Predigt Karfreitag, 2. April, 2010, Habenhausen über 2. Korinther 5, 19-21

Friday, April 2, 2010 12:40:00 PM Categories: in Habenhausen

Das ist Protestantismus pur. Der Protestantismus hat sich immer an den Apostel Paulus und seine Briefe gehalten. Wir wollen das heute morgen auch tun.

„Gott war in Christus“

Können wir noch staunen über solch einen Satz? Können wir uns gegebenenfalls daran ärgern oder darüber wundern? Wegen dieser vier Worte „Theos ehn en Christo“ wollten sie Paulus damals umbringen.

„Gott war in Christus“

Vielleicht verlockt uns dieser kurze Satz zu einem distinguierten Kopfnicken oder zu einem müden Schulterzucken. Wie man überhaupt den Eindruck gewinnen könnte, als sei das Christentum müde geworden, altersschwach womöglich.

„Gott“. Das dritte Gebot richtet ein Tabu auf um seinen Namen. Flüsternd, ängstlich, voller Sorge, ihm zu nahe zu treten, redete man von Gott in den Tagen des Apostels. Seine Heiligkeit und Hoheit schien bedrohlich. Das kennen wir heute aus der Diskussion um den Islam. Wie man dort Gottes Heiligkeit fürchtet und ehrt. Die Kirche dagegen redet eigenartig vertraulich von ihm. Als ob nicht ein Schrecken ausginge von seinem Namen. Als ob nicht die Kirche ganz und gar ein Geschöpf Gottes wäre, in seiner Hand, abhängig von seiner Gnade, sondern, als ob umgekehrt Gott in der Hand und Verwaltung der Kirche sei. Welch ein Irrtum! Es ist doch ein Abstand zwischen Gott und uns und es ist doch so, daß nicht wir ein Anrecht darauf haben, daß Gott uns dient, sondern ER ein Anrecht hat, das Anrecht des Schöpfers und Königs nämlich, daß wir ihm dienen.

„Gott war in Christus“

Eben das hat den Apostel Paulus permanent an den Rand der Steinigung gebracht, daß er verkündete, dieser Gott, dieser majestätische, dieser, auf den wir kein Anrecht haben und über den wir nicht verfügen, der aber mit seiner Forderung über uns steht, dieser Gott sei, keineswegs grundsätzlich, keineswegs immer, sondern in einer ganz besonderen Zeit und Stunde keineswegs in allen Menschen, sondern in einem ganz besonderen Menschen gewesen. Das fanden sie damals ein todeswürdiges Verbrechen, so etwas zu sagen. Und wir? Uns ist Gott so klein geworden, daß wir uns nicht einmal darüber wundern. Wer hat uns Gott so klein gemacht? Welcher Lüge und Täuschung sind wir da aufgesessen? Es ist der große, der ungeheure, und der heute, ebenso, wie damals auch unheimliche Gott, der „in“ Christus war.

„und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.“

Das ist nun erst recht ungeheuerlich, daß dieser Gott, dessen Namen sie nicht einmal auszusprechen wagten zur Zeit des Apostels, daß dieser Gott, dessen Hand uns leitet und führt über grüne Auen ebenso, wie mitten hinein in dunkle und furchterregende Täler, daß dieser Gott nicht kommt zur Rache, nicht zur Strafe, nicht zur Kontrolle und nicht zur Aufrechnung und Abrechnung unserer Taten und Sünden, sondern zum Generalerlaß. Wer hat dem Paulus diese Gewißheit gegeben in einem Umfeld, in dem man Angst hatte vor dem Tag des Gerichts? Wieso hat er diese Angst nicht gehabt? Wieso konnte er, wie die Profeten, sagen: „Fürchte dich NICHT, denn ich habe dich erlöst“, wo doch alles sich fürchtete und sich anstrengte, bloß ein Leben zu führen, mit dem man Gott an Tage der Abrechnung halbwegs beruhigt gegenüber treten konnte?

Wieso redet Paulus so ganz entschieden gegen den Zeitgeist, gegen die Erwartung aller, gegen die Wut und den Haß, der sich aus diesem Entgegen und Gegenüber ergibt? Versucht die Kirche nicht immer, ihre Botschaft dadurch plausibel zu machen, daß sie „zeitgemäß“, „modern“, also angepaßt und eingepaßt in das allgemeine Denken ihre Lehre formuliert? Paulus hört noch nicht einmal auf den Zeitgeist, es interessiert ihn gar nicht, wie er seine Botschaft möglicherweise für alle schmackhafter, bekömmlicher und eingängiger machen könnte. Denn Gott hat ihm ein Wort gegeben. Ein Wort gegen den Mainstream. Ein Wort der Korrektur. Ein nötiges Wort:

„Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.“

So sollt ihr Gott sehen. Ihr seht ihn doch nicht von euch aus so. So sollt ihr Christus sehen und so sollt ihr das Kreuz verstehen. Ihr versteht es doch nicht von euch aus so. Es ist die Versöhnung zwischen Gott und Welt, die dort geschieht. Das kannst du von dir aus nicht wissen. Woher denn? Frage doch einmal 1000 Leute, was ihnen zum Kreuz einfällt. Die kommen auf alles Mögliche, was ihnen ihre Vernunft und Erfahrung eingeben, alles richtige und wichtige Dinge. Sie erinnern sich des Leidens einer geschlagenen Menschheit, sie preisen den Opfermut eines einzelnen, der sich und siene Botschaft nicht verrät, sie klagen über politische und religiöse Niedertracht, ganz zurecht, sie deuten dieses und jenes. Aber daß dort auf diesem Hügel draußen vor den Toren der Stadt Jerusalem, daß dort auf Golgatha zwischen den zwei Verbrechern, daß dort am Kreuz, daß dort im Sterben Jesu Gott sich mit der Welt versöhnt: Das kann kein Mensch wissen. Deshalb wird es uns gesagt. Das Kreuz Jesu interpretiert sich nicht von selbst. Und keine Symboldidaktik der Welt bringt dich darauf, daß dort, und nur dort, im Sterben dieses einen Menschen zu dieser Zeit, von der uns heute berichtet wird, der Riß geheilt wird, der seit dem Sündenfall durch die Welt geht! Daß dieses Kreuz das zentrale, das eine, das wichtigste Geschehen in der Geschichte dieses Kosmos ist, wer soll das wissen können?

„Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.“

Daß dort Licht scheint, wo wir Finsternis sehen, daß dort Leben geschenkt wird, wo wir den Tod in Kraft sehen, daß dort Rettung geschieht, wo wir den Untergang mit Händen greifen können, daß in Gericht, Strafe und Untergang, die Jesus erleidet, unser Freispruch ist, das ist die Botschaft, die Paulus uns heute zu verkünden hat. Sie ist singulär in der Welt und absolut unvergleichbar allen anderen Botschaften. Hier liegt deshalb der Kern unseres Glaubens. Das Wort von der Versöhnung kommt ziemlich nahe der „Umwertung aller Werte“, von der der Philosoph Nietzsche gesprochen hat. „Dein Kampf ist unser Sieg/dein Tod ist unser Leben;/in deinen Banden ist/die Freiheit uns gegeben.“

„Aufgerichtet“  ist das „Wort von der Versöhnung“ sagt Paulus, und wir haben’s heute gehört. Was bleibt zu tun? Die Sache ist einfach: Wir sollen’s weiter sagen.

„So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns, so bitten wir nun an Christi Statt: Laßt euch versöhnen mit Gott!“
Von alleine kommt kein Mensch darauf, daß im Kreuz die Versöhnung der Welt geschehen ist. Also: Geh hin und sag es allen weiter. Gott hat Paulus beauftragt, um es uns zu sagen. Nun beauftragt er uns, um es weiter zu sagen. Das ist alles ganz einfach.

„Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden.“

Es ist Friede zwischen Gott und Menschen. Es ist Friede zwischen Gott und der ganzen Welt. Die Welt sieht anders aus. Und auch dein Leben predigt vielleicht eine andere Botschaft. Aber die Welt ist längst überwunden. Dein Leben ist längst in Gottes Hand. Du bist in Gottes Hand. Alle Sünde, aller Zweifel, alles Leiden, auch dein Sterben, alles, ist aufgehoben, angenommen und verwandelt in Gerechtigkeit.

Das heißt ja wohl: Daß es gut ist. Oder was soll das sonst heißen: „Damit wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden“? Deine Sünde ist zur seiner Sünde geworden. Deine Krankheit zu seiner Krankheit. Dein Sterben zu seinem Sterben.

Also wird nun sein Gehorsam zu deinem Gehorsam. Seine Gerechtigkeit zu deiner Gerechtigkeit. Sein Sieg zu deinem Sieg und seine Auferstehung zu deiner Auferstehung. „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“. Alles verschlungen am Kreuz.

Nun halte dich also nicht an das, was du siehst. Was dir das Leben predigt. Sondern halte dich an das, was du hörst. Glaube nicht an die Bilder. Halte dich nicht an das, was du siehst.. Glaube dem Wort und halte dich an die Verkündigung der Bibel. Du bist versöhnt mit Gott. Und diese ganze Welt auch. Durch das Kreuz Jesu. Amen.

Jens Lohse

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