Predigt zur Konfirmation am 10. Mai 2009, Römer 8,28

Sunday, May 10, 2009 11:40:00 AM Categories: Konfirmation

„Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind“.

Dieses Wort fängt gleich groß an: Wir wissen. Was sollen wir mit solch einer Aussage anfangen, die wir den Zweifel zur Grundlage aller Erkenntnis erhoben haben? Wir wissen. Wie sollen wir reagieren, wenn nicht mit Achselzucken auf solche Gewißheit? Hier weiß einer über Gott zu reden, nicht Beliebiges, nichts, über das er zu diskutieren und abzustimmen bereit wäre, hier verkündet der Apostel Paulus, was er weiß.

Um Wissen geht es im christlichen Glauben. Um Gewißheit. Um ein Fundament, auf dem du zu stehen kommst. Um Entscheidung, Ja oder Nein.

Ach, wir sind Menschen. Und was Gott angeht, neigen wir zu starken Schwankungen. Es gibt eine Sehnsucht, es gibt eine Angst, es gibt in unser aller Leben ein Scheitern und ein Versagen, es gibt Schuld, in die wir verwickelt sind in einem für uns unentwirrbaren Gemisch von Opfer- und Tätersein. Ja, es wäre alles ganz gut mit Gott, wenn man sich irgendwo fallen lassen könnte, wenn man irgendwo einmal sein Versagen aussprechen dürfte, wenn man irgendwo mal diesen Zwang abstreifen könnte, sich als etwas besseres zu verkaufen, als man ist. Ehrlichkeit, Offenheit, Vergebung. Große Worte.

Auf seinen Zweifel und sein Schwanken braucht man nicht stolz zu sein. Auch nicht auf den Ersatz, den man gefunden hat für den fehlenden Glauben an Gott. Die Goldenen Kälber, die wir uns gegossen haben und die wir anbeten. Wir sind Menschen, wir können nicht anders. Aber stolz sein darauf, daß man keinen Glauben hat, braucht man nicht.

Wir wissen. Das ist ein anderer Wind, der da weht. Könnte der auch bei uns wehen? Kann es sein, daß auch uns der heilige Geist packt und erlöst aus unserer Lethargie und aus unserer Lauheit und aus unserem Schwanken? Um nichts anderes geht es heute morgen. Um nichts anderes geht es im Konfirmandenunterricht. Kann es sein, daß Gott dich berühren und dich in Dienst nehmen will? Es kann sein.

Wir wissen, daß denen, die Gott lieben…

Was aber ist mit denen, die vor allem sich selbst lieben? Vielleicht haben die nichts anderes. Die Gott nicht lieben, die müssen wohl vor allem sich selbst lieben.

Was ist aber, wenn du sagst: Ich kann nicht an Gott glauben?

Lieber, dann mach es, wie Jakob, der mit Gott kämpft am Bach Jabbok, und der ihn festhält und nicht losläßt und der ruft: „Ich lasse dich nicht eher los, als daß du mich segnest!“ Wenn du Gott nicht kennst und wenn du nicht an ihn glaubst, dann kämpfe mit ihm, kriege ihn zu packen und ringe ihm seinen Segen ab. Dann bist du wie Israel, der mit Gott gekämft hat.

Aber einen Kampf muß dir Gott schon wert sein. Eine Anstrengung wirst du schon auf dich nehmen müssen. Das ist schwer in einer Welt, die ohnehin schon voller Anstrengung ist. Mit diesem Gott, auf den hier heute konfirmiert werdet, zu kämpfen, nie fertig zu sein, bis ihr selig sterben werdet, das ist schwer, wo sich so viele andere Götter anbieten. Billige, glänzende, die uns verlocken, und die unsern Egoismus und unsere Faulheit anstacheln.

„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Nicht mit Vielen wirst du dir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr…“

„Wir wissen, dass denen, die Gott lieben alle Dinge zum Besten dienen…“

Lieben hat immer etwas mit Treue zu tun. Wirst du Gott treu sein, in dessen Bund du heute aus eigenem Beschluß eintrittst? Wir sind von Natur aus untreu. Wir sehen es an der Geschichte von Adam und Eva. Wir spüren, wie die Lust auf Neues und Unbekanntes uns prickelt. Können wir Gott treu sein? Der Ort der Treue ist die Kirche. Ist die Gemeinde, die sich versammelt, um Gott zu loben. Denn Gott will nicht dein Einzel-Gott sein und der Gott, der ein Privatverhältnis mit dir unterhält. Gott will dein Gott sein in der Gemeinschaft mit den anderen Gliedmaßen am Leib Christi. Du gehörst dazu. Du bist Finger, Fuß, Bein, Haar, Auge, Mund, was auch immer am Leib Christi. Jesus hat dich berufen und er hat dir eine Aufgabe gegeben in der Kirche.

