Predigt zur Konfirmation am Sonntag Rogate, 13.5.2007 Lk 6,46-49

Sunday, May 13, 2007 11:21:00 AM Categories: Archiv '06 - '08

Liebe Konfis,
was Jesus Euch und uns am Ende Eures Konfirmandenunterrichtes mit auf den Weg gibt, ist klar: Seid clever!

  Muß man Euch das sagen? Ihr seid nicht blöd! Ihr wißt, wo etwas zu holen ist (nicht zuletzt bei der Konfirmation!). – Euch kann man nichts vormachen. Ihr merkt das selbst vielleicht gar nicht. Aber an Eurem Verhalten ist es abzulesen. Ihr wißt, was man für voll nehmen kann oder wo Ihr weghören könnt. Ihr spürt, ob der Typ was taugt, der Euch etwas erzählt. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann. – Sicher: Ihr kriegt nicht alles mit. Manches muß man dreimal sagen, und dann tönt es doch noch aus irgendeiner Ecke: „Was? Können Sie das nochmal sagen!“ Das fand ich dann immer ziemlich blöd... – Aber eigentlich haltet Ihr uns Großen den Spiegel vor mit der spontanen Cleverness, mit der Ihr auf uns reagiert. Wie relevant ist, was wir Euch sagen? Sind wir ein Vorbild mit dem, was wir tun? Auf was für ein Fundament haben wir unser Lebensgemäuer errichtet? Auf Glaube, Hoffnung und Liebe? Ihr spürt es. Und laßt es uns spüren.

  Ihr seid clever. Ihr habt mir dafür auch Beweise in die Hand gegeben, mit den Kommentaren zu Euren Konfirmationssprüchen.
   „Ich habe sehr oft bemerkt, daß wir heut zu Tage nur noch auf das Äußere achten. Wir versuchen es erst gar nicht, einen Menschen kennen zu lernen, wenn er uns vom Äußerlichen nicht anspricht. Und so lernen wir wahrscheinlich manche Menschen gar nicht kennen, die aber in ihrem Inneren vielleicht schöner sind, als sie von außen aussehen. Gott macht alles anders. Er achtet nicht auf das Äußere, ihm ist es egal. Er achtet nur darauf, was die Menschen in ihrem Herzen haben.“ Ahben Sie es bemerkt, liebe Gemeinde: Da steht nicht: „besser“ seien diese Menschen vielleicht, die äußerlich nichts hermachen, sondern „schöner“. Auch Charakter ist etwas für die Augen. Clever, nicht wahr!?

  Seht Ihr, das will Jesus. Seid clever! Laßt Euch, wenn Ihr nicht  anders könnt, aus der Kirche herauskonfirmieren. Aber laßt Euch auf keinen Fall aus solchen Einsichten herauskonfirmieren. Mauert Sie in Euer Lebenshaus ein. Dann hält es. Da kann der Meeresspiegel ruhig ein paar Meter steigen. Ihr werdet nicht im Regen stehen – und sei es, daß die Lebenskurve im freien Fall nach unten weist, wie das auf vielen Lebenskurven zu sehen ist, die Ihr für Euch gemalt habt. Ihr werdet Euch in den Menschen nicht täuschen, nicht in den Schlechten und nicht in den guten. Ihr werdet Euch eine Menge Streß und Frust ersparen. Ihr werdet die richtigen Freunde haben.

  Seid clever. Die Grundmauern eines Hauses kann man nicht sehen. Aber sie tragen das Haus, nicht die Fassade. Man muß tief graben, wenn das Haus halten soll. Das kostet auch Mühe.
  So ist es mit Gott. Wer glauben will, muß tief graben. Da liegt nichts am Tage. Ihr habt Eure Sprüche hier auf diese Steine gebracht, z.T. in sie eingemeißelt. Sie haben Ecken und Kanten, man kann sich dran stoßen. Und sie sind nur mühselig zu bearbeiten. Hartes Material.
  „Seid gütig und barmherzig und vergebt einander, wie auch Gott durch Christus euch vergeben hat“, lautet einer Eurer Sprüche. Und einer hat geschrieben: „Das Schwierige an dem Spruch ist, zu verstehen, wie Gott uns durch Christus vergeben hat.“ Vergebung für alle durch einen toten Mann? Schwer zu hören und zu leben. Nicht gerade logisch.
  Aber clever. Luxus pur. Teuer erworben und gratis verteilt: Schuldbeseitigung ohne Strafe. Liebe ohne Leistungsnachweis. Anerkennung auch bei schlechten Zensuren – nicht Zeugnis-, sondern Lebenszensuren. Selbstbewußtsein ohne Selbstdarstellung. Nicht als Wunsch, sondern als Wirklichkeit. Nicht Sand, der uns in die Augen gestreut wird. Sondern Stein, auf den wir bauen können, auf den wir sogar hauen können, wie mancher von Euch auf seinen Ytong eingeprügelt hat: Das Blut Jesu Christi, mit Hammer und Nagel aus seinen Händen und Füßen geschlagen. – Vergebung für alle durch einen. Ich verstehe es auch nicht, liebe Konfis. Aber ich liebe es.

  Und jetzt noch einen letzten Anlauf. „Wir sind nicht auf diese Welt gekommen, um uns zu fürchten“, hat eine geschrieben. Viele haben ähnlich geschrieben: Gott beschützt uns. Er ist bei uns. Ihr geht jetzt daran, Euch ein eigenes Haus zu bauen. Ihr legt den Grund dafür. Und ihr merkt, das ist kein Pappenstil. Nichts für Heimwerker und Hobbybastler. Druck in der Schule, Streß mit den Freunden, Forderungen aus der Familie. Da hört es sich gut an: Gott beschützt uns. Er ist bei uns. Er macht uns Mut. Er gibt uns ein Dach über dem Kopf.
  Aber hört Euch das nicht nur an. Tut es auch. Beschützt andere. Seid bei ihnen. Macht ihnen Mut. Das ist clever. Bunkert diese Sicherheit nicht für Euch im Keller. Macht die Türen auf und holt andere herein in Euer Haus. Dann hört Ihr den Schutz nicht nur, dann habt Ihr ihn.
  Auch das habe ich in Euren Kommentaren gefunden: „Gott hat uns die Liebe gegeben, damit wir auf andre Menschen zugehen können und sie lieben, ohne daß wir Angst haben.“ So steht das Haus, auch bei rauem Wetter. Oder, wieder mit Euren Worten: Dann „hast du [am Ende] ein gutes Leben gelebt“. Amen.


Pastor Schulken

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