Volkstrauertag 2011, Bittgottesdienst für den Frieden, Simon-Petrus-Kirche

Thursday, December 1, 2011 5:03:00 PM Categories: in Habenhausen Volkstrauertag

Bittgottesdienst für den Frieden am Volkstrauertag 2011, Philipper 4, 5b-9

 Das Fundament, auf dem alles steht sind diese vier Worte:

„Der HErr ist nahe!“

Wer sich von ihm verlassen fühlt, wer keine Beziehung zu ihm hat, der kann natürlich auch keine Hilfe von ihm erwarten. Der muss in allen Dingen des Lebens, und natürlich auch in politischen Fragen, auch in den Fragen von Krieg und Frieden, in menschlicher Weisheit und Kraft die Lösung finden. Wir aber glauben, dass der HErr uns nahe ist. Wir reichen ihm nämlich die Hand und wollen uns von ihm führen lassen. Denn das haben wir begriffen: Alle Versuche der Menschen, alleine zurecht zu kommen, ohne Gott oder sogar gegen ihn, enden in Elend und Katastrophen.

„Der HErr ist nahe!“

Er ist näher, als alle anderen Herren, erst recht näher, als alle sogenannten Fachleute und Experten. Die lassen dich, wenn es heiß wird, dann doch hängen. Er ist nahe. Er ist verlässlich. Er kann sich nicht irren. Denn er ist Gott. Ihn kann auch keiner besiegen, denn er ist allmächtig. Was soll daran falsch sein, was naiv, was weltfremd, wenn wir an der Hand des Herren uns sicherer geführt wissen und besser beschützt, als durch die Überlegungen der Militärstrategen und durch ihre Arsenale?

„Sorgt euch um Nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden.“

Täglich wird uns Sorge eingeredet. Täglich prasseln Nachrichten und Botschaften auf uns ein, die uns Sorge machen sollen. Man muss die Rolle der Medien da absolut kritisch sehen, denn sie leben davon, dass sie durch die Sorge, die sie erzeugen, das Interesse an ihren Produkten hoch halten.

Aber es ist auch ein Problem, dass die Sorgen, die in uns geweckt werden, der Krieg in Afghanistan, das Chaos im Irak, der offensichtlich wild gewordene Präsident des Iran, für uns viel konkreter, realer und mächtiger scheinen, als die Hand Gottes, die uns führt. Es ist der Unglaube, der uns Angst macht und der die Sorgen dieser Welt groß macht. Es ist auch hier wieder die Sünde, die uns betrügt. Wir sitzen einer Lüge auf, wenn wir denken, der Ahmedineschad, der an einer Atombombe bastelt, sei realer, als der Gott, in dessen Hand auch sein Leben ist. 

„Sorgt euch um Nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden.“

Natürlich haben wir Grund, für die Welt, so wie sie ist, zu beten. Es ist eine verrückte Welt. Was passiert, wenn der Iran die Atombombe hat? Wird Israel präventiv und gegen das Völkerrecht einen Angriff fliegen? Sollen wir vielleicht wieder einmal durch intensive Medienberichterstattung vorbereitet werden auf einen Krieg? So ist das ja auf dem Balkan gelaufen. So ist das in Afghanistan gewesen, im Irak, in Libyen. Wir müssen fürchten, dass der Iran das nächste Kriegsziel ist und wir dürfen fragen, ob die Bundeswehr sich dann wieder so vorsichtig im Hintergrund halten kann, wie in Libyen. Das ist alles richtig. Aber noch richtiger ist, dass wir um den Frieden beten dürfen.

Leider halten wir ein Gebet in seiner Kraft und Macht für viel wirkungsloser, als einen Flugkörper oder eine Rakete oder eine politische Aktion oder einen Protest. Leider meinen wir, dass auch für den Frieden mit menschlichen Mitteln und menschlicher Weisheit gekämpft werden muss, weil alles andere nichts bringt. Wir begeben uns damit genau auf das Niveau derer, die den Krieg für vernünftig halten. Wir begeben uns nämlich damit genau auf die Ebene des Streits menschlicher Meinungen und Erkenntnisse. Dabei hören wir doch hier, dass

„der Friede Gottes höher ist, als alle Vernunft“.

