Totensonntag 2011, 20. November, Simon-Petrus-Kirche

Thursday, December 1, 2011 5:09:00 PM Categories: in Habenhausen Totensonntag

Predigt am Totensonntag, 20.11.2011, Simon-Petrus, Daniel 12, 1-4

 

Es ist ein Unding mit der Perikopenordnung. Ich muss hier einfügen und ergänzen den ersten Satz des 12. Kapitels des Danielbuchs, der unserm Predigttext unmittelbar voran geht. Den hat man weggelassen. Das ist nicht gut. Da heißt es:

Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen.

Daniel redet hier zum Volk Gottes, das Angst hat und unter Druck steht. Antiochos IV., einer der Nachfolger Alexanders des Großen, hat den Tempel in Jerusalem entweiht und dort ein Götzenbild aufgestellt. Wie immer gibt es unter den gebildeten und zivilisierten Oberschichten des Landes genug Leute, die dem Neuen gegenüber aufgeschlossen sind. Die jetzt in das Gymnasium gehen – so heißt damals das Fitnessstudio - , statt in den Tempel, die Griechisch reden, statt Aramäisch und die den ganzen Quatsch mitmachen, der da aufgefahren wird an Göttern aus Marmor und Gold und der dazugehörenden modernen Weltanschauung. Und es wird ungeheurer Druck ausgeübt auf die Kinder Gottes, dass sie sich nun endlich den neuen Zeiten anpassen und dem Glauben der Väter abschwören.

Der Druck ist ungeheuer, ihr müsst zuhause nachher einmal das Buch Daniel zur Hand nehmen mit diesen Geschichten, die ihr kennt, wie Daniel in der Löwengrube, die Männer im Feuerofen und das Menetekel im Palast des Königs Belsazzar. Aber wo die Not am Größten ist, da ist auch die Hilfe Gottes am Größten. Deshalb heißt es hier:

Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen.

Meinst du denn, es gäbe Irgendjemanden in dieser Welt, der könnte sich mit dem HErrn der Heerscharen ungestraft anlegen? Meinst du denn, es gebe irgendeine Macht, irgendeinen Gott, irgendeine moderne Ideologie, die sich ungestraft an der Kirche Gottes vergreifen und sie unterdrücken dürfte? Bleib also nur treu. Bleib also nur bei dem, was dir gesagt ist. Bleib also nur beim Wort Gottes und verlass dich darauf: Wenn all diese Wichtigtuer und Angeber mit ihren tollen Ideen längst zu Staub zerfallen sind, wird das Wort Gottes immer noch stehen und gelten von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Michael, das ist der Name des Helfers und er heißt auf Deutsch: Wer ist wie Gott? Und wenn wir anfangen, uns zu fürchten und wenn wir anfangen, Dinge für wichtig und für ernst zu nehmen, die die Feinde Gottes und die Gleichgültigen und die Spötter gegen seine Kirche sagen oder unternehmen, dann reicht es eigentlich, dass wir uns dieses Namens erinnern: Michael. Werist wie Gott? Wer wollte es denn im Ernst mit ihm aufnehmen?

Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit.

Immer wieder wird das seinem Volk passieren, solange es Menschen gibt, dass sie nicht glücklich werden durch ihren Glauben, dass sie nicht es leicht haben, dass nicht Hügel niedrig gemacht werden und Täler erhöht, sondern dass sie seufzen und stöhnen unter der Last ihres Lebens, unter den Angriffen der Sünde und des Teufels, unter der Bosheit der Ungläubigen, unter den Lasten, die Gott selbst uns auflegt um unserer Sünde willen. Es ist doch Quatsch, wenn gleichgültige Leute gern sagen: Ja, ich beneide die Menschen ein wenig, die einen Glauben haben, denn sie kommen leichter durch’s Leben. Unsinn, den Menschen von sich geben, die von Gott nicht viel  wissen und die sich auch nicht sonderlich für ihn interessieren. Ich habe keine Lust mehr, mir so etwas länger anzuhören und dann auch noch verständnisvoll dazu mit dem Kopf zu nicken.

Seit wann verwöhnt Gott sein Volk? Seit wann hat seine Kirche es leicht? Seit wann bedeutet Glauben, dass wir unbeschwert und frohgemut durch’s Leben kommen? Ich will euch sagen, was Glaube bedeutet: Glaube bedeutet, es mit Gott zu tun bekommen und mit seinem Wort. Glaube bedeutet, von seinem Gesetz beleuchtet und ausgeleuchtet zu werden, wie mit Scheinwerfern und daran erkennen, dass wir Sünder sind, die ihre Strafe verdient haben. Glaube bedeutet, geprüft und geläutert werden durch Leiden, wie Silber oder Gold im Feuer gereinigt werden. Und nicht zuletzt bedeutet Glauben, Spott, Feindschaft und Hohn derer zu erdulden, die den Kampf gegen Gott auf ihre Fahnen geschrieben haben. Und das mit Geduld und ohne, zurück zu schimpfen oder zu schlagen.

Der Weg des Glaubens ist kein leichter, sondern ein schwerer Weg. Er ist aber der Weg, den die Kirche nicht allein geht. Michael ist bei ihr, der starke Engel Gottes und deshalb kann sie aushalten, durchhalten, weil sie diese Verheißung hat: Du gehst nicht allein, Michael geht mit dir, deshalb halte aus, erdulde dein Leiden, trage die Last, denn wenn du das tust, so wird niemand dich aufhalten können auf dem Wege zum Ziel. Ertrage, was du zu tragen hast, denn es liegt der Segen Gottes auf dir und wer ist wie Gott?

