaube auch klein, ihr werdet

„aus Gottes Macht bewahrt durch den Glauben zur Seeligkeit“

wie es Petrus heute sagt.

„Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen.“

Wiedergeboren seid ihr und nun lebt auch wie wiedergeborene Christen! Werft den ganzen Plunder über Bord, der euch von Gott abhalten will, vor allem die Macht der Gewohnheit, des Unglaubens, der unchristlichen Erziehung in Schule und Elternhaus. Werft alles ab, laßt es hinter euch liegen, geht rüstig und mutig weiter, laßt ruhig liegen, was euch vom Glauben abhalten will, was euch in die falsche Richtung führen will, was euch euer Heil und eure Rettung anderswo als bei dem Gott und Vater Jesu Christi suchen lassen will. Ihr werdet kämpfen müssen gegen die Macht der Gewohnheit, gegen die Anfechtungen des eigenen Zweifels, gegen die sehr guten Argumente kluger und gegen den dreisten Spott dummer Menschen. Aber ihr sollt euch doch bewähren! Euer Glaube soll sich bewähren! Im Feuer der Kritik, im Feuer des Zweifels, im Feuer des Leidens und insbesondere im Feuer der Leidenschaften des Fleisches sollt ihr ruhig bleiben und die Erfahrung machen, wie Gott euch immer stärker werden läßt,>

„damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde, als das vergängliche Gold, das durch’s Feuer geläutert wird zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus“.

Jetzt ist er noch nicht offenbart, jetzt hören wir nur von ihm und alle Welt zuckt mit den Schultern und viele wollen nichts wissen von ihm. Er ist unsichtbar den Heiden und auch in der Kirche könnte der Glaube größer sein. Aber Petrus weiß es und sagt es uns: Es kommt der Tag, da werden alle ihn sehen und wir sollen dann dabei sein bei denen, die sich dann freuen können!

„Ihr habt ihn nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.“ Amen.


Jens Lohse

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