Predigt vom 13. April 2008

Sunday, April 13, 2008 11:26:00 AM Categories: Archiv '06 - '08

Apg. 17, 22-34  (Paulus predigt in Athen)
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

(22) Paulus trat vor sie alle hin und sagte zu ihnen: „Männer von Athen! Ich habe wohl gemerkt, dass ihr die Götter hoch verehrt.. (23) Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angesehen. Dabei habe ich einen Altar entdeckt mit der Inschrift: „Für den unbekannten Gott“. Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, will ich euch jetzt bekannt machen.

(24) Er ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was darin lebt. Als Herr über Him-mel und Erde wohnt er nicht in Tempeln, die ihm Menschen gebaut haben.(25) Er ist auch nicht darauf angewiesen, von den Menschen versorgt zu werden; denn er selbst gibt ihnen das Leben und alles, was sie zum Leben brauchen.(26) Er hat aus dem ersten Menschen alle Völker der Menschheit hervorgehen lassen, damit sie die Erde bewohnen. Für jedes Volk hat er im voraus bestimmt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. (27) Er wollte, dass die Menschen ihn suchen und sich bemühen, ihn zu finden. Er ist jedem von uns nahe; (28) denn durch ihn leben, handeln und sind wir. Oder wie es eure Dichter ausgedrückt haben: „Auch wir sind göttlicher Abkunft.“ (29) Wenn das aber so ist, dürfen wir nicht dem Irrtum verfallen und meinen, die Gottheit gleiche den Bildern aus Gold, Silber und Stein, die von menschlicher Erfindungskraft und Kunstfertigkeit geschaffen wurden.

(30) Bisher hat Gott mit Nachsicht darüber hinweggesehen, weil die Menschen es aus Unwissenheit getan haben. Aber jetzt fordert er alle Menschen überall auf, umzukehren und einen neuen Anfang zu machen.. (31) Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er die ganze Menschheit gerecht richten will, und zwar durch den Mann, den er dazu bestimmt hat. Ihn hat er vor aller Welt dadurch ausgewiesen, dass er ihn vom Tod erweckt hat.

(32) Als sie Paulus von der Auferstehung reden hörten, lachten ihn einige aus; andere sagten: „Darüber musst du uns das nächste Mal mehr erzählen.“

(33) Als Paulus darauf die Versammlung verließ, (34) schlossen sich ihm ein paar Männer an und wurden Christen, darunter Dionysius, der dem Areopag angehörte, und auch eine Frau mit Namen Damaris.