Wir stehen auch in einem Kampf. In einem Krieg sogar. Wie es aussieht, sind wir aber schon beinahe besiegt und es fehlt nicht viel, dann ist es aus mit uns.

Denn wir verlassen uns beinahe ganz auf Menschenweisheit. Dabei ist die Geschichte doch ein Lehrbuch dafür, wohin wir mit unserer Menschenweisheit kommen. Wir denken ja heute am Volkstrauertag an die Millionen Toten zweier Kriege, die mit äußerstem Wahnsinn, aber dabei zugleich mit aller zu Gebote stehenden kalten Rationalität ohne Rücksicht auf irgendwelche humanitäten Aspekte durchgezogen wurden von den damals Mächtigen.

Also lasst uns das Unvernünftige tun. Ich sag das heute mal so, weil es in den Augen der meisten Menschen unvernünftig ist. In Wirklichkeit ist es das einzig Vernünftige. Lasst uns beten für den Frieden. Und lasst uns das Gebet und unser Flehen mit Danksagung vor Gott bringen.

Wenn mein Glaube nämlich lebendig ist, dann danke ich Gott in allen Umständen meines Lebens. Wenn ich glaube, dass das nicht nur eine Phantasie ist, sondern dass ich wirklich an der Hand des HErrn geführt werde, wird da mein Herz nicht hüpfen und getrost sein noch in der größten Not? Wird nicht das Gerüst meines Betens die Danksagung sein dafür, dass er mein guter Vater ist? Nicht mal von ferne werde ich darauf kommen, dass er mich in meiner Not allein liesse.

„Sorgt euch um Nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden.“

Also werden WIR, wo wir nun von der großen Gefahr eines Krieges im Iran hören, und wo wir von den anderen großen und kleinen Kriegen in der Welt wissen, und wo wir daran denken, wie viele deutsche Soldaten schon wieder unter Waffen stehen und bereit sein müssen, zu töten und damit rechnen müssen, getötet zu werden, also werden wir jetzt einmal alle politische Vernunft und Klugheit durchaus würdigend, diese aber gerade heute hintenan stellen und das tun, was nur die Kinder Gottes tun können.

Wir werden beten, mit Danksagung dafür, dass Er sich uns schon oft als unser Vater gezeigt hat, wir werden beten dafür, dass der Krieg im Iran NICHT ausbricht. Und dass deutsche Soldaten NICHT in weitere Konflikte hineingezogen werden. Und wir werden dafür beten zu Gott unserm Vater, dass der Krieg in Afghanistan aufhört und dass das Töten im Irak aufhört und dass in Nordafrika und in Syrien die Waffen schweigen und die Menschen in Frieden leben können. Das tun wir nicht, weil es wahrscheinlich ist, dass es so kommt, sondern dass tun wir, weil wir hören, dass Gott seinen Kindern zu Hilfe eilt, wenn sie ihn darum bitten.

Weiter, liebe Brüder, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht.

Tatsächlich kann es sein, dass die Welt uns dafür lobt, dass wir den Krieg nicht wollen. Ganz gewiss hat unser Herz, und hat der Leib der Kirche insgesamt, Runzeln, Flecken und Makel. Heilig und gerecht, liebenswert und rein ist nur Christus. Wir sind es leider nicht. Aber wir sind doch in einen Kampf gestellt, es ihm nach zu tun. Das ist ein Kampf, weil es einige Mächte gibt, die da etwas gegen haben, dass wir es Christus nach tun. Die Sünde mag das nicht leiden, wenn wir, und sei es nur an der kleinsten Stelle, ehrbar, gerecht, rein und liebenswert sind. Und sie freut sich, wenn wir dann stolpern und wieder ebenso ungerecht sind, wie alle Welt.

Aber wir wollen’s ihr nicht so verdammt leicht machen. Wir wollen darauf bedacht sein und uns dafür anstrengen, darum kämpfen, uns den guten Ruf zu ergattern, dass wir Christus mehr vertrauen, als aller irdischen Macht, als aller Gewalt, als allen Waffen und Soldaten. Wir wollen lieber für naiv und weltfremd angesehen werden, als für allzu clever.

Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir –schreibt Paulus- das tut; so wird der Gott des Friedens mit euch sein.

Amen. 

Pastor Jens Lohse

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