Predigt Invokavit 2009, Habenhausen, Matthäus 4, 1-11

Sunday, March 1, 2009 10:33:00 AM Categories: in Habenhausen

Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde

Die Versuchung Jesu entspricht dem Willen Gottes, denn es ist der „Geist“, der Jesus in die Wüste führt. Gemeint ist der „Heilige Geist“, also Gott selbst. Jesus soll also in Versuchung geführt werden. Weil es für ihn selbst wichtig ist. Und weil es für uns lehrreich ist.

In die Wüste

Dahin, wo es schwer ist, da, wo es keinen Spaß macht. Da, wo dein Leben in Gefahr ist. Da mußt du manchmal hin. Da führt dich Gott manchmal hinein. Du blickst dich um und um dich herum ist Wüste. Deine Familie ist kaputt. Dein Partner hat dich verlassen. Dein Körper schmerzt und quält dich. Deine Firma macht Milliardenverluste. All das passiert. Jeder von uns muß irgendwann so etwas erleben. Das biblische Bild dafür ist die Wüste. Du willst dann da heraus. So schnell, wie möglich. . Aber sieh auf Jesus. Der von Gott in die Wüste geführt wurde, damit er sich dort auf Großes vorbereitet. In der Wüste bereitet sich Neues und Großes vor. Jesus kommt als ein Anderer heraus, als er hineingegangen war. Und auch du, der du von Gott in die Wüste geführt wirst, wirst daran wachsen und anders wieder heraus kommen, als du hineingegangen bist.

Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.

Die Zahl vierzig dürfte symbolisch sein und an die vierzig Jahre erinnern, die Israel mit Mose durch die Wüste gezogen war. Hier schwingt in der Erinnerung an die alte Mühsal Israels, an all die Anstrengung, an all die inneren und äußeren Kämpfe, unausgesprochen schon der spätere Gang über den Jordan und der Einzug in das Gelobte Land mit. Du mußt in die Wüste. Und vielleicht wird es lange sein. Du wirst murren, wie Israel gemurrt hat. Und du wirst zagen und wirst dich zurückwünschen zu den alten Tagen der Ruhe und der Zufriedenheit. Aber es wird kein Zurück geben. Für die Kinder Gottes gibt es nur ein Vorwärts. Das tut manchmal weh, weil Vorwärtsgehen eben heißt, Vertrautes hinter sich zu lassen, auch lieb Gewonnenes. Aber zu den Fleischtöpfen Ägyptens gibt es kein Zurück. Es geht vorwärts, hinüber in ein Gutes Land.

Nun fastet Jesus. Wie damals Israel wird nun er in die Wüste geführt. Er wird dort zum Messias, zum Mann Gottes. Sein Fasten ist nicht Vorbild für uns in dem Sinne, daß wir nun auch, etwa in diesen Wochen vor Ostern, fasten sollen. Sein Fasten ist nicht Vorbild, das wir nachmachen sollen. Sein Fasten ist ein Symbol für unseren Mangel, unsere Entbehrung, unseren Hunger und Durst, unsere Heimatlosigkeit.

Wir brauchen nicht zu fasten in dem Sinne, daß wir auf etwas verzichten in diesen Wochen. Wir brauchen uns unser Fasten nicht selbst zu bereiten. Unser Fasten wird kommen, wenn Gott uns Mangel leiden läßt.

Wir werden fasten, wenn uns unsere geliebte Frau gestorben ist, weil sie uns fehlt. Wir werden fasten, wenn unser Leib uns im Stich läßt, weil wir älter werden und gebrechlich. Das ist unser Fasten, das Gott uns auferlegt.

Und der Versucher kam zu ihm und sprach: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden“.

Sicher gibt es auch eine Versuchung, wenn es uns gut geht. Die Versuchung des Wohlstands und die Versuchung des Übermuts. Die gibt es. Aber teuflisch wird es, wenn wir Not leiden. Wenn wir unzufrieden sind mit unserem Leben. Wenn wir tatsächlich Mangel leiden. Emotionalen Mangel zum Beispiel. Wenn du in deiner Beziehung unglücklich bist, unausgefüllt, emotional unbefriedigt, dann wird der Versucher kommen. Und er wird dir den einfachen Weg zeigen. Den Weg zum vermeindlichen Glück. Den Weg zur Zufriedenheit. Den leichten Weg. Aber dieser weg wird nicht der Weg Gottes sein. Und die Versuchung wird sehr stark sein. Du wirst dann auch stark sein müssen, um auf dem Weg des HERRN zu bleiben.

Er aber antwortete: Es steht geschrieben: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes geht“

Es hieße, diesen Text ganz falsch zu verstehen, wollte man ihn so auslegen, als sei Brot nicht wichtig für einen, der hungert. Als ob einer, der auf Gottes Wegen geht, sich um die Notwendigkeiten des  irdischen Lebens nicht zu kümmern brauchte. Doch, braucht er. Als Kind Gottes brauchst du Brot, Liebe, Gemeinschaft. Und wenn du die nicht hast, leidest du. Das ist dein Fasten und deine Wüstenzeit.