Aber zu jener Zeit wird dein Volk erretttet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen.

Ja, darüber kann man streiten. Was ist das für ein Buch? Wie kommen unsere Namen in das Buch? Ist es möglich, dass alles schon vorher bestimmt ist und Gott sozusagen das Drehbuch unseres Lebens schon geschrieben hat? Ich verstehe das Buch hier an dieser Stelle beim Profeten Daniel so, dass wir damit getröstet werden sollen. Unser Name wird nicht vergessen werden bei Gott. Mögen die Menschen uns marginalisieren und unsere Namen ausstreichen: Sie stehen doch im Buch Gottes und am Tage der Abrechnung wird dieses Buch hervorgeholt. Und auch, wer hier längst vergessen ist: Bei Gott ist er nicht vergessen.

Ihr Lieben: Für uns ist das alles mehr oder weniger Theorie. Denn wir haben nichts aus zu stehen, außer ein bisschen Spott und Verachtung derer, die sich für ach wie klug halten. Aber welch Trost für die, von denen auf Erden nichts geblieben ist. Nicht mal ein Name auf einem Grabstein. Welch Trost für die ungezählten jungen Männer, die in zwei Weltkriegen im zynischen Rasen ihrer Regierungen starben. Dein Name steht im Buch Gottes. Welch Trost und welch Sieg auch am Ende über das unfassbare Morden in den Gaskammern des Dritten Reiches. Eure Namen sind aufgeschrieben. Gott hat euch nicht vergessen. Nicht die Opfer. Und nicht die Täter.

Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande.

Das ist der andere große Unsinn, den die Neunmalklugen immer gerne von sich geben: Die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten entspräche einem uralten menschlichen Wunsch. Sei also Wunschdenken. Komisch ist dann nur, dass in den ältesten Teilen der Bibel von dieser Hoffnung fast nichts zu lesen ist. Es gibt Bibeltexte, die viel älter sind, als dieser hier, Jahrhunderte älter. Da weiss das Volk Gottes noch nichts von der Auferstehung der Toten. Merkwürdig, wenn das doch angeblich im Menschen drin steckt und menschliches Wunschdenken ist.

Ich verstehe das genau anders herum. Israel, so fromm es ist, weiss nichts von der Auferstehung der Toten. Aber, weil es alles, was es weiss, durch Gott weiss, weil es alles, was es weiss,  gelernt hat durch Propheten und Lehrer, die Gott ihnen geschickt hat, deshalb schickt Gott nun den Propheten Daniel zu seinem Volk mit einer neuen Botschaft.

Es ist eben offensichtlich nicht so normal und menschlich, dass man sich vorstellen kann, die zu Staub zerfallenen und von Würmern gefressenen Leichen würden wieder aufstehen. Im Gegenteil: Normal und menschlich ist, dass man sich das gar nicht vorstellen kann. Liebe Brüder und Schwestern: wenn wir über göttliche Dinge reden, dann reden wir nicht über das, was wir etwa von uns aus wissen könnten bei ein bisschen Nachdenken oder wenn wir in der Schule gut aufgepasst haben.

Wenn wir über göttliche Dinge reden, reden wir über Geheimnisse, die Gott uns zeigt und von denen wir gar nichts wissen. Wenn wir über die Auferstehung der Toten reden und das ewige Leben, dann wissen wir Menschen überhaupt nichts. Und wir können auch nichts wissen. Das sind alles nur Meinungen. Alles nur Klugschnackerei. Die Wahrheit in dieser Sache liegt nicht in unserem Geist. Und auch nicht im wissenschaftlichen Forschen und Prüfen. Die Wahrheit wird uns offenbart in der Heiligen Schrift. Es ist etwas unheimlich, mit Dingen konfrontiert zu werden, die man sich eigentlich nicht vorstellen kann. Deshalb ist die Bibel ein Heiliges Buch. In ihr begegnet uns der Geist Gottes, nicht unser menschlicher Geist.

Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande.

Das brauche ich nicht weiter zu erläutern. Die Schrift zeigt uns, dass wir vor ein göttliches Gericht gerufen werden. An anderer Stelle zeigt sie uns, dass wir dann an die Gnade des Erlösers appellieren dürfen, wenn wir schon in diesem Leben uns auf ihn verlassen haben.

Und die da lehren, werden leuchten, wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit führen, wie die Sterne, immer und ewig.

Die Übersetzung der Lutherbibel an dieser Stelle ist missverständlich. Vielleicht sollte man besser mit „Die Einsichtigen“ übersetzen, statt mit „die da lehren“. Weil ja nicht nur die Pastoren und die Religionslehrer den Himmel bevölkern sollen. Die vielleicht noch am Wenigsten. Sondern alle, die sich auf das Wort Gottes mehr verlassen haben, als auf das Geschwätz der Leute.  Die „Einsichtigen“ eben. Und die unter Druck und Leiden nicht eingeknickt sind, sondern sich am Wort Gottes aufgerichtet haben. So sagt es der 111. Psalm:

Die Furcht des HErrn ist der Weisheit Anfang. Klug sind alle, die danach tun. Sein Lob bleibet ewiglich.  Amen.

 

Pastor Jens Lohse

 

  

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