Predigt zum Schiffergottesdienst am Sonntag Qusimodogeniti, 19. April 2009, Simon-Petrus-Kirche, Johannes 20, 19-20

Sunday, April 19, 2009 11:39:00 AM

„Nehmt hin den Heiligen Geist“ sagt Jesus, nachdem er sich den verängstigten Jüngern gezeigt hat. Und er bläst sie an. Phh. Das ist ein Zeichen. So macht Jesus das oft. Er sagt etwas. Und er bekräftigt das mit einem Zeichen. Er geht. Aber er läßt die Jünger nicht allein. Er gibt ihnen den Heiligen Geist.

Du ziehst deine Stirn kraus? Du zweifelst? Du verstehst das nicht? Du hältst das für Eingebungen frommer Phantasie? Ja, mein guter, zu Thomas kommen wir gleich!

Aber vorher, bevor Thomas seine Stirn kraus ziehen darf und seine Zweifel anmelden darf...,bevor Thomas seinen gesunden Menschenverstand in Stellung bringen darf, bevor er sagen darf: „Was ich nicht sehen und anfassen kann, das glaube ich nicht“, bevor wir uns also mit uns beschäftigen, denn wir sind Thomas, dringt ein Wort zu uns durch aus einer anderen Welt:

„Nehmt hin den heiligen Geist“.

So, mein lieber Thomas. Nun kommst du. Du willst nicht glauben, was behauptet wird. Du willst dich nicht verlassen auf das, was andere sagen. Du willst Fakten. Du willst sehen. Du willst anfassen:

„Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hände in seine Seite lege, so kann ich’s nicht glauben.“

Vor bald 20 Jahren hatte ich mit meiner Frau eine Friendschip 25 gechartert und war auf dem Ijsselmeer unterwegs und wollte bei auflandigem Wind die sehr schmale Fahrrinne nach Hindelopen einlaufen. Ich war so’n typischer Charterkapitän. Einmal im Jahr oder zweimal auf so’m Schiff. Wie wenig Erfahrung hat man da. Es briste ziemlich auf und Wind und Wellen drohten das Schiff aus der Fahrrinne zu treiben. Der Außenborder mußte an. Und zwar schnell. Ich zog und zog am Anlasser, wohl 90 mal, aber der Motor sprang nich an. Noch 10 Sekunden und ich wär auf Grund gelaufen. Da hat’s beim 91. Mal geklappt. Es fehlte so viel, und ich hätte den Pott auf Sand gesetzt. Nun aber fuhren wir sicher in den Hafen ein. Jetzt klingt das nicht weiter dramatisch. Aber jeder von euch, der schon mal das Gefühl erlebt hat, ich kann den Pott nicht halten, ich kann jetzt nichts mehr machen, ob’s gut geht oder alles ist aus, hab ICH nicht mehr in der Hand, jeder, der das kennt, der weiß, wie erleichtert wir damals von Bord gingen. Wir haben sofort die Kirche in Hindelopen angelaufen und Gott gedankt, daß die Sache gut ausgegangen ist.

Nun kommst du wieder, Thomas! Und du sagst: Glück gehabt. Zufall. So is das eben. Gott kann ich da gar nicht sehen.

Jeder von euch hat in seinem Leben schon genug Sachen erlebt, wo es haarscharf gut gegangen ist. Jeder von euch ist dem Tod schon einmal oder mehrmals von der Schippe gesprungen. Vielleicht habt ihr’s verdrängt oder vergessen, aber es gibt kein Leben, das nicht etliche Male bedroht ist bis auf den Tod. Ihr seid irgendwie Kirchenleute, sonst wäret ihr heute nicht hier. Deshalb habt ihr Gott gedankt. Aber vielleicht habt ihr auch nur mit den Achseln gezuckt und gesagt: „Glück gehabt“.

„Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hände in seine Seite lege, so kann ich’s nicht glauben.“

Wir sehen so viel- und glauben doch nicht. Wir erleben so viel- und zweifeln doch. Wir kommen nicht zur Ruhe und nicht zum Frieden, weil die Zeichen, die wir sehen, uns nicht beruhigen. Wir werden gerettet aus tosender See, unser Schiff ist wie ein Spielball der Gewalten, auf einmal sind wir durch- aber wir fürchten nicht Gott, den HERRN. Weder den, der uns das Wetter und die Gewalten auf den Hals geschickt hat, noch den, der uns mit mächtiger Hand bewahrte.

Wir hören nicht nur Geschichten von der Macht Gottes, wir erleben sie auch, wir sehen sie, wir können’s ja anfassen, was Gott tut, aber wir begreifen’s doch nicht. Wir glauben’s doch nicht.

Und so resignieren wir. Pusseln auf unserm Pott rum. Sind aktiv im Verein dabei. Tun unsere Arbeit. Bootfahren hat ja auch etwas mit Flucht zu tun. Mit Weglaufen. Wer immer unterwegs ist, wer immer was um die Ohren hat, der muß sich nicht mit Fragen beschäftigen, die ihm zu groß sind und für die er keine Antworten weiß.

Thomas hat’s gut. Der ist genau, wie wir.

„Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hände in seine Seite lege, so kann ich’s nicht glauben.“

Und dann, nach einer Woche,

„kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und Thomas war bei ihnen, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“

Es ist wohl so, daß wir von Natur aus nicht glauben können. Es ist wohl so, daß wir alle möglichen Fähigkeiten und Qualitäten aufzuweisen haben, aber glauben können wir von Natur aus nicht. Was wir können, ist zweifeln. Zweifeln ist unsere Grundeinstellung. Unsere Programmierung sozusagen. Glauben wäre ein neues Programm. Und das muß installiert werden. Das ist erstmal nicht da. Kein Mensch glaubt von Natur aus an den Gott der Bibel.

Da muß erst mal was passieren. Hier bei Thomas passiert dieses, daß Jesus selbst zu ihm kommt. Er läßt sich anfassen. Wenn Jesus nicht zu Thomas gekommen wäre, hätte der bis heute noch gesagt: „Ich kann’s nicht glauben“.

Jetzt aber sagt er:

„Mein HERR und mein Gott“.

Es gibt keinen anderen Weg zum Glauben, als den, daß Jesus zu dir kommt und sich dir zeigt. Durch Nachdenken kommst du nie zum Glauben. Auch nicht durch Fasten und Büßen. Auch nicht dadurch, daß du mit deinem Schiff in der herrlichsten Natur unterwegs bist. Auch nicht, wenn du auf dem Jakobsweg pilgerst. Es gibt überhaupt keinen Weg zum Glauben. Der Glaube muß zu dir kommen. Jesus muß zu dir kommen. Damit sind wir wieder beim Anfang dieser Predigt: Der Heilige Geist muß zu dir kommen!

Thomas hat Jesus äußerlich, mit diesen Augen gesehen. Du sollst ihn innerlich sehen. Thomas ist von Jesus besucht worden. Damit er glauben kann. Du wirst vom heiligen Geist besucht werden, ja, noch mehr, der heilige Geist wird in dir wohnen. Und dann gehen dir von innen her die Augen auf und du glaubst an Jesus, den Sohn Gottes.

„Spricht Jesus: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“.

Wie kann man nicht sehen und doch glauben? Wie kann man glauben, daß das, was man sieht, Gottes Tun und Wirken ist? Wie kann man glauben, daß der Sturm, der uns in Gefahr bringt, von Gott kommt und die Not, die wir erleiden, sein Gericht ist  und die Rettung, die wir erfahren, die Rettung durch seine Hand? Wie kann man selig werden und glauben, daß alles von Gott kommt und also in allem gelassen sein und gehalten und stark und voller Vertrauen?

Es gibt keinen Weg dahin. Keinen Kurs, den wir nun einzuschlagen hätten. Wir haben das nicht in der Hand.

„Nehmt hin den heiligen Geist“.

Das sage ich euch heute im Namen Jesu. Nehmt ihn hin. Dann werdet ihr glauben. Amen.


Jens Lohse

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