Aber dein Bedürfnis, aus der Wüste heraus zu kommen, aus dem Fasten, aus der Not, muß sich unterordnen unter das Wort und den Befehl und die Weisung Gottes. Jesus sagt hier nicht: Ich brauche kein Brot. Ich lebe von Luft und Liebe und vom Wort Gottes. Jesus sagt: Ich brauche Brot. Ich bin hungrig. Aber solange Gott mir keines gibt, werde ich mir keines unrecht verschaffen. Was Gott mir zumutet, halte ich aus. Von ihm lasse ich mich führen. Und an seinem Wort werde ich mich orientieren.

Da führte ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab, denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einem Stein stößt.

Psalm 91, wir haben ihn eben gesungen, wird hier vom Teufel zitiert. Auch in dieser Versuchung sehen wir in Jesus uns, wie in einem Spiegel. Wir gehen zur Kirche. Wir kennen alle etliche Stücke und Geschichten der Bibel. Von der Größe und Herrlichkeit Gottes, von seiner Macht, mit der er die Feinde Israels zerschmettert, von seiner Schöpferkraft, mit der er  Himmel und Erde gemacht hat. Wir hören von seinem gewaltigen Sieg über den Tod in der Auferweckung Jesu und irgendwie müßte das doch alles in unserm Leben zu spüren sein.

Ist es nicht ein Ausweis des Glaubens und ein Beweis für die Existenz Gottes, wenn sich große Dinge ereignen in der Kirche? Wenn Blinde wieder sehen können, Lahme gehen und tanzen und Tote auferweckt werden? Ist es nicht so, daß eine Kirche, die wirklich Kirche Jesu Christi ist, eine Kirche der Aktion, der Exstase, der großartigen Stimmung und eben auch der Wunder sein müßte? Sollen wir nicht, wenn wir denn wirklich glauben, die Gelähmten zum Altar rufen und sie auffordern, im Namen Jesu ihre  Rollstühle zu verlassen?

Für das alles lassen sich Stellen der Bibel finden. So, wie der Teufel hier den 91. Psalm findet. Und ganz sicher haben wir manchmal Sehnsucht nach einer so mächtigen., überzeugenden und großartigen Kirche. Gerade wenn wir nicht nur als Einzelne, sondern auch als Gemeinschaft, als Kirche in der Wüste leben müssen. In Zeiten der Dürre. Der schwindenden gesellschaftlichen Relevanz. Der ökonomischen und theologischen Krise. Wer wollte da nicht rufen: Laßt uns die Kraft Gottes auf uns herabziehen und etwas Großes tun.

So hat der Satan Jesus auf die höchste Zinne des Tempels geführt und hat ihn aufgefordert,im Glauben an die biblischen Zusagen etwas Großes zu tun. „Spring! Fürchte dich nicht!“

Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht geschrieben: Du sollst den HERRN, deinen Gott nicht versuchen.

O, wie oft sind wir versucht und wünschen uns sichtbare Zeichen und Wunder. Großen Erfolg. Große Menschenmassen in unseren Gottesdiensten.

Und dann laßt uns auf Jesus schauen. Wie er am Kreuz hängt und die Schriftgelehrten und Pharisäer verspotten ihn und rufen: Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.

Wenn wir diese Versuchung zur Größe, zum Aktionismus, zum eigenen großen Werk haben, wenn sie uns beschleicht, die Idee, das können wir doch auch, das können wir noch besser, wir wollen die Macht Gottes spüren und erleben, , dann laßt uns auf Jesus sehen. Wir sind nicht stark, wenn wir religiös groß und überzeugend sein wollen. Wir sind nicht stark, wenn wir Gott zu beweisen trachten, indem wir ihn zu Wundern verleiten. Wir sind stark, wenn wir ihn machen lassen, wie ER es will. Und ER  hat seiner Kirche jetzt ein fasten verordnet. Bescheidenheit. Geringe Macht. Das haben wir an zu nehmen von ihm.

„Im Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.“ Heißt es beim Profeten Jesaja. 

Alles andere ist Versuchung und ist vom Teufel. Vielleicht ist auch eine Eventkirche vom Teufel. Eine Kirche, die alles mitmacht und sich auf jedem Markt anbietet, weil sie Angst hat, sonst gesellschaftlich abgehängt zu werden. Die Kirche Jesu Christi muß sich nicht selbst plausibel machen. Sie muß den Weg, auf den Gott sie schickt, als den richtigen erkennen. Und wenn es die Wüste ist.

Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: „Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.“ Da sprach Jesus: „Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: „Du sollst anbeten den HERRN, deinen Gott, und ihm alleine dienen.“

Hier spitzt sich nur zu, was vorher schon ausgeführt wurde. Wer soll herrschen? Gott, dem es gefällt im Kind in der Krippe und am harten Holz des Kreuzes zu sein? Oder wir mit unseren Methoden, Erkenntnissen, Tricks, Events und Aktionen? Soll die Kirche wirklich die verborgene Weisheit des Kreuzes vertauschen mit der Erkenntnis von Unternehmensberatern? Am Ende wird die vordergründige Stärke und Vitalität und Aktion, die uns so überzeugt, Schwäche sein und die vermeintliche Schwäche, die wir nicht wollen, Stärke und Leben.

So deutet es zum Schluß jedenfalls der heutige Predigttext an. Denn erst zum Schluß, als alle Versuchungen abgewehrt sind, wird die verborgene Stärke Gottes und seiner Kinder deutlich:

Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.  Amen.

 

Jens Lohse

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