Das was ich eben vorgelesen habe ist eine Predigt. Ich soll also über eine Predigt predigen. Und dazu noch über eine Predigt, die Paulus gehalten hat. Ist das nicht eine Nummer zu groß? Wer bin ich denn!
Paulus selbst hätte das Argument wohl nicht verstanden. Er hat gesagt, dass es nur wichtig ist, dass die Botschaft weitergesagt wird. Also ich will also mal mutig sein! Paulus legt hier, das muss immerhin gesagt werden, ein Musterbeispiel einer guten Predigt vor. Aber der Reihe nach.
Paulus ist in Athen nur auf der Durchreise. Er wollte da eigentlich gar nicht hin. Er wartet auf Mitarbeiter, mit denen er sich verabredet hat. Und wenn er schon mal da ist, schaut er sich Athen an. Würden wir doch auch tun. Er sieht die vielen Tempel, die den unterschiedlichen Göttern geweiht sind. Wo wir vielleicht die großartigen Kunstwerke bewundern würden oder uns das halt als Folklore ansehen würden, sieht Paulus lauter Götzentempel. Was er sieht, lässt ihn geradezu gruseln. Er, der den einen Gott verehrt, der gelernt hat „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“ und „Du sollst dir kein Bildnis machen“ ist im innersten betroffen von dem, was er sieht.
Paulus kann es nicht lassen. Er steht auf dem Markt und redet mit den Leuten. Gab ja keinen Rundfunk kein Internet und keine Zeitung, so konnte man nur so weitergeben, wenn man was zu sagen hatte. Das taten wohl viele, es war überhaupt nicht ungewöhnlich. Wenn dagegen heute Jemand auf dem Domshof ..
Paulus erregte mit dem was er sagte jedenfalls Aufsehen. Will der etwa eine neue Religion verkündigen? So kommen ein paar Leute auf ihn zu. „Darüber müssen wir mal in Ruhe reden.“ „Hier ist das viel zu laut, komm einfach mit!“ Und sie führten ihn zum Areopag. Das ist ein Hügel und ein Platz in der Nähe der Akropolis. Und da ist die Behörde für Sicherheit und Religion. (Tolle Kombination, erinnert mich an Hannover, dort wohnt das Landeskirchenamt im Gebäude des ehemaligen Polizeipräsidium.). Also eigentlich will man den Paulus prüfen. Was hat der interessantes zu sagen. Die Athener, so sagt man, sind ganz wild auf Neuig-keiten. Das alles ist keine geschlossenen Veranstaltung. Jeder Bürger (auch jede Frau!) kann kommen und zuhören.
Könnt ihr euch das vorstellen? Ich will mal ein Experiment wagen. Bitte nicht erschrecken. Ich will was von Euch! Stellt Euch vor, ihr seid die Bürgerinnen und Bürger von Athen. Ihr seid Athener und Athenerinnen. Ihr seid auf den Areopag gekommen um diesem fremden Mann, der da reden soll, zuzuhören. Was erwartet ihr, ihr Bürger von Athen? Warum seid ihr gekommen?


( D i e     G e m e i n d e )
 a: Nachbarin hat mich mitgeschleift; b: Ich bin neugierig, was der zu sagen hat, ist mal ne Abwechslung; c: Ich hab ihn vorhin gehört, das hat mich irgendwie angerührt.

Danke! Das war mutig und großartig. Liebe Athenerinnen und Athener, wir müssen uns jetzt von Euch verabschieden. Danke, dass ihr hier wart. Wir sind jetzt wieder die Gottesdienstbe-sucher hier in der Simon-Petrus-Kirche in Habenhausen.

Was zu den Antworten
Ich sagte schon, Paulus legte eine Predigt hin, die einfach großartig war. Er greift das auf, mit den vielen Göttern, die die Athener verehren. Aber er verurteilt das nicht, doch wenn man genau hinhört, hört man durchaus was er wirklich meint.
Vielleicht würde er heute das so sagen: Ich bin am Sonntag durch Eure Stadt gegangen und da hab ich gesehen, wie viele von Euch liebevoll ihr Auto pflegten. Ich habe Eure Einkaufstempel gesehen, mit welcher Hingabe ihr da hingeht und Euch darin fast meditativ bewegt. Ich hab gesehen, wir ihr Eure Kinder liebt, weil ihr sie jeden Tag mit dem Auto direkt vor die Schule fahrt, damit sie bloß nicht so weit laufen müssen. Ich hab mitgekriegt, wie Eure jungen Leute stundenlang am Computer arbeiten und da Bekannte treffen, die sie nie gesehen haben und wohl auch nie sehen werden.

Aber seid ihr zufrieden? Habt ihr davon ein erfülltes Leben? Alle suchen mit diesen Taten eigentlich Gott, so hat es ein südamerikanischer Dichter so schön ausgedrückt. Wir alle suchen ihn, wir möchten ihm begegnen, wir nennen das womöglich  „das Glück suchen“, mit all dem, was wir tun. Aber suchen wir ihn an der richtigen Stelle? Oder machen wir das wie der sprichwörtliche Mensch, der einen verlorenen Euro sucht; nicht etwa da wo er ihn verloren hat, sondern an der Stelle, die von einer Straßenlaterne beleuchtet wird.
Was macht ihr Euch das Leben schwer, würde Paulus sagen. Gott hat die Welt geschaffen. Er braucht keine Tempel, sie sind ohnehin zu klein für ihn. Was tut ihr Euch bloß an, mit all der Mühe, die ihr Euch macht. Gott braucht solchen Dienst nicht. Was macht ihr Euch das Leben schwer, indem ihr Dinge, womöglich sogar die Kinder zu Ersatzgöttern macht und solche Ersatzgötter verehrt. Ihr verliert doch total den Überblick und richtet Schaden an, wo ihr Gutes tun wollt.

