Silvester 2011, Simon-Petrus-Kirche

Sunday, January 1, 2012 6:47:00 AM Categories: in Habenhausen Silvester

Silvester 2011, 2. Mose 13, 17-22, Simon-Petrus, Kirche

Heute führt uns das Wort Gottes an den Rand der Wüste. Wir werden dem Volk Israel zugesellt, das da mit Hoffen und Bangen am Anfang eines langen Weges sich sammelt in Etam.  Am Rande der Wüste.

Wir sind in gewisser Weise so dran, wie sie dran waren, kaum, dass der Pharao seine harte Hand von ihnen abgezogen hatte und sie sich aufmachten. 600.000 Mann zu Fuß ohne die Frauen und Kinder. Ein ganzes Volk. Nicht ein Jahr lag hinter ihnen, wie heute Abend bei uns. Sondern 430 Jahre hatten sie in Ägypten zugebracht. Hatten sich gewöhnt, hatten sich eingerichtet, hatten immerhin nicht gehungert, hatten an den sprichwörtlichen „Fleischtöpfen Ägyptens“ gesessen. Sklaven der Ägypter waren sie gewesen, aber nun hat der HErr alle Erstgeburt der Ägypter getötet und den Pharao erschüttert. Einen kurzen Moment ist der Pharao angeschlagen; und beladen mit Sack und Pack, mit reicher Beute an Gold und Silber, fremden Volk und „sehr viel Vieh“ nutzt Israel die kurze Schwäche des Unterdrückers und macht sich auf.

Eine Mischung aus Flucht und Aufbruch war das, Urbild aller Fluchten und Aufbrüche, die wir in unserm Leben durchmachen  oder zu denen wir uns aufmachen.

Ob dieser Jahreswechsel jetzt solch ein Aufbruch ist, weiss ich nicht. Nur, weil wir den 31.12. haben und morgen der 1.1. ist, muss sich ja nicht unbedingt etwas ändern in unserm Leben. Es kann sein, dass alles so bleibt, wie es ist und bei den Meisten wird’s wohl auch so bleiben. Dennoch: Durch diese Geschichte werden wir jetzt hineinversetzt ins Gewimmel und Gekrimmel der 600.000, die das Nildelta hinter sich und die Wüste vor sich haben. Unser Leben kann also doch wohl auch ein Aufbruch sein, auch wir können auf den Weg in ein neues Land uns machen, das Gelobte Land, wo Milch und Honig fließen.

Als nun der Pharao das Volk hatte ziehen lassen, führte Gott sie nicht den Weg durch das Land der Philister, der am nächsten war; denn Gott dachte, es könnte das Volk gereuen, wenn sie Kämpfe vor sich sähen, und sie könnten wieder nach Ägypten umkehren.

Der Weg ist nicht das Ziel. Sondern Ziel ist das Land Kanaan. Auf dem Weg dorthin, gilt es, Wüsten zu überwinden oder Länder zu durchqueren, in denen starke Völker leben. Die Philister würden sich Israel in den Weg stellen. Israel müsste sich seinen Weg mit Waffengewalt freikämpfen. Gott aber sorgt für sein Volk und will nicht, dass es in diese Kämpfe gerät. Er will auch nicht Israels Mut überstrapazieren.

Du ziehst los in eine neue Situation und dann türmen sich die Hindernisse gleich so hoch vor dir auf, dass du den Mut verlierst. Meinst du nicht, Gott kennt deine Kraft und deine Schwachheit, deinen Mut und dein Nervenkostüm? Denkst du denn, er würde dir irgendetwas abverlangen, was zu leisten du gar nicht im Stande bist?

Lasten hast du zu tragen, Hindernisse hast du zu überwinden. Aber Gott will doch nicht, dass du mutlos wirst und umkehrst. Er führt dich Wege, die du gehen kannst. Keine unmöglichen Wege. Vielleicht schwere Wege. Aber die allerschwersten, an denen führt er dich vorbei. Er will ja, dass du zum Ziel kommst.

Was ist das Ziel, das wir haben? Ihr könntet vielleicht manche Ziele beschreiben.

Was hast du dir vorgenommen für 2012? Was hast du dir als Ziel gesetzt zur Entwicklung deiner Persönlichkeit oder zur Verbesserung deiner Lebenssituation? Der ein oder andere zuckt jetzt müde mit den Schultern: Da wird sowieso nix draus! Heute abend werden viele Vorsätze gefasst, aber doch mit einem Augenzwinkern und mit wenig Festigkeit und Gewissheit.

Das sind ja im Grunde auch alles nur Etappenziele. Das Ziel, das wirklich vor uns liegt, vor dem ganzen Volk Gottes, vor ganz Israel, vor der ganzen Kirche Jesu Christi, das beschreibt der Hebräerbrief:

Es ist noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes (Hb. 4,9)

und in der Offenbarung des Johannes heißt es:

Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. (Offb.2,10).