Zur Liebe gehört die Treue. Wir können menschlich gesehen vielleicht ohne Liebe leben. Und immer viel Neues erleben. Aber ohne die Liebe Gottes, auf die wir antworten mit unserer Treue, können wir nicht leben. Wie aber kannst du treu sein, wenn du dich nicht an den Ort stellst, an den Gott dich berufen hat? Wie kannst du treu sein, wenn du dich konkret von deiner Kirchengemeinde, von deiner Kirche abwendest? Wie kannst du denken, daß du für dich alleine ein Verhältnis mit Gott hast? Wie manche Leute sagen: Mit meinem Glauben hat das nichts zu tun, daß ich aus der Kirche ausgetreten bin. Meinen Glauben kann ich auch für mich haben. Das wäre so, als wenn du sagen wolltest: Meine Ehe, die kann ich auch ganz für mich alleine haben. Nein. Der Begriff „Ehe“ sagt, daß du sie nicht für dich alleine haben kannst. Du kannst sie nur mit deiner Frau oder deinem Mann haben. Und mit euren Kindern. Die Ehe ist ein Ding, daß du nicht alleine durchziehen kannst. Und der Glaube ist es auch. Denn es ist gerade der Glaube, der dich zusammenschließt mit den anderen, die auch glauben.

Der Glaube ist die Liebe zu Gott. Und diese Liebe kannst du nicht alleine leben. Das will Gott nicht. Das hat er nicht so geordnet. Deshalb werdet ihr in Gemeinschaft konfirmiert heute, und nicht jeder für sich. Und deshalb werdet ihr in die Gemeinde konfirmiert. Und es ist nicht nur die Sache der Gemeinde, etwas daraus zu machen, sondern durchaus auch eure.

„Wir wissen, dass denen, die Gott lieben alle Dinge zum Besten dienen…“

Fürchte dich nicht. Vor Nichts. Mehr muß ich hierzu nicht sagen. Denn was immer dir geschehen wird, es kommt dir von Gott zu. Und wenn du es nicht deuten kannst, und wenn du darüber unglücklich bist: Wenn du Gott liebst, dann weißt du, daß aus dem Bösen ein Gutes erwachsen wird, daß das Schlechte dich formen und voranbringen wird, daß das Leiden dich geduldig und stark machen wird. Du weißt nicht, warum Gott dies und jenes so und nicht anders macht. Aber du weißt, daß es gut ist, weil er es macht und weil er besser weiß, als wir, was gut ist für uns. Wir wissen, sagt Paulus.

„Wir wissen, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind.“

Vielleicht fühlst du dich jetzt ausgeschlossen nach dieser Predigt. Weil du gar nicht so fromm bist. Weil du diese Liebe zu Gott nicht hast. Weil du dich durchaus lieber an das hältst, was du sehen und verstehen kannst. Weil dir die Kirche schnurzpiepegal ist. Mag sein. Aber was heißt das schon? Das heißt, das du ein Mensch bist. Von allein und von Natur aus kann niemand glauben. Aber bist du dir sicher, daß Gott nicht auch dich erlösen will? Bist du dir sicher, daß Gott nicht auch dich als sein Kind auf seinem Schoß wiegen will? Bist du dir sicher, daß er nicht auch von dir geliebt werden und an deiner Treue sich freuen will? Noch ist es nicht so weit, das mag wohl sein. Aber weißt du, ob es nicht längst seinem Vorsatz entspricht, auch dich zu berufen?

Der große Reformator Johannes Calvin, dessen 500. Geburtstag wir dieses Jahr feiern, hat immer gesagt: Es liegt nicht an uns, ob wir glauben, sondern an Gottes Erwählung. Und als man ihm dann vorgehalten hat, das wäre ja fürchterlich, dann müßte man ja all die, die nicht glauben, für Verworfene halten, da hat er geantwortet: Ganz im Gegenteil. Man soll jeden, der nicht glaubt, auch für einen Erwählten halten. Bis zum letzten Atemzug. Denn bis zum letzten Atemzug kann jeder umkehren.

Wenn wir nun die Anderen, die nicht glauben, für erwählte Kinder Gottes halten sollen, dann doch auch uns selbst. Glaubt froh und gewiß, daß ihr seine Kinder seid. Amen.


Jens Lohse

© Kirchengemeinde Arsten - Habenhausen

Site Map | Printable View | © 2008 - 2018 Kirchengemeinde Arsten-Habenhausen | Impressum