Ist das nicht wie ein hungriger Mensch, der Wasser zu trinken bekommt. Er hat den Bauch voll, dass es ihm schlecht ist, aber er hat immer noch Hunger.
Gott selbst gibt Euch das Leben und alles, was ihr zum Leben braucht. Ihr könnt Vertrauen zu ihm haben, oder wie andere sagen, ihr könnt an ihn glauben.
Aber Vertrauen haben heißt auch: angewiesen sein. Und das fällt uns doch schwer. Da ist es besser, etwas in den Händen zu haben. Früher haben die Menschen Götter aus Holz oder, wenn sie es sich leisten konnten, aus edlen Metallen gemacht. Die konnte man überall hin mitnehmen, man hatte sie zur Verfügung.

Lachen wir nicht über solchen Aberglauben. Was wird uns alles verkauft, z. B. in Esoterischen Kreisen. Wie schauen wir immer auf die Horoskope. Nein, Gott kann man nicht kaufen, Gott kann man nicht besitzen, aber Gott kann uns besitzen.
Er wurde in Armut geboren. In einem Stall. Er verkündete die Gegenwart des befreienden Reiches Gottes. Er sagte, dass Gott wolle, dass alle Menschen nicht selbstherrlich, sondern uneigennützig sein sollten. Er sagte, dass man Gott am besten dadurch ehre, dass man den nächstbesten Menschen so lieben solle, wie sich selbst. Und er sagte etwas Ungeheueres, dass man nämlich in diesem Nächsten, im Armen, Kranken, Leidenden, Einsamen, Sterbenden Gott selbst begegne.

Wir mögen das heute nicht mehr ungeheuerlich finden, weil wir es schon so oft gehört haben. Wenn ihr aber überlegt, dass ihr vielleicht eben achtlos an Gott selbst vorübergegangen seid, dann ist das wahrscheinlich auch heute ziemlich ungeheuerlich. Das ist nicht irgendwie bloß symbolisch gemeint. Jesus sagt das alles sehr ernsthaft und ziemlich direkt. Und dann zeigt er höchstpersönlich, wie man Gottes Aufforderung leben soll. Man soll nicht nur einen gewissen Teil seines Aktienpaketes für die Menschen einsetzen, sonder alles, wenn es sein muss das Leben.
Er selbst tut das. Er stirbt unschuldig am Kreuz. Freiwillig. Ein kaum glaubliches Ereignis: Gott erniedrigt sich am Galgen. So etwas gab es in keiner anderen Religion. Doch es war die äußerste Konsequenz seiner Liebe.

Allerdings starb er nicht wie so viele andere scheinbar gescheiterte unschuldige Menschen: Jesus ersteht am dritten Tage vom Tode auf, um den Menschen wirklich zu zeigen, dass auch sie, wenn sie ihm nachfolgen, gerettet werden und das Ewige Leben erlagen. Und Jesus erklärt dann noch, dass die Entscheidung Gottes für das Heil der Menschen unwiderruflich ist und dass der Heilige Geist, der auch ihn selber bewegt, ihnen bis ans Ende aller Tage helfen wird, zu glauben, zu hoffen und zu lieben.
Habt ihr gemerkt, jetzt habe ich den Predigtext doch verlasen. Aber ich bin eben nicht Paulus und ihr seid keine Athener!

Aber wenn das stimmt, wie Jesus erklärt, dass sich Gott unwiderruflich für uns entschieden hat, dann ist das doch nun wirklich was zum Jubeln. Und dass er sich für uns entschieden hat, werden wir nachher im Abendmahl auch ganz deutlich fühlen und schmecken.

Amen.

Klaus Dieter Philippsen

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