Wir sind unterwegs durch unser ganzes aufgeregtes Leben mit seinen großen und kleinen Zielen, Wünschen und Sehnsüchten, hin zur ewigen Ruhe Gottes, zum großen Sabbattag in den Himmeln, da wo uns die Krone des Lebens gegeben wird, zum Paradies, zum Thron Gottes. Und Gott sorgt auf diesem Weg für uns.

So, wie er den Pharao mit harter Hand niedergeschlagen hat durch den Tod aller Erstgeburt in Ägypten, auch des königlichen Sohnes, des Prinzen von Ägypten, und der Pharao die Kraft nicht mehr hatte, Israel festzuhalten und weiter als Sklaven zu halten, so hat Gott die Sünde, diese Großmacht auf Erden, niedergeschlagen durch den Tod – nun diesmal seines eigenen erstgeborenen Sohnes am Kreuz – und die Sünde, die doch gewöhnt ist, zu herrschen auf Erden, muss geschwächt, gedemütigt, ohnmächtig zusehen, wie wir einen anderen Weg nehmen, als den, den sie für uns vorgesehen hatte.

Nicht, dass sie uns nicht noch eine Menge Schwierigkeiten machte, das macht sie. Nicht, dass sie sich nicht noch eines anderen besönne, und hinter uns herjagte, wie der Pharao dann doch hinter Israel herjagte, um sie wieder ein zu fangen. Jeder von uns weiß, wie die Sünde reißt und tobt und zerrt an ihm. Aber das Urteil ist gesprochen, der Erstgeborene ist geopfert, der Weg ist frei und niemand kann uns aufhalten, auch der Teufel nicht, wenn wir glauben, dass Christus für unsere Erlösung gestorben ist.

Gott sorgt sich um unsern Weg und räumt schon im Verborgenen die schlimmsten und schwersten Hindernisse beiseite und führt uns weise an den schlimmsten Feinden vorbei, damit wir den Mut nicht verlieren. So führt er auch Israel an den Philistern vorbei.

Darum ließ er das Volk einen Umweg machen und führte es durch die Wüste zum Schilfmeer. Und Israel zog wohlgeordnet aus Ägyptenland.

Was sind denn die Umwege unseres Lebens anderes, als Wege, auf denen Gott uns rettet? Was meint ihr, was da los war in Israel, als es nun auf einmal nicht  den kürzesten Weg lang ging? Was für ein Gemurre, manchmal auch Verzweiflung, wenn es nicht so kommt, wie man selbst sich das zurecht gelegt hatte! Ach, Gott, was ist im vergangenen Jahr wieder anders gewesen, als wir uns das vorgenommen hatten! Das wird im neuen Jahr wieder so sein. Was wälzen wir uns da nachts hin und her voller Sorgen, Zweifel und, manchmal, auch Verzweiflung.

Aber was sind die Umwege unseres Lebens anderes, als Wege, auf denen Gott uns rettet? Israel wird ans Rote Meer geführt. Vor ihnen Wasserfluten. Hinter ihnen das Hufgetrommel der Armee des Pharao. Aber genau hier, wo sie denken: Warum konnten wir nicht den kürzeren, den einfacheren Weg durch das Land der Philister nehmen, warum müssen wir hier untergehen, genau hier werden sie gerettet.

Und Mose nahm mit sich die Gebeine Josephs, denn dieser hatte den Söhnen Israels einen Eid abgenommen und gesprochen: Gott wird sich gewiss eurer annehmen; dann führt meine Gebeine von hier mit euch fort.

Manche Dinge erfüllen sich erst nach deinem Tod. Nichts in diesem Leben ist schon das Ziel, zu dem du aufgebrochen bist. Alles Etappen. Wichtige Etappen. Joseph hatte wichtige Aufgaben zu erfüllen in Ägypten an seinen Brüdern, er war auf Erden ein wichtiger und gesegneter Mann. Aber das Ziel erreichte er erst als Toter. Seine Gebeine kamen in das Gelobte Land und wurden durch Josua in Sichem begraben. Verlass dich drauf, dass Gott Sorge trägt für dich in diesem Leben und dass er dich segnet und dass er deinen Weg um unüberwindliche Hindernisse herumführen wird. Aber noch mehr verlass dich darauf, dass Gott dich an das große Ziel führen wird, zur Ruhe am ewigen Sabbat in den Himmeln. Und dieses Ziel wirst du sehen, wie Joseph: Wenn deine Gebeine begraben werden.

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der HErr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage, noch die Feuersäule bei Nacht.

So geht Gott mit uns, wie er mit Israel gegangen ist. Er geht mit uns in ein neues Jahr. Er führt uns durch manche Umwege und Schwierigkeiten, aber doch nur, um uns zu retten und zum Ziel zu führen. Und wenn ihr die Wolkensäule und die Feuersäule nicht sehen könnt, in der er euch begleitet und führt, dann seht auf die 600.000 in der Wüste. Genau so, wie er sie geführt hat, führt er euch. Fürchtet euch nicht!

Amen.

 

 

  

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