Predigt zur Konfirmation am Sonntag Exaudi, 20.5.2007

Sunday, May 20, 2007 11:22:00 AM Categories: Archiv '06 - '08

“Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.” (Ps 18,30b)

Liebe Konfis,
  Was der Beter der Bibel da sagt am Ende Eures Unterrichtes „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen”, das kann nur eins heißen: Nehmt Anlauf! Auch die Unsportlichen! Der Beter spricht für alle. Nehmt Anlauf!

  Mir ist schon klar: Ihr scharrt sowieso mit den Hufen. Ungeduldig. Neugierig. Auf der Suche nach Herausforderungen. Nicht ohne Furcht vor Schwierigkeiten. Und durchaus auch mal bequem. Aber dann doch voller Ehrgeiz. Wahrscheinlich dauert Euch das heute auch schon wieder alles viel zu lange. 
  Anlauf nehmen – eigentlich ist das Eure Botschaft. Durch und durch. Ob Ihr es merkt oder nicht. Und auch das muß heute gesagt werden: Es ist gut, daß wir Euch haben: die Unruhe, die von Euch ausgeht, die Ansprüche, die Ihr an uns stellt, die Fragen, die Ihr an uns richtet, die Sprünge, die wir für Euch machen müssen.

  Ihr wollt nach vorn. Gott hält Euch nicht auf. Er ist ein Freund der Schwachen. Oh ja! Er hält es mit denen, die in Anfechtung sind und auf der Strecke bleiben, wie wir im Psalm gehört haben. Aber Gott ist darum nichts weniger ein Kämpfer. Verliebt in den Erfolg und versessen auf den Sieg: Euren Erfolg und Euren Sieg.
  Eine hat zu ihrem Konfirmationsspruch geschrieben, er bedeute, „dass man sein Ziel nicht aus den Augen verlieren sollte und nicht so schnell aufgeben sollte.“ Ja, die ganze Bibel kann man so verstehen: Nehmt Anlauf.

  Und eben nicht nur für die Hürden. Auch für die Mauern. Das ist ein Unterschied. Hürden feuern an, Mauern drücken nieder. Hürden – da springt man drüber. Man reißt sie vielleicht mal. Aber dann tritt man wieder an. Mauern – da läuft man gegen. Mauern machen zu. Sie blockieren. Sie erdrücken. Ihr wißt es. Die Lebenskurven, die Ihr für Euch gemalt habt, zeigen es mir, mit den steilen Abstürzen, die es da fast überall gibt. Wir marschieren im Leben nicht einfach geradeaus durch. Wir laufen gegen Mauern.
  Aber gerade dazu sagt uns der Beter: Nehmt Anlauf. Mit dem gleichen Ehrgeiz und dem gleichen Schwung. Bleibt nicht davor stehen. Ihr sollt drüber kommen. Und wenn es sein muß, dann schreibt Euch das auf die Mauer drauf, die vor Euch in den Himmel ragt. Vielleicht schlagt Ihr es auch mit Hammer und Meißel in sie hinein, wie einige von Euch ihren Konfirmationsspruch in den Stein hineingemeißelt haben. Damit keiner vorbeikommt und das wieder weg macht und die Mauer wieder kahl ist und stumm und bedrohlich.
„Den Abend langt währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.“
„Christus spricht: In der Welt habt Ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“
„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

  Eine von Euch hat geschrieben: „Der Herr beschützt dich immer, egal was du machst. Er hilft dir in allen schwierigen Momenten in deinem Leben.“
Das muß rauf auf die Mauer, und dann nehmt Anlauf!

  Aber das ist noch nicht alles: Mauern blockieren nicht nur. Sie trennen auch. Wir können vielleicht durchgucken wie durch die Mauer hier. Aber wir kommen nicht durch. Wir sehen uns und reden miteinander. Wir berühren uns. Aber die Mauer bleibt. Wir sind hier und die anderen jenseits, auf der anderen Seite. Auch das wißt Ihr – die Lebenskurven liefern die Stichworte.
  Wenn das hier irgendetwas „mit Gott“ zu tun haben soll, dann muß es schließlich um diese Mauern gehen, die wir mit allem Ehrgeiz und unserem ganzen Tatendrang nicht zerstören können und die dicker und höher sind als jede Verzweiflung.

  Einer Eurer Konfirmationssprüche lautet: „Bittet, so wird Euch gegeben. Suchet, so werdet Ihr finden. Klopft an, so wird Euch aufgetan.“ Und die sich das ausgesucht hat, hat dazu geschrieben: „Ich finde den Satz ‚Klopfet an, so wird euch aufgetan!’ besonders wichtig, weil es bedeuten kann: ‚Klopfet bei wem im Herzen an, den du sehr magst. Vielleicht nimmt er dich auf, und du wirst immer in seinem Herzen bleiben. Der Spruch sagt aus, daß man gründlich suchen soll, dann findet man auch. Daß man nicht gleich aufgeben soll. Immer wieder versuchen.“ Dazu treibt Gott an: Die Mauern zu überspringen, die uns vom anderen trennen, nicht nur vom Erfolg und vom Sieg, vom Geld und von der Karriere: sondern von den Nachbarn, den Mitschülern, von denen, die sich in ihrer Angst verbarrikadieren, die wir in unsere Vorurteile einbetonieren, die hinter ihrem Versagen verschwinden wie hinter Gefängnismauern. Manchmal sind es gerade die, die wir besonders mögen, oder auch: die es verdienen, daß wir sie besonders mögen.

  „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“
  Einer hat zu diesem Satz geschrieben: “Ich denke, daß man mit Gott alles machen kann.” Als ich das das erste Mal gelesen habe, war ich schockiert. „Mit Gott kann man alles machen!“ Liebe Eltern, ich versichere hier an Eides statt, daß ich das Ihren Kindern so nicht ein einziges Mal gesagt habe.

  Aber ich muß ja auch etwas lernen: „Mit Gott kann man alles machen.“ Nehmt Anlauf! Amen.


Pastor Schulken

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